Paris

Internationale Konferenz gegen häusliche Gewalt

Staatssekretärin Juliane Seifert bei einer Paneldiskussion bei einer OECD-Konferenz in Paris.
Belinda Goldsmith (Thompson-Reuters Foundation), Rémi Boyer (Korian), Hilary Pennington (Ford Foundation), Gabriela Ramos (OECD) und Juliane Seifert (Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium)© Maud Bernos

Was tun Regierungen weltweit, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern? Wie können nationale Initiativen und Ziele mit den Aktivitäten auf lokaler Ebene besser in Einklang gebracht werden? Diese und weitere Fragen wurden anlässlich einer Konferenz der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 5. und 6. Februar in Paris besprochen. Zu der Konferenz kamen rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und dem Privatsektor zusammen. Für Deutschland nahm die Staatssekretärin im Bundesfrauenministerium, Juliane Seifert, teil. Sie erläuterte unter anderem die Vorhaben für die kommende EU-Ratspräsidentschaft.

Juliane Seifert:

"Gewalt gegen Frauen geht uns alle an, sie kommt viel zu oft und in allen sozialen Schichten und Altersgruppen vor. Es kann die Freundin sein, die Kollegin, die Nachbarin oder die eigene Schwester. Deswegen ist es für echte Gleichberechtigung so wichtig, dass wir bei dem Thema vorankommen. Wenn Deutschland im Sommer für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, soll ein Schwerpunkt die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sein. Wir wollen darüber sprechen, wie in Europa betroffene Frauen besser unterstützt werden können. Als Bundesregierung stellen wir von 2020 bis 2023 dafür 120 Millionen Euro etwa für den Ausbau von Frauenhäusern zur Verfügung. Bereits seit 2013 gibt es mit dem Hilfetelefon ein Angebot, das rund um die Uhr Beratung bietet. Diese Praxisbeispiele wollen wir international bekannter machen und auch von anderen EU-Ländern lernen, was wir noch besser machen können."

In Deutschland wurden 2018 knapp 115.000 Delikte von Partnerschaftsgewalt gegen Frauen zur Anzeige gebracht. Doch die Dunkelziffer liegt noch weitaus höher: jede dritte Frau ist mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen - und damit nicht nur von Gewalt in der Partnerschaft. Statistisch gesehen sind das mehr als zwölf Millionen Frauen.

Die Bundesregierung hat deshalb für Deutschland ein Aktionsprogramm zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen aufgelegt. Ein wichtiger Baustein darin ist das neue Bundesinvestitionsprogramm für den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern. Dafür stehen in den kommenden vier Jahren insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Eckpunkte des Investitionsprogramms wurden gemeinsam mit den Ländern und Kommunen im Rahmen des "Runden Tisches gegen Gewalt an Frauen" erarbeitet. Der Runde Tisch wurde im September 2018 von Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey ins Leben gerufen. Ziel ist es, gemeinsam mit Bund und Ländern die Unterstützungsangebote zu verbessern und Vorschläge für ein einheitliches Vorgehen zu erarbeiten.

Um Betroffene zu ermutigen und die vorhandenen Hilfsangebote bekannter zu machen, hat das Bundesfrauenministerium die bundesweite Kampagne "Stärker als Gewalt" gestartet. Gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern auf regionaler und überregionaler Ebene geht es darum, zu informieren, was jede und jeder Einzelne tun kann, um Gewalt zu verhindern oder zu beenden.