Engagement

25 Jahre Freiwilliges Ökologisches Jahr

Paula und Jannick haben eines gemeinsam: Beide absolvieren aktuell ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Das FÖJ ist ein Angebot für junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren und wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Die Zahl der Freiwilligen steigt kontinuierlich. Paula und Jannick begeben sich daher auf eine Reise quer durch Deutschland, um andere Jugendliche und junge Erwachsene, die im Rahmen eines FÖJ in verschiedenen Projekten des Umwelt- und Naturschutzes tätig sind, zu besuchen und über deren Erfahrungen zu sprechen.

​[Zwei Jugendliche schlendern auf dem Innenhof der Domäne Dahlem, einem landwirtschaftlichen Betrieb, entlang. Es herrscht strahlender Sonnenschein.] 

Moin, ich bin Paula aus Mecklenburg Vorpommern

Und mein Name ist Jannick Nessensohn und ich komme aus Baden-Württemberg. Und was uns beide zusammengeführt hat, ist das freie ökologische Jahr.

Genau unser Freiwilligendienst neigt sich langsam dem Ende zu und in den letzten Monaten habe ich gemerkt, wie viel man in dieser FÖJ-Gemeinschaft eigentlich erreichen kann.

Mir hat das ganz neue Perspektiven eröffnet und ganz coole Möglichkeiten geschaffen, mich selbst zu entfalten.

Genau, und von dieser Erkenntnis aus wollen wir einfach gucken, wie es mit den ganzen anderen FÖJ'lern in Deutschland ist. Hat das FÖJ denen auch etwas gebracht und was macht es einfach mit ihnen?

Beim Freiwilligen Ökologischen Jahr engagiert man sich ein Jahr lang an einer Einsatzstelle. Wir sind heute bei Ruth. Sie macht ihr FÖJ bei der Domäne Dahlem. Das ist ein landwirtschaftlicher Betrieb in Berlin.

Ich bin im Bildungsbereich. Das heißt, ich mache Umweltpädagogik mit meistens kleinen Kindern. Ich habe meine erste Führung jetzt angefangen zu übernehmen, aber sonst bin ich bei den Führungen von meinen Kollegen mitgelaufen und habe denen dabei geholfen.

Was würdest du sagen hat dir das FÖJ bisher am meisten gebracht?

Ich finde, man muss schon auch auf jeden Fall eine gewisse Eigenständigkeit entwickeln über das FÖJ hinweg. Auch andere FÖJ'ler lernt man kennen. Also man kann gegenseitig voneinander lernen, obwohl man noch nicht so alt ist und noch nicht so weise, aber weil alle ganz verschiedene Erfahrungen machen bei den verschiedenen Einsatzstellen.

Einsatzstellen gibt es überall in Deutschland, manche sind gar nicht so einfach zu erreichen - so wie die Einsatzstelle von Michael direkt in der Nordsee.

Ich möchte einfach Leute erreichen für so faszinierende Lebensräume wie zum Beispiel hier das Wattenmeer, das viele gar nicht so kennen und das ist auch unsere Arbeit. Wir machen jede Menge Führungen und wollen die Leute einfach begeistern. Wenn du nie in Kontakt damit gewesen bist, lernst du es nicht zu schätzen und zu schützen. Egal, wo du dein FÖJ machst, nimmst du viele Erfahrungen mit. Und diese Erfahrungen, die du sammelst, kriegst du nirgendwo anders. Also affengeil.

Bei der Waldschule Zehlendorf können Kinder und Jugendliche Wald erleben. Natur vermitteln - das ist die Aufgabe von Max und Felix.

In Berlin gibt es das Konzept, dass jedes Kind in seiner Schullaufbahn einmal in eine Waldschule kommt. Und wir versuchen, den Kindern den Wald näher zu bringen. Unsere Aufgabe ist es, diese Waldtage zu begleiten oder auch zu gestalten. Davor war mein Ziel, später in der Großstadt zu wohnen - ganz am Puls der Zeit. Jetzt kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen. Wald muss schon sein.

​[Zwei FÖJ'ler erklären Grundschüler_innen in der Natur verschiedene Blattstrukturen. Die Kinder knien auf dem Boden und begutachten die Pflanzen aus nächster Nähe.]

Ich wollte einfach ins FÖJ. Jetzt habe ich mir speziell die Waldschulen ausgesucht als Einsatzstelle und wollte da für mich herausfinden, ob mir die Arbeit mit Kindern liegt. Das nehme ich für mich mit, dass das auf jeden Fall so ist und ich später versuchen werde, einen Beruf zu erlangen, in dem ich mit Kindern zu tun habe.

