LSBTI-Bewegung

50 Jahre Stonewall

Am 28. Juni jähren sich die Aufstände von Stonewall zum 50. Mal. Sie gelten als Geburtsstunde der weltweiten Bewegung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen für gleiche Rechte. Seitdem wurde in Deutschland und weltweit viel erreicht - doch es gibt auch noch viel zu tun.

Am 28. Juni 1969 wehren sich in der Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street in New York Schwule und Transsexuelle erstmals im großen Stil öffentlich gegen Polizeiwillkür, Gewalt und Razzien. Die Aufstände von Stonewall gelten deshalb als Geburtsstunde der weltweiten LSBTI-Bewegung für gleiche Rechte.

[Die Bar "Stonewall Inn" ist zu sehen. Grünes Straßenschild: "Christopher Street". Es fahren links und rechts amerikanische Polizeifahrzeuge vor. Die Bar wird erschüttert und eine große Regenbogenfahne vor der Bar errichtet. Die Polizeifahrzeuge fahren schnell aus dem Bild.]

Ein Jahr später, am 28. Juni 1970 findet in Erinnerung an die Ereignisse von Stonewall in New York der erste Christopher-Street-Day statt. In den folgenden Jahren gibt es auch in anderen Ländern die ersten CSD-Demonstrationen – in Deutschland erstmals am 30. Juni 1979 in Bremen, Köln und Berlin.

[Protestierende Menschen mit Regenbogenfahnen und Transparenten erscheinen vor der Bar. Es erscheint eine Deutschlandkarte mit Regenbogenflaggen-Pins in Bremen, Köln und Berlin.]

Gleichgeschlechtliche Lebensweisen haben zu der Zeit auch in der Bundesrepublik Deutschland einen schweren Stand. Der Paragraf 175 aus dem Jahr 1871 stellt homosexuelle Handlungen unter männlichen Personen unter Strafe. Der Paragraf wird mehrmals reformiert, aber erst 1994 komplett abgeschafft. Insgesamt werden etwa 50.000 Männer in der BRD verurteilt.

[Zwei Männer vor stehen vor einer Richterbank. Auf der Richterbank ein Dokument mit der Aufschrift "§175". Die Richterin schwingt den Hammer. Einblendung: "1994". Das Dokument verbleibt allein im Bild und landet im Schredder.]

In den siebziger Jahren bestand für schwule Lehrer beim Outing die Gefahr, dass sie aus dem Schuldienst verbannt werden. Lesbische Mütter konnten das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren. Doch es gibt auch erste Erfolge. 1980 wird das erste Transsexuellengesetz verabschiedet. Unter bestimmten Voraussetzungen konnten transsexuelle Menschen dadurch ihren Vornamen oder ihren Geschlechtseintrag im Geburtenregister ändern.

[Einblendung: "1970". Ein Lehrer steht neben einer Tafel. Tafel und Zeigestock fliegen aus dem Bild. Eine Mutter hält ein Baby im Arm. Das Baby verschwindet plötzlich auch aus dem Bild. Einblendung: "1980". Man sieht den Plenarsaal des Bundestags. Ein Dokument mit einem großen "TSG" darauf taucht auf. Die Mehrheit des Plenums erscheint grün (wie in Wahlumfragen).]

In den 80er Jahren wird die Community weltweit durch AIDS erschüttert. Die Krankheit verstärkte die bestehenden Vorurteile. Zugleich entstand aber auch eine große Welle der Solidarität. 2001 kommt in Deutschland mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung. Nach und nach erhalten eingetragene Lebenspartnerschaften weitere Rechte. So gilt seit 2013 das sogenannte "Ehegatten-Splitting" auch für sie. Zudem dürfen Homosexuelle nun das eigene Kind des eingetragenen Lebenspartners adoptieren.

[Einblendung eines Krankenbetts. Drum herum ploppen viele rote AIDS-Schleifen auf. Einblendung: "2001". Ein Paar (zwei Frauen) in eleganter Kleidung vor dem Standesamt. Blütenregen. Einblendung: "2013". Gleiches Paar, informellere Kleidung. Einblenden zweier Lohnsteuerkarten links und rechts neben ihnen. Darauf jeweils die Lohnsteuerklasse IV. Danach werden die Lohnsteuerkarten ausgeblendet und ein kleines Kind erscheint zwischen den Partnerinnen, die das Kind an die Hand nehmen.]

2017 dann erfolgt ein großer Durchbruch für die LSBTI-Bewegung: Der Bundestag beschließt die "Ehe für alle". Im selben Jahr wird die Rehabilitierung der Männer, die unter dem Paragraphen 175 verurteilt wurden, auf den Weg gebracht. 2018 wird eine weitere Geschlechtsoption im Geburtenregister eingeführt. Neben männlich, weiblich und offen gibt es nun divers.

[Einblendung: "2017". Plenarsaal des Bundestags. Ein Ehe-Symbol (Ringe) erscheint gemeinsam mit einer Regenbogenflagge. Zusätzlich sieht man ein Dokument mit einem großen "§175" darauf. Es wird in einen Hefter gelegt, der Hefter wird geschlossen. Es befindet sich ein grünes Häkchen darauf. Einblendung: "2018". Checkliste mit vier Optionen. "männlich", "weiblich", "offen" und  "divers". Letzteres wird angekreuzt.]

50 Jahre nach den Ereignissen von Stonewall wurde schon viel erreicht. In 28 Ländern gibt es die Ehe für alle. Mehrere europäische Länder haben bereits ein Transsexuellengesetz, das auf Selbstbestimmung basiert. Doch es gibt auch noch viel zu tun. Homo- und Transfeindlichkeit sind auch bei uns in Deutschland noch weit verbreitet. Die Gewalt gegen Minderheiten nimmt sogar leider wieder zu. Für trans- und gleichgeschlechtliche Lebensweisen gibt es nach wie vor viele gesellschaftliche und rechtliche Hürden.

[Es taucht eine Weltkarte auf. In den 29 erwähnten Ländern erscheinen Regenbogenflaggen-Pins.]

Weltweit stellen noch 39 Länder Homosexualität unter Strafe, in sechs Ländern droht sogar die Todesstrafe. Wir setzen uns deshalb weiterhin für gleiche Rechte und gegen Diskriminierung und Gewalt ein. In Deutschland und weltweit. Und das Jahr für Jahr ganz besonders sichtbar zum Christopher Street Day. Happy Pride!

[Zoom zurück auf Weltkarte. Länder mit Straftatbestand erscheinen grau. Die 6 Länder, in denen es immer noch die Todesstrafe gibt, werden rot markiert. Zoom wieder auf Deutschland und weiter auf Berlin. Wir sehen ein Gebäude des BMFSFJ in Berlin. Daneben wird eine Regenbogenflagge an einem Mast gehisst. Zoom zurück auf ganz Deutschland, in allen Städten, in denen CSDs stattfinden, erscheinen wie Nadeln in einer Karte Regenbogenflaggen.]