Pilotstudie

Gemeinsam gegen Sexismus im Alltag vorgehen

Die Aufschrift #MeToo in rot auf einer Betonwand
Unter dem Hashtag #MeToo wurde eine weltweite Debatte über Sexismus und Machtmissbrauch ausgetragen. Nun belegt auch eine repräsentative Studie: Sexismus ist allgegenwärtig© istock/Vaidas Bucys

44 Prozent aller Frauen erleben laut eigenen Angaben sexistische Übergriffe in ihrem Alltag - 14 Prozent von ihnen mehrmals im Monat. Das ist das Ergebnis der im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführten Pilotstudie "Sexismus im Alltag - Wahrnehmungen und Haltungen der deutschen Bevölkerung". Sie stellt repräsentativ dar, dass Sexismus als relevantes Phänomen in der Bevölkerung wahrgenommen wird. Auch ein erheblicher Teil der Männer gibt an, im Alltag von Sexismus betroffen zu sein: 32 Prozent. Mehr als jeder zehnte Mann (elf Prozent) erlebt Sexismus mehrmals im Monat. Insgesamt haben 63 Prozent aller Frauen und 49 Prozent aller Männer sexistische Übergriffe bei anderen oder bei sich selbst wahrgenommen.

Dr. Franziska Giffey:

"Sexismus ist ein Massenphänomen in unserer Gesellschaft. Er betrifft Frauen wie Männer. Das zeigt die Studie deutlich. Sexismus begegnet vielen Menschen im Alltag in ganz unterschiedlicher Weise und überall - am Arbeitsplatz, in Bus und Bahn, an öffentlichen Plätzen, in den Medien oder der Werbung. Den Wunsch der Befragten, dass die Politik mehr gegen Sexismus tut, nehmen wir ernst. Zusammen mit Vertretern von Bund und Kommunen, von Verbänden und Unternehmen, aus Kultur und Medien wollen wir konkrete Empfehlungen erarbeiten und diese dann auch umsetzen. Wir brauchen breite gesellschaftliche Bündnisse, denn Politik allein kann hier nicht alles richten. Sexismus ist nichts, das wir einfach tolerieren oder ignorieren können. Gemeinsam müssen wir Sexismus als das bezeichnen, was er ist: nämlich eine Form von Gewalt."

Die Studie untersucht außerdem, in welcher Form und an welchen Orten Sexismus erlebt wird. Sie verdeutlicht, wie unterschiedlich das Thema Sexismus in den verschiedenen gesellschaftlichen Milieus erlebt und wie ihm begegnet wird.

Das Bundesfamilienministerium unterstützt bereits mehrere Initiativen und Projekte gegen Sexismus, sexuelle Belästigung und Rollenstereotype, unter anderem:

Die Pilotstudie "Sexismus im Alltag - Wahrnehmungen und Haltungen der deutschen Bevölkerung" ist durchgeführt worden von Professor Dr. Carsten Wippermann vom DELTA-Institut für Sozial- und Ökologieforschung. Quantitativ erfolgte dabei eine bevölkerungsrepräsentative Befragung der Bevölkerung ab 16 Jahren. Die Stichprobe umfasste 2172 Fälle, die Erhebung fand im Dezember 2018 statt.

Qualitativ sind vier Gruppenwerkstätten mit Frauen und zwei Gruppenwerkstätten mit Männern durchgeführt worden. Dabei ist der Milieuansatz des DELTA-Instituts verwendet worden, der Perspektiven auf das Thema Sexismus aus den unterschiedlichen sozialen Milieus erlaubt und auch subjektive Elemente aufnimmt.