Woche der Demenz 2019

Versorgung gehörloser Menschen mit Demenz verbessern

Eine Pflegekraft wendet sich einem älteren Mann mit Demenz zu
Ziel der "Kompetenzzentren für gehörlose Menschen im Alter" ist es, die Versorgung gehörloser Menschen mit Demenz und dementer Menschen mit anderen Hörbehinderungen zu verbessern© BMFSFJ

Gehörlose Menschen mit Demenz stoßen immer noch auf erhebliche Barrieren bei der Nutzung von Angeboten der Beratung und Versorgung. Es ist nicht gewährleistet, dass ihnen ein bedarfsgerechtes Angebot zur Verfügung steht. Dies betrifft alle Bereiche, die für die Versorgung im Alter von Bedeutung sind: die stationäre und ambulante Pflege ebenso wie die Beratung, Therapie und Diagnostik. Die Gefahr von Isolation, Fehldiagnosen und unzureichender Behandlung und Betreuung ist  groß. Der spezifische Bedarf dieser Zielgruppe ist bislang nicht ausreichend gedeckt.

Um die gesundheitliche Versorgung für gehörlose Menschen mit Demenz zu verbessern, hat das Bundesfamilienministerium "Kompetenzzentren für gehörlose Menschen im Alter, insbesondere Menschen mit Demenz" (GIA-Kompetenzzentren) gefördert. An zwei Standorten in Deutschland wurden solche Kompetenzzentren eingerichtet und wissenschaftlich begleitet.

Die Universität zu Köln hat von 2006 bis 2017 Fachstellen für gehörlose Menschen mit Demenz entwickelt und jeweils an einem Standort in Nordrhein-Westfalen und in Sachsen GIA-Kompetenzzentren erprobt und Handlungsempfehlungen gegeben. Das Ziel ist, durch Information, Aufklärung und Vernetzung die Qualität und Quantität der Versorgung für gehörlose und insbesondere demente Menschen im Alter zu verbessern.

Aktuell führt eine Fachstelle ihre Arbeit auch nach Auslaufen des Modellprojektes fort: Das ehemalige GIA-Kompetenzzentrum in Essen arbeitet seit 2018 als Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Hörschädigung weiter. Neben gehörlosen Menschen mit Demenz stehen auch Menschen mit anderen Hörbehinderungen im Fokus.

Für gehörlose Menschen, die bevorzugt Gebärdensprache nutzen und sich als Angehörige einer sprachlichen und kulturellen Minderheit verstehen, ist die Kommunikation in Gebärdensprache sehr wichtig. Insbesondere im Alter, bei einer Demenzerkrankung und bei Pflegebedarf.

Ihre Versorgung erfordert Wissen über die Ressourcen und Bedürfnisse gehörloser Menschen mit Demenz und eine angepasste Kommunikation. Spezifische Diagnoseverfahren in Gebärdensprache sind notwendig, um Fehldiagnosen zu vermeiden und eine adäquate Behandlung zu ermöglichen.

Um die unbefriedigende Situation in der Demenzdiagnostik zu verbessern, wird derzeit an der Universität zu Köln ein computerbasiertes Screeningverfahren für Demenz in Deutscher Gebärdensprache entwickelt.

Die Woche der Demenz ist erstmals im Jahr 2015 von der "Allianz für Menschen mit Demenz" als eine gemeinsame öffentlichkeitswirksame Maßnahme initiiert worden. Seitdem findet sie jährlich statt. Im Jahr 2019 steht sie unter dem Motto: "Demenz. Einander offen begegnen". Die Woche der Demenz liegt immer in der Woche, in der der Welt-Alzheimertag (21. September) begangen wird. Sie macht die Gesellschaft auf die Situation der an Demenz erkrankten Personen - insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland - und deren Angehörige aufmerksam.