FiA – Frauen in der Abseitsfalle

Kaum weibliche Führungskräfte in Non-Profit-Organisationen

Frau in Business-Kleidung lehnt am Schreibtisch
Die Auswertung zeigt: In den Bereichen, in denen die Quote gilt, steigt der Frauenanteil an Führungspositionen © Fotolia/sepy

Non-Profit-Organisationen (NPOs) sind ein hochattraktiver Arbeitsmarkt für Frauen: Über 75 Prozent der Belegschaft dieses Sektors sind weiblich, Tendenz steigend. Auf Führungsebene sind Frauen jedoch kaum beteiligt. Die Vorstände von NPOs sind mehrheitlich noch immer männlich besetzt. Das sind die Ergebnisse des Forschungsprojekt "FiA – Frauen in der Abseitsfalle", das im Auftrag des Bundesfrauenministeriums von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster durchgeführt wurde.

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Ralf Kleindiek, betonte:

"Die Ergebnisse sind alarmierend: 75 Prozent der Beschäftigten in den Non-Profit-Organisationen sind weiblich, in den Vorständen sind Frauen jedoch kaum vertreten. Die durch das Forschungsprojekt erarbeiteten Handlungsempfehlungen nehmen wir ernst. Wir müssen und werden weiter diskutieren, wie wir zum Beispiel Anreize für die vollzeitnahe Teilzeit von Frauen schaffen und ob wir die Präsenz von Frauen in den Führungs- und Kontrollgremien von NPOs auch verbindlich festlegen müssen."

Wenige Frauen in NPO-Leitungsgremien

Eine Online-Befragung zur Präsenz von Frauen in NPO-Leitungsgremien kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Vorstände von NPOs sind mehrheitlich noch immer männlich besetzt.
  • Frauenquoten für Leitungsgremien gibt es bislang nur in Einzelfällen.
  • Wenn Frauen in einer Leitungsposition tätig sind, dann eher operativ als Geschäftsführerin oder in beratenden Beiräten ohne Entscheidungskompetenz
  • Es finden sich wenige Frauen auf den Führungsebenen großer finanzstarker NPOs und Stiftungen.

Ob und inwiefern Frauen in NPO-Gremien präsent sind, ist unter anderem abhängig vom Arbeitsbereich, von der Größe und dem Alter der NPO. In weiblich geprägten Bereichen, beispielsweise Soziales oder Bildung, sind Frauen in NPO-Gremien häufiger zu finden. Bei älteren Organisationen sind besonders wenige Frauen in den Leitungsgremien vertreten. Im Vergleich dazu ist bei jüngeren NPOs der Frauenanteil höher.

Handlungsempfehlungen

Auf Basis von Befragungen und Literaturuntersuchungen wurden durch das Forschungsprojekt Handlungsempfehlungen für Politik, Verbände und Beschäftigte erarbeitet. Die Verfasserinnen und Verfasser der Studie empfehlen der Politik, Anreize für die vollzeitnahe Teilzeit von Frauen zu schaffen und die Präsenz von Frauen in den Führungs- und Kontrollgremien von NPOs verbindlich festzulegen. Darüber hinaus solle es von öffentlicher Seite nur Kooperationen mit privaten Anbietern (NPOs, Unternehmen) geben, deren Leitungsgremien die Frauenquote erfüllen.

Der Non-Profit-Sektor

Das Arbeitsfeld von Non-Profit-Organisationen ist weit: Soziale Dienste, Sport, Ökologie, Kultur und weitere Bereiche. Im Vergleich zu Wirtschaftsunternehmen und Behörden zeichnen sich NPOs durch Strukturbesonderheiten aus. Dazu zählen ehrenamtliche Leitungsgremien, flache Hierarchien und ideelle Organisationsziele. Der Anteil der NPO-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Gesamtbeschäftigung in Deutschland beläuft sich inzwischen auf 9 Prozent (2,3 Millionen Beschäftigte).

Die Broschüre mit den Ergebnissen des Projekts ist hier zu finden.