Familie und Beruf

Maßnahmen für mehr Vereinbarkeit vorantreiben

Partnerschaftlichkeit – ein Balanceakt
Partnerschaftlichkeit – ein Balanceakt© BMFSFJ

In ihrem Bericht "Dare to Share - Deutschlands Weg zur Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf" stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Bedingungen einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die tatsächliche Aufgabenteilung von Eltern in einen internationalen Vergleich. Sie bescheinigt Deutschland große Fortschritte bei der Unterstützung erwerbstätiger Eltern und der Förderung einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung zwischen den Eltern.

Ziel ist, dass beide Eltern sowohl Zeit für die Familie haben als auch im Rahmen ihrer Wünsche ihre berufliche Entwicklung verfolgen können. Die Einführung und Fortentwicklung des Elterngeldes und die erhöhten Investitionen in frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung, bieten Eltern heute bessere Möglichkeiten Familie und Beruf zu vereinbaren. Ein Wandel der Einstellungen und Wahrnehmungen der Bevölkerung hat diesen politischen Kurswechsel begünstigt.

Grafik: Positivere Einstellungen gegenüber arbeitenden Müttern – wenn in Teilzeitarbeit
Öffentliche Akzeptanz von Erwerbstätigkeit von Müttern kleiner Kinder nimmt zu © BMFSFJ
Grafik: Positivere Einstellungen gegenüber arbeitenden Müttern – wenn in Teilzeitarbeit
Große Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern in der Akzeptanz von Voll- und Teilzeitarbeit von Müttern mit schulpflichtigen Kindern© BMFSFJ

Der Anteil der Bevölkerung in den alten Bundesländern, der meint, dass eine Mutter überhaupt nicht arbeiten sollte, wenn sie ein Kind im Vorschulalter hat, ist von 46,6 Prozent im Jahr 2002 auf 21,8 Prozent im Jahr 2012 deutlich gesunken. Im selben Zeitraum hat sich der entsprechende Anteil in den ostdeutschen Bundesländern sogar auf unter 10 Prozent halbiert.

Zudem zeigt sich die deutsche Bevölkerung im Jahr 2012 im Hinblick auf die Frage, wie Väter oder Mütter eine bezahlte Elternzeit aufteilen sollten, nach der schwedischen als eine der modernsten Bevölkerungen im OECD-Raum. So sprechen sich circa 75 Prozent der Befragten in West-Deutschland und circa 74 Prozent in Ost-Deutschland für eine partnerschaftliche Aufteilung der Elternzeit aus.

Das Elterngeld und Elterngeld Plus stehen im Einklang mit international bewährten Leistungen. Ihre Einführung 2007 beziehungsweise 2015 stellt bedeutende Schritte in Richtung einer ausgewogeneren Aufteilung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Arbeit zwischen Männern und Frauen dar.

Zudem hat das Elterngeld die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Mütter nach dem Ende des Elterngeldbezugs wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren und hat insbesondere die Rückkehr hochqualifizierter Mütter in eine Vollzeitbeschäftigung gefördert. Die Einführung des ElterngeldPlus im Jahr 2015 ermutigt Väter noch stärker zur Inanspruchnahme der Elternzeit und bietet den Paaren finanzielle Anreize, um eine ausgewogenere Aufteilung von Erwerbstätigkeit und Familienarbeit zu entwickeln.

Seit Mitte der 2000er Jahre hat Deutschland sein Angebot an frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung ebenfalls erheblich ausgeweitet, was Kindern und ihren Eltern zugutekommt. Darüber hinaus gibt es Initiativen zur Ausweitung des Ganztagsunterrichts sowie der Betreuung außerhalb der Schulzeiten. Die OECD regt dabei an, die Angebote an dieser Stelle noch auszuweiten.

Auf der Grundlage der Erfahrungen mit dem Elterngeld und dem ElterngeldPlus rät die OECD der deutschen Politik, weitere familienpolitische Instrumente zur Förderung einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung zu entwickeln. Durch eine Weiterentwicklung familienpolitischer Förderinstrumente könnte beiden Elternteilen eine Erwerbstätigkeit in größerem Umfang ermöglicht werden und gleichzeitig auch den Wünschen der Väter nach mehr Zeit mit ihren Kindern nachgekommen werden. Konkret sollten Eltern junger Kinder einen Zuschuss erhalten, wenn beide Elternteile sich für eine vollzeitnahe Erwerbstätigkeit entscheiden.

