Studie zu Gewalt gegen gehörlose Frauen: Videos in Deutscher Gebärdensprache

Studienergebnisse und Handlungsempfehlungen in Deutscher Gebärdensprache
Studienergebnisse und Handlungsempfehlungen in Deutscher Gebärdensprache© Bildnachweis: BMFSFJ

Eine neue Studienauswertung hat Diskriminierung und Gewalt gegen gehörlose Frauen untersucht - die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen stellt das Bundesfamilienministerium jetzt in sechs Videos in Deutscher Gebärdensprache (DGS) und in einer barrierefreien PDF-Datei vor.

Die Studie "Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen im Leben gehörloser Frauen - Ursachen, Risikofaktoren, Prävention" ist eine Sonderauswertung der vom Bundesfamilienministerium geförderten und 2012 veröffentlichten Repräsentativstudie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland". Sie entstand in einem Kooperationsprojekt des Deutschen Gehörlosen-Bundes mit dem Institut für empirische Soziologie (IfeS) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Neben einer deutlichen Skizzierung der Situation von gehörlosen Frauen will die Studie außerdem Möglichkeiten zur verbesserten Prävention vor Gewalt und Intervention sowie zur Unterstützung gewaltbetroffener gehörloser Frauen aufzeigen.

Um die Ergebnisse dieser Sonderauswertung auch gehörlosen Menschen zur Verfügung zu stellen, wurden die Kernergebnisse in Deutsche Gebärdensprache übersetzt und als Videos veröffentlicht, ein barrierefreies PDF-Dokument ergänzt das Angebot.

Die Studie zeigt, dass gehörlose Frauen bei allen Formen von Gewalterfahrungen stark, oft sogar am stärksten betroffen sind. So entstehe Gewalt gegen gehörlose Frauen vor allem durch die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten und die nahezu alternativlose Einbindung in die Gehörlosengemeinschaft, die eine spezielle Isolation von Frauen zur Folge haben kann. Zusätzlich, so zeigen die Erkenntnisse der Untersuchung, würden viele gehörlose Frauen bereits in ihrer Kindheit und Jugend Missbrauch und Vernachlässigung ausgesetzt, hier bestünde Gewaltgefährdung im Elternhaus, in Schulen und in Internaten für Menschen mit Hörbehinderungen.

Gewalterlebnisse würden sich im Lebensverlauf fortsetzen und durch sprachliche und kommunikative Barrieren sowie unzureichenden Zugang zu Hilfe und Unterstützung verstärkt.

Ein weiterer Faktor sei hier die doppelte Isolation der Frauen: Der fehlende Kontakt zu Hörenden sowie ein mangelndes Vertrauen in enge soziale Beziehungen führe bei manchen Frauen zu Abhängigkeitsverhältnissen in Paarbeziehungen, in denen sich Gewalterfahrungen fortsetzen können.

Die Studienergebnisse belegen zudem, dass auch bei (professionellen) Helferinnen und Helfern viel Unwissenheit, Unklarheit und Unsicherheit besteht. Qualifizierte Beratungs- und Betreuungsangebote, an die sich betroffene Frauen anonym und in Deutscher Gebärdensprache wenden können, seien im Bundesgebiet kaum vorhanden.

Die Handlungsempfehlungen aus der Studienauswertung umfassen vor allem Maßnahmen zur besseren Unterstützung gewaltbetroffener gehörloser Frauen sowie zur Gewaltprävention. Zum einen sei eine bessere Kenntnis des Unterstützungs- und Hilfesystems in der Gehörlosengemeinschaft notwendig - Aufklärung, Information und Kontaktmöglichkeiten müssten besser zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus wird empfohlen, den Zugang zu diesen Angeboten zu vereinfachen und Kommunikationsbarrieren mit den Beratern und Beraterinnen abzubauen.