Neue Wege zum Ausstieg aus der Prostitution: Elke Ferner eröffnet Fachtagung

Elke Ferner, Bildnachweis: Bundesregierung / Denzel
Elke Ferner© Bildnachweis: Bundesregierung / Denzel

Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfrauenministerin, hat am 1. Oktober die Fachtagung "Für die Zukunft Brücken bauen – Ergebnisse des Bundesmodellprojekts 'Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution'" eröffnet. Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sind mit Stigmatisierung und Ausgrenzung konfrontiert, die ihnen den Ausstieg aus der Prostitution erschweren. Viele sind zudem gesundheitlich, psychisch und wirtschaftlich stark belastet. Dies zeigen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Bundesmodellprojektes, das mit der Fachtagung in Berlin abschließt.

"Die Arbeit an den Modellstandorten zeigt eindrucksvoll: Individuelle Förderung und gezielte Unterstützung sind Erfolgsfaktoren für eine gelingende Umorientierung und für den Ausstieg aus der Prostitution. Wir wissen jetzt: Bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung ist mindestens jede zehnte Sexarbeiterin beziehungsweise jeder zehnte Sexarbeiter auf spezifische Beratung angewiesen. Diese muss Brücken bauen zu den Angeboten der Arbeitsförderung, des Gesundheitswesens und der Jobcenter", betonte Elke Ferner.

Bundesmodellprojekt "Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution"

Um die sehr unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe von Frauen und Männern, die aus der Prostitution aussteigen wollen, genauer in Erfahrung zu bringen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fünf Jahre das Bundesmodellprojekt "Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution" finanziell unterstützt. Drei selbständige Teilprojekte von der ländlichen Region bis zur Metropole an den Standorten Nürnberg (Projekt OPERA), Freiburg/Kehl (Projekt P.I.N.K) und Berlin (Projekt DIWA) waren zur Erprobung der Ziele ausgewählt worden.

Im Verlauf des Modellprojektes konnten systematische und verlässliche Kooperationsformen zwischen den Projektträgern und relevanten Partnern vor Ort wie Aus- und Weiterbildungsträgern, Arbeitgebern, ARGEn und sonstigen Behörden aufgebaut werden. 362 Prostituierte haben die Angebote der drei Modellprojekte in Anspruch genommen. Fast alle brauchten intensive Beratung auf dem Weg in den Ausstieg, bei über einem Drittel betrug die Beratungsdauer mehr als ein Jahr. Zum Ende der Modellphase waren 105 Personen in Weiterbildung, 36 in Ausbildung oder Studium, und 68 Personen hatten eine Erwerbsarbeit außerhalb der Sexarbeit aufgenommen. Für ein Gelingen des Ausstiegs war jede zweite Klientin auf Leistungen der Jobcenter angewiesen. Ein Leistungsbezug nach SGB II oder SGB III stellt somit für viele eine wichtige Voraussetzung für einen Ausstieg dar.

Frauen und Männer in der Prostitution müssen ihre Rechte kennen

"Wir wollen, dass Frauen und Männer in der Prostitution ihre Rechte kennen, denn nur so können wir sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte stärken. Wir wollen, dass Informationen über vorhandene Hilfs- und Unterstützungsangebote alle Prostituierten erreichen und eine verlässliche gesundheitliche Beratung gesetzlich verankern. Dies kann nur funktionieren, wenn passgenaue und niedrigschwellige Angebote vorhanden sind. Länder und Kommunen sind nun gefordert, die gewonnenen Erkenntnisse vor Ort in die Praxis umzusetzen und ein entsprechendes Beratungsangebot sicherzustellen", betonte Elke Ferner.

Studie "Ausstieg aus der Prostitution"

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojektes beinhalten Erkenntnisse zu Lebens- und Arbeitsbedingungen von Prostituierten und zu den Unterstützungsfaktoren beim Ausstieg in für Deutschland neuer und einmaliger Qualität. Auf der Tagung werden wichtige Konsequenzen für die Praxis und politische Entscheidungen diskutiert. Für den Aufbau und die fachpolitische Weiterentwicklung von Angeboten durch Länder, Kommunen und Regionen liegen mit der Studie konkrete Handlungsempfehlungen vor.