Engagement und Gesellschaft

Mehrere Hände als Zeichen des gemeinsamen Engagements übereinandergelegt
Engagement und Gesellschaft© Fotolia/william87

Freiwilligendienste

Das Bundesfamilienministerium fördert die Freiwilligendienste in Deutschland finanziell und regelt ihre Rahmenbedingungen. Rund 100.000 überwiegend jüngere Menschen bis 27 Jahre leisten Jahr für Jahr einen Freiwilligendienst.

Nach der Schulzeit etwas Besonderes ausprobieren und gleichzeitig Anderen etwas Gutes tun – dies verwirklichen jährlich über 60.000 Jugendliche in gemeinnützigen Einrichtungen, im Natur- und Umweltschutz oder in Hilfsprojekten im Ausland in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) oder im Internationalen Jugendfreiwilligendienst. Die als Bildungs- und Orientierungsjahre konzipierten Lerndienste erfreuen sich hoher Nachfrage und erfahren als eine besondere Form des Engagements breite Wertschätzung.

Beim Bundesfreiwilligendienst (BFD) können sich Bürgerinnen und Bürger jeder Altersgruppe im sozialen und ökologischen Bereich, aber auch in Sport, Integration, Kultur und Bildung sowie im Zivil- und Katastrophenschutz engagieren. Darüber hinaus hat die Bundesregierung am 1. Dezember 2015 ein Sonderprogramm für bis zu 10.0000 zusätzliche Stellen für einen BFD mit Flüchtlingsbezug gestartet. Dieser steht sowohl einheimischen Freiwilligen als auch Asylberechtigten und Asylbewerbern mit guter Bleibeperspektive offen. Das Engagement im BFD kann sechs bis 24 Monate dauern und ist für alle, die älter als 27 Jahre alt sind, auch in Teilzeit möglich. Die Freiwilligen werden während ihres Engagements fachlich angeleitet und besuchen Seminare.

Bundesprogramm "Demokratie leben!"

Beispielhaft für die Engagementpolitik des Bundesfamilienministeriums steht das Programm "Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit", das Menschen vor Ort nachhaltig unterstützt, die sich für Demokratie und Vielfalt einsetzen.

Über die Hälfte des Programmbudgets in Höhe von 50,5 Millionen Euro fließt in die Förderung nach-haltiger Strukturen. Mit dem Geld werden zum Beispiel bundesweit 218 lokale "Partnerschaften für Demokratie" gefördert, um die Zusammenarbeit staatlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen und Institutionen vor Ort zu stärken. Darüber hinaus unterstützt das Bundesprogramm "Demokratie leben!" im Rahmen der Landesdemokratiezentren die Beratungsangebote wie Opferberatung, Ausstiegsberatung und die Mobile Beratung in den Ländern. Etwa zwölf Millionen Euro gehen insgesamt in die Förderung von Modellprojekten. Die Modellprojekte haben das Ziel, innovative Ansätze in der präventiv-pädagogischen Arbeit gegen Antisemitismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit, Antiziganismus oder Homo- und Transfeindlichkeit, Rassismus und für die Demokratiestärkung im ländlichen Raum zu entwickeln und umzusetzen. Daneben werden auch gezielt Projekte zur Radikalisierungsprävention gefördert - also solche, die sich vor allem gegen politisch motivierte Gewalt wie Rechtsextremismus, Ultranationalismus, gewaltbereiten Islamismus oder linke Militanz wenden.

Für 2017 plant die Bundesregierung eine Verdoppelung der Mittel auf 104,5 Millionen Euro, die zum einen für die Verstetigung der bestehenden Programmstrukturen, zum anderen zur Erschließung neuer Zielgruppen verwendet werden.

