Braunschweiger Zeitung

Manuela Schwesig: "Ein Lohngerechtigkeitsgesetz ist notwendig"

Manuela Schwesig im Gespräch
Manuela Schwesig© Bildnachweis: Bundesregierung/Steffen Kugler

Seit 10 Jahren berechnet die Initiative "Equal Pay Day" die Lohnlücke zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Frauen und Männern. Die Lücke hat sich seitdem kaum verringert: Sie beträgt etwa 21 Prozent. Seit 60 Jahren ist das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" in Deutschland geltendes Recht, und dennoch gibt es in der Praxis keine Entgeltgleichheit. Das ist ungerecht und unrechtmäßig. Aber es gibt bisher kein Gesetz, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchzusetzen.

Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern haben verschiedene Ursachen, und deshalb gibt es mehrere Ansatzpunkte, um die Lohnlücke zu schließen. Der Mindestlohn hilft. Vom Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit werden Frauen profitieren, die unfreiwillig in Teilzeitarbeit festhängen. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen tragen dazu bei, dass es kein beruflicher Nachteil ist, Kinder zu haben. All das ist notwendig. Aber es ist nicht alles. Eine Frau erfährt durch Zufall, dass männliche Kollegen, die die gleiche Arbeit machen, besser bezahlt werden. Oder in einem Unternehmen werden Tätigkeiten, die vorwiegend von Männern verrichtet werden, besser bezahlt als Frauenjobs - obwohl Anforderungen und Qualifikationen gleichwertig sind. Viele solcher Ungerechtigkeiten haben mit Intransparenz zu tun. Oft ist nicht bekannt, wie es zur Einstufung bestimmter Tätigkeiten kommt. Und in Deutschland gilt noch viel zu oft: Über Geld spricht man nicht.

Dieses Tabu müssen wir aufbrechen. Das Entgelttransparenzgesetz, das das Bundeskabinett gestern beschlossen hat, gibt 14 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern - Frauen und Männern - die Möglichkeit, zu erfahren, ob sie gerecht bezahlt werden. Das heißt nicht, dass jeder Gehaltszettel offengelegt werden muss. Das bedeutet nicht mehr Bürokratie. Aber das Gesetz bringt Licht ins Dunkel: Unternehmen müssen sich mit ihren Lohnstrukturen beschäftigen. Das Gesetz bringt mehr Durchsetzungskraft für das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" und mehr Gerechtigkeit. Ein Lohngerechtigkeitsgesetz ist notwendig.

Manuela Schwesig