Dokumentation

Digitale Agenda für eine lebenswerte Gesellschaft

Die Digitalisierung muss aktiv gestaltet werden, wenn sie zu einer für alle lebenswerten Gesellschaft beitragen soll. Welche Schritte dafür notwendig sind, diskutierten Fachleute und Engagierte aus Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und der Netzgemeinde am 29. Juni auf einer Fachkonferenz des Bundesfamilienministeriums.

[Man sieht ein Publikum auf Stühlen sitzend – aus dem Hintergrund spricht Petra Mackroth – Leiterin der Abteilung Familie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.]

Petra Mackroth:

Wir wünschen uns, dass man den Blick weitet auf die gesellschaftspolitischen Fragen, die mit dem digitalen Wandel verknüpft sind. Wir möchten gerne, dass man sowas wie eine digitale Agenda für eine lebenswerte Gesellschaft entwickelt, weil wir mit dafür sorgen wollen, dass die Menschen nicht überrollt werden von Entwicklungen, sondern selber gestalterisch tätig werden können und das soll der Platz sein an dem sie das tun können.

[Man sieht Frau Mackroth im Dialog auf dem Podium, das Publikum klatscht]

[Herr Beckedahl, Gründer und Chefredakteur bei Netzpolitik.org, hält eine Rede]

Markus Beckedahl:

Ich glaube, die größte gesellschaftliche Herausforderung vor der wir stehen, noch viel größer als Breitbandinternet und alles mögliche, ist, wie schaffen wir es Medienkompetenz, Digitalbildung an alle vermittelt zu bekommen? Wir haben uns viel zu lange darauf verlassen, dass wenn Menschen ein Smartphone kaufen, dass die Digitalbildung auch vom Himmel fällt. Und wir sehen allmählich, viele negative Phänomene sind vor allen Dingen damit verbunden, dass uns keiner erklärt hat, welche Verantwortung wir da haben.

[Man sieht interessierte Gesichter. Das Publikum applaudiert]

[Man sieht die Teilnehmenden eines Workshops im Stuhlkreis sitzend, in der Mitte steht eine Person, die etwas erklärt. Im Hintergrund ist eine Pinnwand zu sehen, an die jemand einen beschrifteten Zettel heftet. Adrien Liebig vom Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ gibt ein Interview]

Adrian Liebig:

Das Thema des Workshops ist digitale Kompetenz als unentbehrliche Kulturtechnik zu stärken.

[Man sieht einen anderen Workshop. Menschen sitzen im Kreis, diskutieren, einige schreiben mit. Jennifer Schubert vom Design Research Lab / UdK Berlin gibt ein Interview]

Jennifer Schubert:

Eines der ersten Ergebnisse dieser Diskussion in dem Workshop ist es, dass die soziale Spaltung durch die digitale Spaltung nochmal verschärft wird.

[Ein Monitor neben einem Eingang zeigt den Titel eines anderen Workshops: „Digitale Beteiligung & Teilhabe: Demokratie geht nur mit allen!“ Die Bloggerin Mareice Kaiser gibt ein Interview.]

Mareice Kaiser:

Der Workshop hieß ‚Digitale Teilhabe für Alle‘ – also wie können Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Herausforderungen teilhaben am digitalen Leben?

[Man sieht erneut Menschen bei einem anderen Workshop im Kreis sitzen. Eine Teilnehmerin tippt auf ihrem Smartphone. Helene Hahn von der Open Knowledge Foundation e.V. gibt ein Interview.]

Helene Hahn:

Was ist eigentlich digitales Ehrenamt? Welche Unterstützungsform muss etabliert werden, damit andere sich eben engagieren und sich in demokratische Prozesse, vor allen Dingen, einbringen können?