Jetzt ist Dirk bei mir. Dirk du begleitest schon seit vielen Jahren das FÖJ. Warum genau gibt es eigentlich das FÖJ?

Naja der Ausgangspunkt des FÖJ war ja, dass es ein "Weiter so" in der Gesellschaft in Anbetracht der ökologischen und sozialen Probleme nicht mehr geben kann und wir uns dann auch überlegt haben, wie man junge Menschen dazu befähigen kann, ihr eigenes Leben nachhaltig zu gestalten und etwas gesellschaftlich zu bewegen. Ich glaube, dass es anders als in der Schule etwas ist, dass junge Menschen unser FÖJ mitgestalten - ob das Seminare sind, ob das Organisationsstrukturen sind. Sie können mitsprechen, sie können mitgestalten und ich glaube auch, dass nach so vielen Jahren, die wir das FÖJ anbieten, immer noch den Nerv der Zeit treffen, weil junge Leute einfach Lust haben, etwas zu tun.

Auf der Blumeninsel Mainau absolviert Patrizia ihr FÖJ. Dort hat sie die Schwerpunkte  Pädagogik und Integration.

​[Wir schwenken von einer Anhöhe zwischen Bäumen hindurch über die Weiten des Bodensees.]

Also allen Leuten, denen ich erzähle, dass ich hier auf der Mainau ein FÖJ mache, sagen als Erstes: Du gräbst bestimmt das ganze Jahr über Blumenzwiebeln in die Erde ein. Das habe ich schon einmal gemacht, aber das ist eher die Ausnahme. Wir sind meistens im Café Vergissmeinnicht. Das ist eine Einrichtung von Pro Integration oder wir machen Projekte mit Grundschülern bei der grünen Schule in Mainau. Ich finde, dass man unheimlich viel für sich lernt. Also, wie man vor Gruppen spricht, wie man sich selber organisiert, wie man spontan ein Projekt umschmeißt. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Wie nachhaltig einen das FÖJ prägen kann, erzählt uns gleich Anna. Sie ist eine ehemalige FÖJ'lerin

Das ist total schön, wenn man ganz viele unterschiedliche Leute kennenlernen kann und auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen kann, viel zuhörend, sehr kommunikativ. Das hat mir sehr gut gefallen und auch darauf kann ich jetzt aufbauen.

Das heißt, du würdest das FÖJ so ziemlich jedem jungen Menschen mal ans Herz legen?

Ich würde es jedem jungen Menschen mal ans Herz legen, der vielleicht eine kleine Gemeinschaft sucht, nachdem er aus seiner Schulgemeinschaft raus ist. Dem würde ich es auf jeden Fall empfehlen.

Die Lebenswerkgemeinschaft. Das ist die Einsatzstelle von Margareta. Dort macht sie alles rund um Pflanzen und das zusammen mit Menschen mit Behinderung.

​[Eine FÖJ'lerin trägt mit einigen Arbeitskollegen einen Stapel aus Holzscheiten ab. Sie haben Latzhosen und Schutzhandschuhe an, um sich vor Splittern zu schützen.]

Ich liebe die Leute hier, ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag von den Leuten etwas lernen kann. Ich habe den größten Spaß. Ich habe auch das Gefühl, ich habe echt ganz gute Bindungen zu ihnen aufgebaut und ich habe das Gefühl, dass ich dadurch auch viel über mich selbst gelernt habe. Was ich auch gelernt habe, ist, dass es sehr individuell ist, auf die Menschen zuzugehen und sie auch ohne Kategorisierung wahrzunehmen, weil die Leute nicht zu kategorisieren sind. Das ist etwas ganz Wichtiges, das sich auf die ganze Gesellschaft beziehen sollte. Ich muss sagen, dass diese FÖJ eine der besten Entscheidungen war, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Wir haben viele verschiedene FÖJ'ler in ihren Einsatzstellen besucht und, ob Landwirtschaft, Ökologie oder Pädagogik das FÖJ ist vor allem eines: vielfältig

Und vor allem eine prägende Erfahrung für die jungen Menschen die das Freiwillige Ökologische Jahr dort machen. Und Paula, wenn du das FÖJ jetzt in einem Wortzusammenfassen müsstest, was wäre das?

Das ist ganz klar: Gesellschaft erleben

Und für mich: Bewegen und gestalten.

Und für uns: Teamwork.