Gleichstellungsindex 2017

Gleichstellung in Europa geht nur langsam voran

Am 10. Oktober wurde der aktualisierte Gleichstellungsindex der Europäischen Union in Brüssel vorgestellt. Deutlich wird: Seit 2005 hat sich in Gleichstellungsfragen nur wenig getan. Laut des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen ist der Gesamtwert des Index für die EU seit 2005 um vier Punkte auf 66,2 von 100 gestiegen.

Gleichstellungspoltische Fortschritte vergleichbar machen

Der Index gibt einen Wert für die Leistung der Mitgliedstaaten und ihre Erfolge bei der Beseitigung von geschlechtsspezifischen Unterschieden an. Dieser Wert liegt zwischen eins und 100, wobei ein Wert von 100 den Optimalzustand darstellt. Der Index nimmt für die Bewertung nationaler gleichstellungspolitischer Strategien sechs Kernbereiche (Arbeit, Geld, Wissen, Macht, Zeit und Gesundheit) und zwei Satellitenbereiche (Gewalt gegen Frauen und sich überschneidende Ungleichheiten) in den Blick.

Die Fortschritte in den einzelnen Mitgliedstaaten und Bereichen fallen unterschiedlich aus: Während sich die Lage in einigen Mitgliedstaaten und Bereichen verbessert hat, wurden in anderen Rückschritte verzeichnet.

Spitzenreiter beim Thema Gleichstellung innerhalb der EU ist Schweden (82,6), Griechenland steht an letzter Stelle (50). Italien hat die größten Fortschritte gemacht und liegt im europäischen Vergleich an 14. Stelle.

Deutschland kann insgesamt leichte Fortschritte verzeichnen. Trotzdem liegt die Bundesrepublik 2017 wieder unter dem EU-Durchschnitt. Den Länderbericht Deutschland wird das Europäische Gleichstellungsinstitut Ende 2017 veröffentlichen.

Fortschritte treten im Bereich Macht zutage, wo der Wert von 31,4 von 100 im Jahr 2005 auf 48,5 gestiegen ist. Entscheidungspositionen in Politik, Wirtschaft, Medien, Forschung und Sport besetzen in allen Mitgliedstaaten weiterhin mehr Männer.

Frauen leisten mehr unbezahlte Sorgearbeit

Rückschritte sind in zwölf Ländern im Bereich Zeitverwendung von Frauen und Männern zu verzeichnen. Deutlich wird: Die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern im privaten Bereich bleibt bestehen. Sie ist das größte Hindernis für die Gleichstellung der Geschlechter.

Diese Erkenntnis entspricht auch den Ergebnissen des Gutachtens zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Die von der Sachverständigenkommission entwickelte neue Kennzahl zum Verhältnis von Erwerbs- und Sorgearbeit, der sogenannte Gender Care Gap, zeigt, dass Frauen mit der Erziehung von Kindern, der Pflege von Angehörigen, mit Ehrenämtern und Hausarbeit täglich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer leisten.