Eine derartige Leistung entspricht dem in Deutschland derzeit diskutierten Konzept von Familienarbeitszeit und Familiengeld. Vor dem Hintergrund, dass eine Mehrheit der Eltern sich eine partnerschaftliche Aufteilung der Zeit für Beruf und Familie wünscht, aber nur eine Minderheit diese gegenwärtig realisiert, soll die Familienarbeitszeit Eltern dabei unterstützen, Zeit für Familie und Chancen im Beruf für beide zu verwirklichen.

Auch das Steuersystem sollte nach Vorstellungen der OECD im Anschluss an die Leistung "Familienarbeitszeit“ die Anreize fortsetzen, partnerschaftlich erwerbstätig zu sein. Darüber hinaus sollte in Deutschland auch ein Anspruch auf Rückkehr zur Vollzeit – oder einer anderen Arbeitszeit, die zu den sich verändernden familiären Rahmenbedingungen passt – eingeführt werden. Eine flexiblere Nutzung von Teilzeitphasen im Lebensverlauf könnte zudem helfen, die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu erhöhen.

Die Einführung des Elterngeldes und ElterngeldPlus führte zu mehr Partnerschaftlichkeit. Es ermöglicht beiden Elternteilen – Müttern und Vätern – ein berufliches Kürzertreten für die Betreuung des gemeinsamen Kindes ohne große finanzielle Einschnitte für die Familie. Das Elterngeld ist die einzige familienpolitische Maßnahme, die sich dezidiert an beide Elternteile einer Familie richtet. Mittlerweile nimmt mehr als ein Drittel der Väter (34 Prozent) Elterngeldmonate in Anspruch. So hat das Elterngeld die Vorstellung einer gleichen Aufgabenteilung von Frauen und Männern in Familie und Beruf befördert. Auch die Bilanz zur Nutzung des ElterngeldPlus fällt positiv aus: 22,7 Prozent – in einigen Regionen sogar bis 34,4 Prozent – der Eltern haben sich im vierten Quartal 2016 für das ElterngeldPlus entschieden.

Bei Vätern kommt auch der Partnerschaftsbonus gut an, der die gleichzeitige Erwerbstätigkeit von 25 bis 30 Wochenstunden mit der Partnerin fördert: Bis zu gut 40 Prozent der Väter, die ElterngeldPlus beantragen, entscheiden sich zugleich für den Partnerschaftsbonus. Außerdem ist zu beobachten, dass Väter, die ElterngeldPlus in Anspruch nehmen, länger Elterngeld beziehen (im Schnitt 7,7 Monate). Der Partnerschaftsbonus wird besonders gerne in Großstädten in Anspruch genommen. Trendsetter sind Berlin und Hamburg - dort haben sich im Jahr 2016 bis zu 16 Prozent der Eltern für den Partnerschaftsbonus entschieden.

Die Eltern von heute haben viel stärker als vorherige Generationen den Wunsch, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und im Beruf den Anschluss zu behalten. Der internationale Vergleich zeigt: Gezielte familienpolitische Leistungen können Familien bei der Realisierung des Wunsches nach einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung wirksam unterstützen.

Elterngeld und Elterngeld Plus wirken als Motor für eine partnerschaftliche Aufgabenteilung. Die Einführung des Elterngelds in Deutschland stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung einer ausgewogeneren Aufteilung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit zwischen Müttern und Vätern dar. Es sorgt dafür, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer früheren Rückkehr in den Beruf bei Müttern deutlich erhöht und auch Erziehungs- und Hausarbeit zwischen den Elternteilen partnerschaftlicher aufgeteilt wird. Zudem ist es ursächlich dafür, dass schon jeder dritte Vater für mindestens zwei Elternzeitmonate im Beruf kürzer tritt, um Zeit mit der Familie zu verbringen bzw. mehr Fürsorgeaufgaben zu übernehmen. Das Elterngeld Plus befördert diese Entwicklung noch.

Die Elternzeit ist für Kinder ebenso wichtig wie für ihre Väter und Mütter. Wenn ein Teil des Elterngelds ausschließlich Vätern gewährt wird und durch die Elternzeitregelungen generell eine ausgewogene Aufteilung der familiären Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gefördert wird, sind bessere Voraussetzungen dafür gegeben, dass junge Paare auch als Eltern eine partnerschaftliche Aufgabenteilung beibehalten. Die stärkere Beteiligung der Väter an der Erziehung hilft nicht nur Müttern bei der Rückkehr in den Beruf, sondern trägt auch zu einer engeren Bindung zwischen Vätern und Kindern bei.