Engagement und Hilfe für geflüchtete Menschen

Im Bereich der Flüchtlingshilfe setzt sich das Bundesfamilienministerium ebenfalls ein: Gerade der gelebte Kontakt von Mensch zu Mensch baut Vorurteile ab und hilft, geflüchtete Menschen gesellschaftlich einzubeziehen. Im Programm "Menschen stärken Menschen" können Bürgerinnen und Bürger als Patinnen und Paten junge Menschen oder eine Familie bei der Bewältigung des Alltags unterstützen. Auch mit einer Vormundschaft oder als Gastfamilie können Sie geflüchteten Kindern und Jugendlichen helfen.

Das Programm "Willkommen bei Freunden" unterstützt Kommunen bei der Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher. Sechs regionale Servicebüros der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bieten seit Juli 2015 Beratungen und Qualifizierungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunaler Einrichtungen an und helfen bei der Etablierung lokaler Bündnisse aus Behörden, Vereinen sowie Bildungs- und Flüchtlingseinrichtungen vor Ort.

Mehrgenerationenhäuser

Die vom Bundesfamilienministerium geförderten Mehrgenerationenhäuser unterstützen gezielt das generationenübergreifende Miteinander und Engagement: Jung und Alt können sich hier begegnen, voneinander lernen und sich für die Gemeinschaft vor Ort stark machen.

Die rund 450 Mehrgenerationenhäuser sind auch anerkannte Einsatzstellen für den Bundesfreiwilligendienst. Darüber hinaus gibt es spezifische Angebote zum Freiwilligen Engagement für Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchtgeschichte, sowie Angehörige der Generation 50plus, die sich in der Übergangsphase vom Erwerbsleben in den Ruhestand befinden und ihre vielfältigen Erfahrungen an Jüngere weitergeben können.

Zusammenarbeit mit Sport, Wirtschaft und Wissenschaft

Eine verstärkte engagementpolitische Zusammenarbeit verfolgt das Bundesfamilienministerium auch im Sport, sowie mit Stiftungen und im Bereich von Wirtschaft und Unternehmen, die sich für die Gesellschaft einsetzen. Eine gezielte Engagementförderung benötigt eine gute Wissens- und Datenbasis, deshalb ist die Förderung von Engagementforschung und der Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein weiterer Baustein der Engagementpolitik. Gemäß eines Beschlusses des Deutschen Bundestages legt das Bundesfamilienministerium in dieser Legislaturperiode den Zweiten Engagementbericht vor, der den Schwerpunkt "Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement" hat.

Demografischer Wandel

Die demografische Entwicklung verändert unsere Gesellschaft. Die Demografiestrategie der Bundesregierung lebt vom Dialog mit Ländern, Kommunen, Verbänden, Sozialpartnern und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft in zehn Arbeitsgruppen, davon vier in Federführung des Bundesfamilienministeriums. Zu den drei bisher bestehenden Arbeitsgruppen in den Bereichen Familie, ältere Menschen und Menschen mit Demenz kam auf Initiative des Bundesfamilienministeriums in dieser Legislaturperiode eine Arbeitsgruppe zum Thema Jugend hinzu,  da junge Menschen in besonderer Weise von der demografischen Entwicklung betroffen sein werden. Damit wird deutlich: Demografiepolitik ist Gesellschaftspolitik.

Das Projekt "Demografiewerkstatt Kommunen" greift die Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort auf. Innerhalb des Projekts unterstützt das Bundesfamilienministerium in den nächsten fünf Jahren zwei Gemeinden, zwei Städte und vier Landkreise bei der Gestaltung des demografischen Wandels mit dem Ziel, die Ergebnisse anschließend auch auf andere Kommunen zu übertragen.

Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement

Um den vielen Engagierten in Deutschland Dank und Anerkennung entgegenzubringen, fördert das Bundesfamilienministerium die Woche des bürgerschaftlichen Engagements, die jährlich vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) veranstaltet wird, und die auf den vielfältigen Einsatz der mehr als 30 Millionen Freiwilligen in Deutschland aufmerksam macht. Mit dem ebenfalls jährlich vergebenen "Deutschen Engagementpreis" werden außerdem die herausragenden Leistungen engagierter Bürgerinnen und Bürger überall in Deutschland gewürdigt.