Menschen mit Demenz Analyse belegt Wirkung lokaler Allianzen

Zwei Menschen spielen Memory
Etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt© BMFSFJ

Das Bundesseniorenministerium hat mit dem Bundesprogramm "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" von 2012 bis 2018 den Aufbau und die Weiterentwicklung von 500 lokalen Hilfenetzwerken gefördert, um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu unterstützen. Welchen Beitrag diese Allianzen geleistet haben, um den Alltag für die Betroffenen zu erleichtern, soll eine Wirkungsanalyse herausfinden. Der erste Teilbericht liegt nun vor.

Von Dezember 2017 bis März 2021 wird die Wirkungsanalyse von Univation - Institut für Evaluation Dr. Beywl & Associates GmbH in Köln durchgeführt. Das Ziel ist, genau zu analysieren, ob die Lokalen Allianzen dazu beigetragen haben, die Beratungs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu verbessern. Konnten sie die Vernetzung vor Ort beeinflussen? Sind Lücken bei den Angeboten geschlossen worden? Wie werden die Aktivitäten nach dem Ende der Bundesförderung weiterverfolgt? Wie haben sich die Netzwerk-, Beratungs-, Unterstützungs- und Teilhabestrukturen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in den Regionen mit und ohne Lokale Allianzen entwickelt?

Ergebnisse des Teilberichts

Die Ergebnisse des ersten Teilberichtes der Wirkungsanalyse basieren auf einer Dokumentenanalyse, Fallstudien in 16 Lokalen Allianzen und einer Online-Befragung. Zentrale Ergebnisse sind:

  • In den Lokalen Allianzen wurden innovative Formate zur Information und Aufklärung umgesetzt, beispielsweise Lesungen, Filmvorführungen, Ausstellungen oder ein Demenz-Parcours. Über zwei Drittel der befragten Akteurinnen und Akteure gaben an, dass sie Schulungen durchgeführt haben, insbesondere von Angehörigen, Ehrenamtlichen und Berufsgruppenvertretern.
  • Im Rahmen der Lokalen Allianzen ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten erweitert und neu entwickelt worden. Etwa die Hälfte der Lokalen Allianzen haben in großem Umfang neue Angebote im Bereich Entlastung, Beratung und Teilhabe geschaffen.
  • Die Lokalen Allianzen werden in hohem Maße durch ehrenamtliches Engagement getragen. Bei knapp der Hälfte der Träger ist die Mehrheit der Mitarbeitenden ehrenamtlich tätig. Ehrenamtliches Engagement konnte durch die Aktivitäten der Lokalen Allianzen in jeder zweiten Region ausgeweitet werden.
  • Die Mehrheit der Lokalen Allianzen beurteilte die Netzwerkarbeit als zentrales Instrument, um die Strukturen für Menschen mit Demenz zu verbessern. Insbesondere die Unterstützung durch eine hauptamtliche Netzwerkkoordination wird als wichtige Rahmenbedingung beschrieben. 
  • Die große Mehrheit der Lokalen Allianzen wurde engagiert durch die kommunalen Akteurinnen und Akteure unterstützt. Über diese kommunale Unterstützung konnte häufig die Nachhaltigkeit der Arbeit und der Angebote gesichert werden.

Nationale Demenzstrategie

Die Wirkungsanalyse soll auch dazu beitragen, dass die kommunale Perspektive in der Nationalen Demenzstrategie noch stärker berücksichtigt wird. Die Nationale Demenzstrategie soll im Juni 2020 durch das Kabinett verabschiedet werden und die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in Deutschland weiter verbessern und dazu beitragen, tragfähige Strukturen für die Zukunft zu schaffen. 

Die bisher gewonnenen Erkenntnissen fließen in ein neues Förderprogramm ein, das ab 2020 als Teil der Nationalen Demenzstrategie gezielt auf Regionen ausgerichtet wird, in denen die Netzwerk -, Beratungs-, Unterstützungs- und Teilhabestrukturen der Unterstützung bedürfen. Ziel des Programms ist es, bis 2026 weitere 150 lokale Netzwerke aufzubauen und damit die Angebotsstrukturen der Lokalen Allianzen flächendeckend in ganz Deutschland nachhaltig zu etablieren.

Die Lokalen Allianzen

In den Lokalen Allianzen engagieren sich Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Vereine, Initiativen, Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden und weitere Organisationen. Gemeinsam entwickeln sie geeignete Angebote der Information, Beratung und Betreuung, bringen Akteure an einen Tisch und tragen dazu bei, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen Teilhabe und bedarfsgerechte Unterstützung erfahren.

Seit 2018 schließt die Netzwerkstelle "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" an das Bundesmodellprogramm an. Sie ist bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO) angesiedelt und wird vom Bundesseniorenministerium gefördert.