Grafik: Verdoppelung der Betreuungsquote seit Mitte der 2000er in Deutschland
Verdoppelung der Betreuungsquote seit Mitte der 2000er in Deutschland© BMFSFJ

Eine flexible und qualitativ hochwertige frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung sowie eine bedarfsgerechte außerschulische Betreuung sind für berufstätige Eltern von großer Bedeutung. Der in den letzten Jahren in Deutschland vorangetriebene Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren und flexible außerschulische Betreuungsangebote sind Politikmaßnahmen, die in entscheidender Weise dazu beitragen, dass Mütter in dem von ihnen gewünschten Umfang erwerbstätig sein können und dass sich die Erwerbsumfänge von Vätern und Müttern annähern.

Die Erhöhung der öffentlichen Investitionen in Kinderbetreuung in den letzten Jahren stellt dabei, wie von OECD bestätigt wird, einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar. Deutschland wird dabei ermutigt, diesen Weg weiter zu gehen und sich ein positives Beispiel an Ländern wie Dänemark oder Schweden zu nehmen. Eine derartige quantitative und qualitative Aufstellung entspräche auch den Wünschen der Eltern in Deutschland.
Verglichen mit den Investitionen in frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung kann Deutschland, wie der Bericht verdeutlicht, bei der außerschulischen Betreuung noch stärker aufholen: Rund 15 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen in Deutschland werden außerhalb des Unterrichts betreut, verglichen mit rund 80 Prozent in Dänemark und Schweden.

Sowohl die Investitionen in außerschulische Betreuung für Kinder im Grundschulalter als auch der Zugang dazu sollten, nach Empfehlung der OECD, ausgeweitet werden. Da der Betreuungsbedarf nicht mit der Einschulung der Kinder endet, müssen Vollzeitbeschäftigte in Deutschland häufig eine Betreuung für ihre Kinder vor und/oder nach der Schule organisieren. Die OECD ermutigt Deutschland, von öffentlicher Seite mehr in außerschulische Betreuungsangebote zu investieren, die Eltern schulpflichtiger Kinder – auch während der Schulferien – helfen, Erwerbstätigkeit und Familienleben miteinander zu vereinbaren.

In rund einem Drittel der OECD-Länder wird durch die individuelle Besteuerung ein Anreiz für die gleiche Arbeitsteilung im Beruf von Paaren gesetzt. In anderen OECD Ländern ist das Steuersystem neutral in Bezug auf die Arbeitsteilung bei Paaren. Das deutsche Steuer- und Transfersystem setzt jedoch noch Akzente, die einer partnerschaftlichen Vereinbarkeit entgegenwirken können. Die steuerliche Zusammenveranlagung, die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern beziehungsweise Ehepartnerinnen sowie die Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge sorgen dafür, dass sich in Deutschland die Steuer- und Abgabenlast der Erwerbseinkommen deutlich erhöht, wenn in einem Haushalt eine zweite Person eine Beschäftigung aufnimmt oder signifikant ausweitet.

Eine Familienpolitik, die mit Leistungen die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt, folgt nicht nur den Wünschen der Bevölkerung. Sie hat darüber hinaus wirtschaftspolitische Bedeutung, weil sie dazu beiträgt, dass das wichtige Arbeitskräftepotenzial der Mütter genutzt werden kann. Das ist auch sozialpolitisch relevant, weil Armutsrisiken von Frauen besonders hoch sind, wenn sie nicht oder nur wenige Stunden pro Woche erwerbstätig sind.

Deutschland hat im internationalen Vergleich neben den skandinavischen Ländern und der Schweiz die höchste Frauenerwerbsbeteiligung und den zweitgrößten Fortschritt in der OECD erzielt. Mit einem Anstieg der Erwerbstätigenquote der Frauen zwischen 2000 und 2014 um über 11,3 Prozentpunkte liegt Deutschland eindeutig über dem durchschnittlichen Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit, der im gleichen Zeitraum im OECD-Raum zu beobachten war (4,7 Prozentpunkte).

In Deutschland arbeiten Frauen jedoch häufig in Teilzeit. Unter Müttern ist Teilzeitbeschäftigung besonders stark verbreitet. Nur in den Niederlanden, wo mehr als 70 Prozent der erwerbstätigen Mütter von Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt sind, ist der Anteil noch höher.

