Fachkonferenz thematisiert Schutz und Selbstbestimmung bei Demenz

Eine Pflegerin und eine ältere Frau im Rollstuhl
Menschen mit Demenz schützen und unterstützen© BMFSFJ

Unter dem Motto "Pflege ohne Zwang" diskutierten Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik am 7. November auf einer Fachkonferenz in Berlin über das Spannungsfeld zwischen dem Anspruch auf Schutz und dem Recht auf Selbstbestimmung für demenziell erkrankte Menschen. Ziel des Austausches war es, konkrete Anregungen zur Reduzierung beziehungsweise zum Verzicht auf freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege zu geben. Das Bundesfamilienministerium hatte gemeinsam mit der Stiftung "Zentrum für Qualität in der Pflege" (ZQP) zu der Fachkonferenz eingeladen.

Ein bedeutsames Problem bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen ist die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen. Sie sind aus fachlicher Sicht nur äußerst selten erforderlich und dürfen nur nach umfassenden und begründeten ethischen, juristischen und pflegefachlichen Entscheidungen erfolgen. Insbesondere Menschen mit Demenz sind von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen.

Projektergebnisse belegen, dass auf Fixierungsmaßnahmen weitgehend verzichtet werden kann, wenn Personal geschult wird und alternative Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Fachkonferenz soll zum Wissenstransfer beitragen und ein Forum schaffen, das allen Akteuren hilft, den richtigen Weg zwischen Schutz und Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz zu finden. Die Ergebnisse der Konferenz können auf der Internetseite des Zentrums für Qualität in der Pflege eingesehen werden.

Die auf der Konferenz gewonnen Erkenntnisse sollen in die Arbeit der "Allianz für Menschen mit Demenz" einfließen, um konkrete Vereinbarungen zur Reduzierung von Fixierungsmaßnahmen festschreiben zu können. Die "Allianz für Menschen mit Demenz" wurde im September 2012 vom Bundesfamilienministerium gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium gegründet. Neben den beiden Ministerien sind auch Vertreter der Länder, Verbände und Organisationen, die auf Bundesebene Verantwortung für Menschen mit Demenz tragen, Mitglieder der Allianz. Bis Ende 2013 sollen dabei in vier Handlungsfeldern konkrete Maßnahmen und Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen erarbeitet werden.

Parallel dazu fördert das Bundesfamilienministerium den Aufbau von "Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz". Bis Ende 2016 sollen durch das Programm flächendeckend in ganz Deutschland 500 Lokale Allianzen als dauerhafte Hilfenetzwerke entstehen. Ziel der Lokalen Allianzen ist es, unter anderem durch Netzwerkbildung Hilfe und Unterstützung in Anlaufstellen vor Ort anzubieten oder zu vermitteln.