Rede im Bundestag Achter Altersbericht im Parlament beraten

Am 6. November hat der Bundestag den Achten Altersbericht beraten. Er rückt das Thema "Ältere Menschen und Digitalisierung" in den Mittelpunkt. Das Bundesseniorenministerium fördert Maßnahmen, damit auch die ältere Generation an den Vorteilen der Digitalisierung teilhaben und digitale Kompetenzen erwerben kann. "Denn man ist nie zu alt fürs Internet", betont Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffey.

[Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, steht am Pult und spricht zum Deutschen Bundestag. Es gilt das gesprochene Wort.]

Franziska Giffey

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wer sich ein langes Leben wünscht, der kommt am Älterwerden nicht vorbei. Im Bundesseniorenministerium arbeiten wir dafür, dass Menschen gut älter werden können. Wir wollen, dass sie so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden selbstbestimmt leben können. Wir beschäftigen uns mit Themen wie dem altersgerechten Wohnen, dem Umgang mit Demenz, wozu wir auch gerade die Nationale Demenzstrategie beschlossen haben. Wir wollen, dass Menschen an der Gesellschaft teilhaben können, egal wie alt sie sind. Dazu fördern wir über 500 Mehrgenerationenhäuser. Wir unterstützen Projekte gegen Einsamkeit und kümmern uns auch um die Digitalisierung. Wir wollen, dass ältere Menschen im Bedarfsfall gut versorgt sind. Auch das unterstützen wir, zum Beispiel mit der Konzertierten Aktion Pflege, aber zum Beispiel auch mit der Ausbildungsoffensive Pflege für mehr Nachwuchskräfte. Wir nehmen ältere Menschen in den Blick, ihre Wünsche und ihre Bedürfnisse. Gerade in diesen Zeiten während der Coronapandemie sind ältere Menschen von Einschränkungen ganz besonders betroffen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir sie in den Blick nehmen und uns darum kümmern, dass es ihnen gut geht. In diesem Sinne betrachten wir auch den achten Altersbericht der Bundesregierung. Wir werfen dabei ein ganz besonderes Schlaglicht auf das Thema Digitalisierung. Wir haben Sachverständige gebeten, ein ausführliches Lagebild dazu darzustellen. Es ist ganz deutlich: Man ist nie zu alt fürs Internet. Dafür braucht es zwei Dinge: Es braucht Zugang, aber es braucht auch Kompetenzen. Der Zugang zu den digitalen Diensten, der Ausbau der Breitbandversorgung, die Ausweitung von kostenlosen Internetzugängen in Kommunen und Pflegeeinrichtungen, das ist eine Aufgabe, bei der Bund, Länder und Kommunen, aber auch die Wirtschaft gefragt sind. Die Digitalisierung: Sie betrifft alle Lebensbereiche. Deshalb unterstützen wir auch in den verschiedensten Lebensbereichen. Wir haben ein Projekt mit dem Malteser Hilfsdienst, das noch in diesem Jahr Einrichtungen und Treffpunkte mit Technik ausstatten wird, in denen Seniorinnen und Senioren zusammenkommen und in denen auch ältere Menschen Unterstützung bei der Bedienung erhalten sollen. Unser Programm „Leben wie gewohnt“ wird beispielgebende und modellhafte Bau- und Investitionsprojekte zum digitalen und technikgestützten Wohnen fördern. Es gibt diverse Standorte, an denen das schon ausprobiert wird; das Thema Smarthome ist für ältere Menschen ganz besonders wichtig. Wir brauchen eine Entwicklung digitaler Angebote, die auch an die Bedarfe von älteren Menschen anknüpft und die Frage „Wie können diese Angebote intuitiv bedient werden?“ im Blick hat, damit nötige Kenntnisse und Kompetenzen auch leicht erworben werden können. Auch innerhalb der älteren Generation gibt es eine digitale Spaltung zwischen Internetaffinen und den Zurückhaltenden. Darum machen wir Angebote, zum Beispiel mit unserem Projekt „Digitaler Engel“, indem wir mit einem mobilen Beratungsteam in ganz Deutschland unterwegs sind: in Senioreneinrichtungen, aber auch in den Mehrgenerationenhäusern. Oder wir arbeiten mit der BAGSO, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, um eben auch die Plattform wissensdurstig.de zu unterstützen und dabei mitzuhelfen, dass digital und ana-log gut zusammengehen. Mir ist wichtig, zu sagen: Digital alleine reicht nicht. Digitalisierung ist natürlich kein Ersatz für menschliche Nähe und Gemeinschaft. Deshalb ist es wichtig, dass das analoge Leben auch in Zeiten der Pandemie älteren Menschen eine Teilhabe ermöglicht. Wir wollen keine Zweiklassengesellschaft, in der wir sagen: Die einen dürfen raus, die anderen müssen drinbleiben, und die Älteren können eben nicht teilhaben. – Wir wollen, dass Alt und Jung gleichermaßen am gesellschaftlichen Leben – auch in der Pandemie – teilnehmen können. 

[Applaus aus dem Bundestag.]

Franziska Giffey

So sollte auch die Seniorenpolitik gestaltet sein, und der achte Altersbericht bestätigt uns auf diesem Weg. Herzlichen Dank.

[Applaus aus dem Bundestag.]