[Man sieht eine Teilnehmerin, die ein Stichpunkt auf ein Zettel notiert und diesen anschließend an eine Pinnwand heftet. In einem anderen Workshop steht eine Frau und spricht zu den anderen Teilnehmenden. Auch sie heftet einen beschriebenen Zettel an eine Pinnwand. Aus dem Hintergrund beginnt Ute Brutzki von der ver.di Bundesverwaltung zu sprechen.]

Ute Brutzki:

Wie weit sind die Familien überhaupt auf Digitalisierung eingestellt? Welche digitale Kompetenz gibt es in den Familien? Wie wollen wir Familie gestalten in den Zeiten der Digitalisierung? Sind wir immer nur noch online oder reden wir auch noch face-to-face miteinander?

[Man sieht verschiedene Menschen stehend beim Gespräch. Die Politologin und internationale Politikberaterin Geraldine de Bastion ist am Rednerpult stehend zu sehen. An der Leinwand im Hintergrund sind Auszüge eines Whatsapp-Chats zu sehen.]

Geraldine De Bastion:

Wir sehen hieran, dass es ganz oft eben einfach mit einer Übertragung unserer existierenden Familienkulturen ins Digitale zu tun hat. Die Oma hätte ich so auch besucht. Vielleicht kann ich sie öfter besuchen, wenn wir es über Skype machen. Die Mama hätte sich auch so beschwert, dass alles wieder wie ein Saustall aussieht, aber so findet es halt in einem digitalen Raum statt.

[Man sieht fünf Menschen auf dem Podium sitzen, die zusammen diskutieren. Es spricht Prof. Dr. Per Christiansen von der Hochschule für Ökonomie und Management Hamburg.]

Per Christiansen:

Mir ist heute hier bei dieser Konferenz so klar geworden, dass es noch eine andere Ebene von Medienkompetenz gibt, die wir brauchen: eine Haltung gegenüber den Medien. Wir müssen in der Lage sein unsere Mediennutzung einzuordnen in unsere eigene Lebensführung. Das sind viel schwierigere und emotionalere Themen.

[Die Moderatorin klinkt sich ein.]

Moderatorin:

Das ist persönliche Bildung eigentlich, deswegen ist das ja so schwer, weil jeden zu zwingen sich mit sich und der Welt, dem Guten und dem Schlechten, den Chancen auseinanderzusetzen ist natürlich sowieso schwer.

Per Christiansen:

Ja genau und diese Kompetenzen kriegt man nicht vermittelt über Broschüren, über Websites.

Moderatorin:

Ich würde auch sagen, nicht in der Schule.

[Man sieht Menschen im Gespräch. Aus dem Hintergrund spricht der Berater für digitalen Gesellschaftswandel Mads Pankow.]

Mads Pankow:

Wir müssen uns auch als Gesellschaft damit arrangieren, dass wir immer einen Teil der Gesellschaft haben werden, die die Kompetenzen nicht vollständig abrufen werden und die Möglichkeiten nicht vollständig abrufen können, die die digitale Technologie uns bietet. Und das ist vor allem für mich eine politische Aufgabe, dass man sagt, man geht damit um. Man muss eine Gesellschaft auch so gestalten, dass sie auch ohne Digitalisierung funktionieren können muss. Für die Leute, die ihre ELSTER-Steuererklärung eben nicht über das Internet schicken können, sondern die sie noch ausdrucken müssten, was jetzt gar nicht mehr dürfen.

[Erneut sind Menschen im Gespräch miteinander. Man sieht eine Mutter mit ihrem Kind. Aus dem Hintergrund spricht der Staatsekretär im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Ralf Kleindiek]

Ralf Kleindiek:

Es ist klar, dass Digitalisierung eine noch viel stärkere Bedeutung haben wird, auch für die Themen, für die wir als Ministerium zuständig sind und ich freue mich, dass wir von dem Input von ganz vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch profitieren können.

[Man sieht Staatsekretär Ralf Kleindiek mit vielen Menschen auf der Bühne. Sie halten Banner und Schilder mit der Aufschrift „Auf dem Weg zum digitalen Familienministerium“ vor sich.]