Grafik: Erwerbstätige Mütter in Deutschland arbeiten überwiegend in Teilzeit
Erwerbstätige Mütter in Deutschland arbeiten überwiegend in Teilzeit © BMFSFJ
Grafik: Was heißt Teilzeit? Deutsche Mütter arbeiten relativ wenige Wochenstunden
Was heißt Teilzeit? Deutsche Mütter arbeiten relativ wenige Wochenstunden© BMFSFJ

Da in Deutschland nicht nur die Mütter in geringerem Umfang erwerbstätig sind, sondern auch die Väter in Vollzeit vergleichsweise viele Stunden arbeiten, ist der Unterschied zwischen den Arbeitsstunden von Müttern und Vätern besonders ausgeprägt. Entsprechend wenigen Familien gelingt es, die Erwerbsarbeit egalitär untereinander aufzuteilen. Dänemark hat mit 30,1 Prozent den höchsten Anteil an Paaren, in denen beide Partner vollzeitnah – also 30 bis 39 Wochenstunden – arbeiten. In Norwegen, Frankreich, Finnland und Belgien entscheiden sich zwischen 15 Prozent und 26 Prozent der Paarfamilien für eine vollzeitnahe Beschäftigung beider Partner. In Deutschland beträgt der Anteil der Paare, in denen beide zwischen 30 und 39 Stunden arbeiten, gerade einmal 1,2 Prozent.

In Deutschland kommt jedoch noch hinzu, dass die Wochenarbeitszeit vollzeiterwerbstätiger Eltern im Vergleich zu anderen OECD Ländern verhältnismäßig lang ist. Im Durchschnitt arbeiten vollzeiterwerbtätige Mütter fast 42 Stunden. In Norwegen, Frankreich und Dänemark arbeiten vollzeiterwerbstätige Mütter hingegen im Durchschnitt weniger als 40 Stunden pro Woche.

Zusätzlich zu dem geringeren Erwerbsumfang verdienen Frauen nach wie vor weniger als Männer, selbst wenn nur die Vollzeitbeschäftigten berücksichtigt werden. Das Lohngefälle ist in Deutschland etwas größer als im OECD-Durchschnitt, auch wenn es seit dem Jahr 2000 zurückgegangen ist. 2013 verdienten vollzeitbeschäftigte Frauen fast 13,4 Prozent weniger als vollzeitbeschäftigte Männer.

  • Unterbrechen Mütter nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit, kehren sie meistens nach einem bis eineinhalb Jahren in den Beruf zurück (35 Prozent). Durchschnittlich dauert die Auszeit rund 18 Monate.
  • Vergleichsweise kurze Auszeiten haben Mütter zwischen 30 und 35 Jahren. Mütter in diesem Alter sind möglicherweise an Punkten in ihrer Karriere, wo sie vergleichsweise schnell in den Beruf wiedereinsteigen können oder möchten.
  • Nur 9 Prozent der Mütter haben nach der Geburt eines Kindes nicht konkret geplant, (wieder) erwerbstätig zu sein. Nehmen sie eine Erwerbstätigkeit auf, ist es meistens eine Teilzeitbeschäftigung (61 Prozent). Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit nach dem (Wieder-)Einstieg liegt bei 23,4 Stunden.
  • Mütter, die bereits vor der Geburt in Vollzeit beschäftigt sind, haben vergleichsweise kurze Auszeiten. Planen sie nach der Auszeit eine Rückkehr in Vollzeit, ist die Auszeit ebenfalls eher kurz.
  • Besonders schnell kehren Mütter in den Beruf zurück, die ein relativ hohes Einkommen erzielen. Mütter aus der obersten Einkommensschicht kehren, verglichen mit Müttern aus der untersten Einkommensschicht, 6 Monaten eher in den Beruf zurück.

Tabelle:  Art der Erwerbstätigkeit nach (Wieder-)Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit

Anteile in Prozent
Vollzeit22 %
Teilzeit61%
Mini-Job17%
insgesamt100%

Quelle: IGES (2013). Familie in der Alterssicherung, S. 222.

Der internationale Vergleich verdeutlicht, dass die Arbeitszeitunterschiede zwischen Vätern und Müttern in Deutschland sehr ausgeprägt sind; charakteristisch ist auch, dass sich die Unterschiede mit zunehmendem Alter kaum schließen – auch wenn die Kinder aus dem Haus sind. Länder mit einer relativ kleinen Lücke bei den Arbeitszeiten sind Dänemark, Frankreich, Island, Norwegen oder Schweden.

