Modellprojekt "biko"

Kostenfreie Verhütungsmittel für Frauen mit wenig Geld

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Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesfrauenministerin, hält bei der Fachtagung zu den Ergebnissen des Modellprojekts "biko - Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung" ein Grußwort

Am 10. September wurden auf einer Fachtagung im Bundesfrauenministerium die Ergebnisse der Abschlussevaluation zum Modellprojekt "biko - Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung" vorgestellt. Frauen mit wenig Geld haben einen hohen Bedarf, dass die Kosten verschreibungspflichtiger Verhütungsmittel übernommen werden.

Regelmäßige Ausgaben für die Pille, aber auch hohe einmalige Kosten von bis zu 400 Euro für eine Spirale können das Budget von Frauen mit geringem Einkommen deutlich überschreiten. Sie verhüten deshalb unregelmäßiger, greifen zu weniger zuverlässigen Methoden oder verzichten ganz auf Verhütung.

Mit dem vom Bundesfrauenministerium geförderten Projekt "biko" erprobte der pro familia Bundesverband e.V. in sieben Städten (Erfurt, Halle, Lübeck, Ludwigsfelde, Recklinghausen, Saarbrücken und Wilhelmshaven) über einen Zeitraum von drei Jahren den Zugang zur Kostenübernahme verschreibungspflichtiger Verhütungsmittel für Frauen mit geringem Einkommen.

Das Projekt mit einem Fördervolumen von knapp vier Millionen Euro wurde vom unabhängigen Evaluationsinstitut "Camino Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich gGmbH" ausgewertet.

Während der Kernlaufzeit des Projekts von Juli 2017 bis Juni 2018 gab es insgesamt 6104 Anfragen für Kostenübernahmen, 4480 wurden bewilligt. In dieser Zeit wurden insgesamt 4751 Beratungsgespräche geführt. Jede zweite Frau gab in der Evaluations-Befragung an, sie würde ohne die finanzielle Unterstützung durch das Projekt "biko" entweder gar nicht oder mit einer deutlich unsicheren Methode verhüten.

Das entspricht den Ergebnissen der Sonderauswertung der Studie "frauen leben 3" des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts zu Geschlechterfragen. Demnach ist jede zweite Sozialleistungsbezieherin mit ihrem Verhütungsverhalten unzufrieden und würde ihr Verhütungsverhalten ändern, wenn die Mittel kostenfrei zugänglich wären.

Bedarf an kostenfreier Verhütung besteht nicht nur bei jungen Frauen in der Ausbildungsphase oder bei jenen, die Transferleistungen beziehen. Denn die zweitgrößte Nutzerinnengruppe waren Frauen, die trotz Berufstätigkeit über ein geringes Einkommen verfügen. Über 59 Prozent der Nutzerinnen haben eines oder mehrere Kinder.

Mehr als die Hälfte der Frauen, die am Modellprojekt teilnahm, entschied sich für Langzeitverhütungsmethoden, darunter die Hormonspirale und Kupferspirale. Etwas mehr als ein Viertel der Nutzerinnen erhielt eine erstmalige Kostenübernahme für die Pille.

Im Rahmen des "Gesetzes zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch" ist auf Initiative des Bundesfamilienministeriums die Altersgrenze für die Kostenübernahme verschreibungspflichtiger Verhütungsmittel bei der gesetzlichen Krankenversicherung (SGB V) seit dem 1. März 2019 vom 20. auf das 22. Lebensjahr angehoben worden. Ein darüber hinausgehender gesetzlicher Anspruch auf Kostenübernahme besteht nicht.