Kinderbetreuung hat positive Effekte

Kinderschuhe aufgereiht in einem Regal. Bildquelle: BMFSFJ
Kinderbetreuung verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf© BMFSFJ

Mit der Veröffentlichung der ökonomischen Studie "Kinderbetreuung" wurden am 15. April 2013 weitere Erkenntnisse aus der Gesamtevaluation ehe- und familienbezogener Leistungen vorgestellt. Die Studie zeigt: Die öffentlich geförderte Kinderbetreuung verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich, sie ist die entscheidende Voraussetzung für die Erwerbstätigkeit von Müttern und ermöglicht ihnen, ihre Erwerbstätigkeit zu erweitern. Dies wiederum verbessert die wirtschaftliche Stabilität von Familien und reduziert die Abhängigkeit von ALG II oder Sozialgeld.

Das ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. - hat in der Studie die Effekte öffentlich geförderter Kindertagesbetreuung auf vorgegebene familienpolitische Ziele untersucht: auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität und auf die Erfüllung von Kinderwünschen. Im Wege einer Ex-Post-Analyse wurden kausale Effekte der Nutzung der Kinderbetreuung für Kinder im Krippen-, im Kindergartenalter sowie für Schulkinder auf Mütter und Familien identifiziert. Die Qualität der Kinderbetreuung war nicht Gegenstand der Untersuchung, die sich auf Daten bis 2010 stützt und daher die aktuellste Entwicklung nicht abbilden kann.

In der Studie wurde das Erwerbsverhalten von Müttern, die eine Betreuung für ihr Kind nutzen, mit Müttern, deren Kinder keine Betreuungsangebote nutzen, verglichen. Zugrunde gelegt wurden dafür Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bis 2009 sowie der ersten Welle der Zusatzstichprobe "Familien in Deutschland" aus dem Jahr 2010 (FiD), die ebenfalls im Rahmen der Gesamtevaluation beauftragt wurde.

Zentrale Erkenntis: Mütter mit Kindern unter sechs Jahren, die ihre Kinder betreuen lassen, nehmen eher eine Erwerbstätigkeit auf oder dehnen diese aus als Mütter, deren Kinder keine öffentlich geförderte externe Kinderbetreuung in Anspruch nehmen. Mütter, deren unter dreijähriges Kind betreut wurde, hatten eine um circa 35 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein, arbeiteten im Schnitt zwölf Stunden mehr pro Woche und verdienten  je nach Schätzmethode zwischen 500 und 700 Euro brutto mehr als Mütter, deren Kind nicht extern betreut wurde. Die Mütter wechselten vor allem von der Nichterwerbstätigkeit in eine Teilzeitbeschäftigung. Bei Müttern mit Schulkindern zeigte sich, dass diese durch die Nutzung der Ganztagsbetreuung vor allem ihre Arbeitszeiten ausweiten.

Für die Analysen zu den Effekten von Kinderbetreuung auf die Fertilität wurde ein eigens für die Studie aufgebautes Panel von Landkreisdaten herangezogen. Damit konnte ein positiver Zusammenhang zwischen dem Ausbau der Kinderbetreuung und der Erfüllung eines Kinderwunsches festgestellt werden. In den Berechnungen führt ein Ausbau der Betreuungsquoten für unter dreijährige Kinder um zehn Prozentpunkte zu einem prozentuellen Anstieg der Fertilitätsrate (Anzahl der Geburten pro 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter) von etwa 2,4 Prozent im Folgejahr und von etwa 3,5 Prozent zwei Jahre später.

Die ökonomischen Analysen entsprechen den demoskopischen Befunden zur Kinderbetreuung, die im Rahmen der Studie "Staatliche Familienleistungen aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger: Kenntnis, Nutzung und Bewertung - Akzeptanzanalyse I" des Instituts für Demoskopie Allensbach ebenfalls im Rahmen der Gesamtevaluation gewonnen wurden (veröffentlicht im Januar 2013). Hier zeigt sich zudem, dass mehr als 80 Prozent der Nutzer Angebote der Kinderbetreuung als "besonders wichtig für ihre Familie" schätzen.

In einer zweiten demoskopischen Studie desselben Instituts ("Nutzung und Bewertung staatlicher Leistungen für die Betreuung und Förderung von Kindern sowie für die Altersvorsorge von Familien - Akzeptanzanalyse II" im Rahmen der Gesamtevaluation, veröffentlicht im März 2013) wurde zudem deutlich: Eltern sehen die Vorteile der Kinderbetreuung vor allem darin, Familie und Beruf besser miteinander verbinden zu können. Gleichzeitig schätzen sie, dass ihre Kinder den Umgang mit anderen Kindern erlernen, Freunde finden und Anregungen für ihre Entwicklung bekommen.

Rund 90 Prozent der Mütter und Väter sind mit der Qualität der Betreuung ihrer Kinder zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Wie sich die Nutzung von Kinderbetreuung auf die Entwicklung von Kindern und das kindliche Wohlergehen auswirkt, ist Untersuchungsgegenstand weiterer Evaluationsmodule, die in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.