Entsprechend ihrer ausgeprägten Teilzeitarbeit tragen Mütter in Deutschland vergleichsweise wenig zum Haushaltseinkommen bei: Je größer die Arbeitszeitlücke zwischen den Partnern ist, desto geringer ist der Einkommensanteil der Mütter. Während die Mütter in Deutschland mit ihrem Verdienst durchschnittlich nur ein Viertel zum Einkommen der Haushalte beisteuern, beträgt der entsprechende Anteil in Frankreich, Schweden und Dänemark über 35 Prozent.

Mit Blick auf die Alterssicherung setzen sich die Effekte der Arbeitszeitunterschiede zwischen Vätern und Müttern fort. In Deutschland ebenso wie in anderen OECD-Ländern haben Frauen in der Regel kürzere Erwerbsbiografien und scheiden mit größerer Wahrscheinlichkeit zeitweise aus dem Arbeitsmarkt aus, um sich um die Familie zu kümmern. Solche Erwerbspausen können die Rentenansprüche und die persönliche Ersparnis verringern und das Armutsrisiko älterer Frauen, vor allem im Fall einer Scheidung oder des Tods des Partners, erhöhen.

Investitionen in eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zahlen sich für die Gesellschaft als Ganzes aus. Die OECD geht davon aus, dass das BIP in den kommenden zwanzig Jahren um 12 Prozent steigen würde, wenn die Beschäftigungsquoten der Frauen in den OECD-Ländern das Niveau der Männer erreichen würden. Einer der Bereiche mit dem größten unterschlossen Potenzial in der deutschen Erwerbsbevölkerung sind nicht erwerbstätige und/oder teilzeitbeschäftigte Mütter. Eine bessere Aufteilung der unbezahlten häuslichen Arbeit, zusammen mit kohärenten Politikmaßnahmen, hilft Müttern dabei, ihre Arbeitsmarktbindung zu wahren und ihre berufliche Laufbahn fortzusetzen.

In Anbetracht der Tatsache, dass das Bildungsniveau der Frauen dem der Männer in den meisten OECD-Ländern heute entspricht oder dieses sogar übersteigt, entstehen der Wirtschaft potenziell große Verluste, wenn Frauen zu Hause bleiben oder einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen.

Deutschland hat mit dem Ausbau der Kinderbetreuung sowie mit der Ausgestaltung des Elterngeldes und des Elterngeld Plus bereits wichtige Schritte hin zu einer gleichmäßigeren Aufteilung von Erwerbsarbeit und Familienarbeit zwischen beiden Eltern gemacht.

Der OECD-Report zeigt aber auf, dass in Deutschland – entgegen der Wünsche vieler Eltern – noch eine ungleiche Verteilung zwischen Vätern und Müttern bei Erwerbsarbeit und Familienarbeit besteht. Dabei gibt es jedoch einen Trend bei den Eltern dahin, diese Ungleichheiten zu überwinden und bezahlte und unbezahlte Arbeit partnerschaftlicher zu organisieren. Hier ist die Politik gefordert, die Wünsche der Mütter und Väter nach mehr Partnerschaftlichkeit zu unterstützen.

Die Empfehlungen der OECD unterstützen den aktuellen Kurs des Bundesfamilienministeriums. Der Bericht empfiehlt unter anderem, mehr Väter zur Inanspruchnahme von Elternzeit zu ermutigen. Betreuungsangebote für Kleinkinder und auch für Grundschulkinder sollten weiter ausgebaut und flexibler gestaltet werden.
Konkret kann Familienpolitik mehr Partnerschaftlichkeit in Familie und Beruf ermöglichen, indem

  • sie Anreize schafft, dass mehr Väter länger in Elternzeit gehen,
  • die Kinderbetreuung für Kleinkinder weiter ausgebaut und mehr Betreuungsangebote für Grundschulkinder geschaffen werden,
  • weitere Förderinstrumente für die Vereinbarkeit entwickelt werden, z.B. im Rahmen einer "Familienarbeitszeit",
  • ein Anspruch darauf geschaffen wird, die Arbeitszeit nach Verringerung aus familiären Gründen wieder zu erhöhen,
  • Fehlanreize im Steuer- und Transfersystem zum Thema werden.

Zudem kommt den Sozialpartnern und Unternehmen eine wichtige Rolle zu: Sie können die Partnerschaftlichkeit unterstützen, indem vereinbarkeitsfördernde Personalmaßnahmen weiterentwickelt werden und Müttern wie Vätern offen stehen.