Netzwerktreffen

Sexualisierte Gewalt: Jungen und Mädchen mit Behinderungen besser schützen

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Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, und Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfamilienministerin© DGfPI

Um Mädchen und Jungen mit Behinderungen besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen, fördert das Bundesfamilienministerium seit 2015 das bundesweite Modellprojekt "BeSt - Beraten & Stärken - Schutz von Mädchen und Jungen mit Behinderung vor sexualisierter Gewalt in Institutionen".

Die Erfahrungen aus den ersten zwei Jahren intensiver Projektarbeit standen im Zentrum eines Netzwerktreffens im Bundesfamilienministerium am 26. Juni, an dem auch Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfamilienministerin, und Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, teilgenommen haben. Ziel war es, die Projektergebnisse in den Kontext aktueller fachlicher Debatten einzubetten und perspektivisch für die weitere Praxis nutzbar zu machen. Dafür diskutierten Fachleute aus Behindertenhilfe und Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und Fachverbänden.

Caren Marks eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort:

"Mädchen und Jungen mit Behinderungen sind in besonderem Maße gefährdet, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden. Sie sind im Alltag oft auf Hilfen angewiesen, von ihren Bezugspersonen abhängig oder können sich nur schwer mitteilen und Hilfe holen. Deshalb ist es dringend erforderlich, dass alle Einrichtungen, denen Kinder und Jugendliche anvertraut sind, Schutzkonzepte entwickeln und umsetzen. Mit dem Projekt 'Beraten und Stärken' setzen wir dafür einen starken Impuls."

Verena Bentele unterstrich:

"Wir müssen alle Menschen mit Behinderungen, insbesondere Kinder, stark machen. Durch Empowerment können wir sie beim Entwickeln ihrer Fähigkeiten unterstützen. Kinder mit Behinderungen sind doppelt so häufig wie Kinder ohne Behinderungen Mobbing und Übergriffen ausgesetzt. So wie heute müssen wir mit Fachexperten über strukturelle Probleme und bessere Schutzmechanismen sprechen. Dabei ist entscheidend, dass wir das Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen suchen."

Durch das Modellprojekt werden bis Ende 2018 in bundesweit rund 60 Einrichtungen modellhaft Strukturen für den Kinderschutz verbessert, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema sexualisierte Gewalt fortgebildet und ein Präventionskurs mit den Mädchen und Jungen durchgeführt. Dabei werden die Materialien "Was tun gegen sexuellen Missbrauch – Ben & Stella wissen Bescheid!" genutzt, die im Rahmen des Modellprojekts entwickelt wurden und speziell auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen abgestimmt sind.

Das Modellprojekt wird in Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V. (DGfPI) und bundesweit zehn Fachberatungsstellen mit den Arbeitsschwerpunkten sexualisierte Gewalt und Behindertenhilfe durchgeführt.