Trau Dich!

Initiative zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch wird fortgeführt

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey (links) gemeinsam mit Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, und Kindern
Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey (links) gemeinsam mit Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, und Kindern bei der Aufführung von "Trau dich!""© Bettina Ausserhofer

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey stellt auch nach 2018 jährlich jeweils rund zwei Millionen Euro zur Verfügung, um die bundesweite Initiative "Trau dich!" zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch fortzuführen. Die bisherige Finanzierung wäre Ende des Jahres 2018 ausgelaufen. Die Initiative wird gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und in Kooperation mit verschiedenen Bundesländern umgesetzt.

Das Theaterstück "Trau dich!"

Im Mittelpunkt der Initiative steht das Theaterstück "Trau dich!", das Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey und Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, am 30. Mai im Heimathafen Neukölln besucht haben.

Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Missbrauch sind die Themen des Theaterstücks, das an diesem Tag vor rund 600 Kindern und ihren Lehrerinnen und Lehrern aufgeführt worden ist. Das Stück sensibilisiert Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und klärt sie über ihre Rechte auf. Dadurch wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt und sie erfahren, wo sie im Falle eines Übergriffs Hilfe finden.

Dr. Franziska Giffey:

"Jedes Kind muss lernen zu erkennen, wann Grenzen überschritten sind oder Regeln missachtet werden. Es muss wissen: Wenn mich jemand so anspricht oder so anfasst oder wenn ich ein komisches Gefühl habe – dann ist das nicht richtig! Das Stück 'Trau dich!' ist ein gutes Beispiel dafür, wie Präventionsarbeit gelingen kann. Ich werde die Initiative zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch in den kommenden Jahren fortführen und dafür die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, damit auch die restlichen Bundesländer davon profitieren können."

Bundesweit bereits 50.000 Kinder erreicht

Bislang haben bundesweit fast 50.000 Kinder das Theaterstück "Trau dich!" gesehen. Allein in Berlin waren es im vergangenen Jahr 3700 Kinder aus den Klassen 5 und 6.

Berlin ist nach Schleswig-Holstein, Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern das achte Bundesland, das mit der Bundesinitiative "Trau dich!" kooperiert. Die Landestour des Theaterstücks wird heute vorerst beendet, die Kooperation mit dem Land Berlin läuft noch bis Ende 2018 weiter. Die BZgA arbeitet bei der Umsetzung eng mit den zuständigen Ministerien der Bundesländer und mit weiteren Partnern zusammen.

Begleitende Unterstützung für Kinder, Eltern und Lehrkräfte

Alle Eltern erhalten vor den Aufführungen Informationen über das Theaterstück und Hinweise für das Gespräch mit ihren Kindern. Für sie bietet die Initiative "Trau dich!" einen Eltern-Ratgeber an. Knapp 440 Berliner Mütter und Väter besuchten Elternabende zum Thema sexueller Kindesmissbrauch und über 500 Lehrkräfte bildeten sich in Workshops zum Thema weiter.

Die Lehr- und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe bilden sich durch auf sexualisierte Gewalt spezialisierte Fachberatungsstellen vor Ort weiter. In einem eigens für sie entwickelten Methodenheft erhalten sie Anregungen zur Vor- und Nachbereitung des Theaterstücks.

Broschüren mit dem Titel "Du bist stark!" für Mädchen und Jungen motivieren die Kinder, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und sich an eine Vertrauensperson zu wenden.

Für die niedrigschwellige Beratung und Hilfe kooperiert die BZgA mit der kostenfreien, bundesweiten "Nummer gegen Kummer" (116111), einem Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche.

Sexueller Missbrauch von Kindern

Im Jahr 2017 wurden bundesweit 11.547 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern bundesweit erfasst. In Berlin waren es 774 aktenkundig gewordene Fälle. Damit ist die Zahl der bekannt gewordenen Fälle in Berlin im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent gestiegen: 2016 und 2015 lag die Zahl bei 686 Fällen.
(Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin)