Donaukurier

Manuela Schwesig: Gleichberechtigung für Frauen in der Arbeitswelt fördern

Manuela Schwesig bei der Übergabe des Communiqués des W20-Gipfels an Bundeskanzlerin Angela Merkel
Manuela Schwesig bei der Übergabe des Communiqués des W20-Gipfels an Bundeskanzlerin Angela Merkel© BMFSFJ

Donaukurier: Frau Schwesig, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Impulse des Treffens?

Manuela Schwesig: Die wichtigsten Impulse sind, dass die Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau nun auch auf dem G 20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer im Juli zum Thema werden sollen. Wenn sich die Mächtigsten und Einflussreichsten der Welt in Hamburg treffen, muss auch etwas für die Frauen dabei herauskommen. Es waren zwei gute Tage in Berlin, an denen sich Frauen aus vielen Ländern der Welt getroffen haben. Für mich entscheidend daran ist, dass es Frauen waren, die die Zivilgesellschaft vertreten, wie bei uns der Deutsche Frauenrat. In Deutschland wird Politik mit der Zivilgesellschaft gemacht, und die Regierung bestimmt nicht einfach alleine. Es wird auch noch ein Treffen der G 20-Arbeitsminister geben. Die Forderungen der Zivilgesellschaft für die Stärkung der Frau, die der W 20-Gipfel formuliert hat, werden auch dabei besprochen. So habe ich es mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vereinbart.

Donaukurier: Wo sehen Sie die dringendsten Herausforderungen?

Manuela Schwesig: Wichtigste Aufgabe ist es, die Gleichberechtigung der Frau in der Arbeitswelt zu erreichen. Das bedeutet, die Berufstätigkeit von Frauen zu erleichtern und zu fördern. Dafür brauchen Frauen einen deutlich besseren Zugang zu Bildung und Ausbildung im digitalen Bereich. Sie brauchen gute Kinderbetreuung, damit sie den Beruf gut mit der Familie vereinbaren können. Und Frauen brauchen mehr Unterstützung bei Unternehmensgründungen. Darüber hinaus muss das Thema Gewalt gegen Frauen angesprochen werden.

Donaukurier: Kanzlerin Merkel hat einen Fonds gefordert, um Frauen in Entwicklungsländern finanziell zu unterstützen. Was kann das geplante Instrument bringen?

Manuela Schwesig: Ein Fond zur Frauenförderung in Entwicklungsländern wäre ein sinnvolles Instrument. Hierbei geht es vor allem um die Förderung von Frauen in Entwicklungsländern, die große Schwierigkeiten haben, an Geld zu kommen. Notwendig ist aber auch mehr Hilfe für die Frauen in den G 20-Ländern. Es gibt kein einziges Land auf dieser Welt, in dem schon echte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen besteht. Auch in Deutschland sind noch viel weniger Frauen als Männer in Führungspositionen, und die Lohnlücke liegt bei 21 Prozent.

Donaukurier: Müssen die Quotenregelungen also verschärft werden?

Manuela Schwesig: Die Quote wirkt, aber nur da, wo es klare Vorgaben gibt. Wo wir den Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt haben, sich eigene Ziele zu setzen, setzen sich viele die Zielgröße "Null". Viele Firmen haben nach wie vor keine Frau im Vorstand. Damit provozieren die Unternehmen, dass wir uns das Gesetz noch einmal vornehmen und es gegebenenfalls verschärfen.

Donaukurier: Große Aufmerksamkeit gab es für Ivanka Trump. Ein Show-Auftritt, der US-Präsident Donald Trump genutzt hat?

Manuela Schwesig: Es ist gut, wenn das Interesse an dem Thema Gleichberechtigung groß ist. Frau Trump hat mit ihrem Besuch gezeigt, dass sie Interesse an diesem Thema hat. Ich habe am Rande des W 20-Gipfels mit ihr über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und über Lohngerechtigkeit gesprochen. In den USA gibt es ja auch heftige Diskussionen über Frauenrechte. Es ist viel wert, wenn wir Ansprechpartner zu diesen Themen in der US-Regierung haben.