Namensartikel von Dr. Franziska Giffey

Frauenberufe? Männerberufe? Zukunftsberufe. Weg mit den Vorurteilen!

Pressefoto der Ministerin
Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey© Thomas Imo/photothek.net

Den Girls' und Boys'Day begleite ich seit vielen Jahren. Dieses Jahr zum ersten Mal als Ministerin. Ich werfe mit 50 Mädchen einen Blick hinter die Kulissen im Naturkundemuseum: Forschen am Dinosaurierknochen. Wie spannend. Und mit einer Gruppe von Jungs werde ich den Alltag eines Erziehers in einem Jugendzentrum erleben. Denn darum geht's an diesem Tag: Hineinschnuppern in spannende Berufe, ohne dass die Frage aufkommen sollte: Ist das jetzt ein typischer Beruf für Frauen oder für Männer? Und doch ist es so: Nur wenige junge Frauen ergreifen einen handwerklichen oder technischen Beruf. Wenn sich jemand mehr für Bürokommunikation oder die Arbeit in einer Zahnarztpraxis interessiert: völlig in Ordnung. Aber es gibt immer noch Vorurteile, die auf junge Menschen einwirken: "Das ist doch kein Beruf für eine Frau. Mach doch lieber was mit Kindern!" Der bundesweite Zukunftstag für Mädchen und Jungs, der Girls'Day und Boys'Day, bietet Gelegenheit, sich über die eigenen Interessen klarer zu werden. Ohne Vorurteile. Denn die Berufs- und Studienwahl sollte nicht vom Geschlecht abhängen, sondern von den Neigungen und Fähigkeiten junger Menschen.

Männer sind in den technischen Berufen in der Überzahl, Frauen sind dafür in den sozialen Berufen stark vertreten, etwa in der Pflege oder in der Kindererziehung. In der Kindertagespflege arbeiten rund 95 Prozent Frauen. Junge Männer, die sich für einen sozialen Beruf interessieren, hören immer noch Sätze wie: "Das können Männer nicht. Mach doch was, was mehr Geld bringt." Dabei wissen wir: Männer bringen in der Kindererziehung eine wertvolle, weil andere Perspektive ein. Kinder brauchen Frauen und Männer als Bezugspersonen. Und was die Bezahlung angeht: Da müssen wir tatsächlich ran. Soziale Berufe müssen attraktiver werden: durch bessere Bedingungen in der Ausbildung, in der Arbeit und eine bessere Entlohnung. Soziale Berufe, in denen Menschen sich um andere Menschen kümmern, werden gebraucht. Sie sind Zukunftsberufe - genauso wie die Berufe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, wo größtenteils Männer arbeiten. Ich bin überzeugt: Im 21. Jahrhundert ist diese Aufteilung der Geschlechter nicht mehr zeitgemäß. Frauen und Mädchen können alles, ob Ärztin, Bürgermeisterin, Ingenieurin oder Metallarbeiterin. Und Männer können auch alles: Programmierer ebenso wie Pfleger.

Mädchen öffnen sich am Girls'Day die Türen, um in den Berufsalltag in technischen Berufen hineinzuschnuppern. Jungen können am Boys'Day die sozialen Berufe kennenlernen. Die Aktionen an diesem Tag zeigen neue Perspektiven auf. Und Perspektiven eröffnen Horizonte. Es gibt keine Frauenberufe oder Männerberufe, aber viele Zukunftsberufe: Berufe, die sichere Zukunftsperspektiven bieten und für Deutschlands Zukunft wichtig sind. Ich wünsche allen jungen Frauen und Männern, dass sie den Beruf finden, der ihnen Spaß macht und zu ihnen passt. Weg mit den Vorurteilen!