Initiative "Stärker als Gewalt" Aktion gegen Gewalt an Frauen startet in 15 Einkaufszentren

Dr. Franziska Giffey in den Wilmersdorfer Arcaden vor einer Wand mit der Aufschrift Stärker als Gewalt
Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey, die Berliner Senatorin für Gleichstellung Dilek Kalayci (Zweite von rechts), der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf Reinhard Naumann (rechts) und Centermanager Felix Niecke vor der plakatierten Wand mit den Hilfsangeboten in den Wilmersdorfer Arcaden in Berlin© Felix Zahn/photothek.net

Damit von Gewalt betroffene Frauen auf Hilfs- und Beratungsangebote aufmerksam werden, informiert die Initiative "Stärker als Gewalt" des Bundesfrauenministeriums ab sofort bundesweit auf Infoflächen in 15 Einkaufzentren der Unibail-Rodamco-Westfield (URW) Group. Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey hat die bundesweite Aktion am 28. August in den Wilmersdorfer Arcaden in Berlin gemeinsam mit Dilek Kalayci, Berliner Senatorin für Gleichstellung, und Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf gestartet.

Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey:

"Viele Frauen wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Deshalb ist es umso wichtiger, dass nach der deutschlandweiten Aktion "Zuhause nicht sicher?", die wir bereits im April mit 26.000 Supermärkten gestartet haben, nun auch 15 große Einkaufszentren in ganz Deutschland über Hilfsangebote informieren. Gerade beim Einkaufen ist die Chance am größten, Menschen zu erreichen. Hier laufen die Leute vorbei, hier sehen sie die Hinweise auf unsere Webseite und unser Hilfetelefon. Durch diese groß angelegte Aktion schaffen wir es, eine breite Öffentlichkeit für Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren und niedrigschwellige Hilfsangebote zu machen. Ich hoffe, dass noch viel mehr Geschäfte, Märkte und Einkaufszentren auf unsere Initiative aufmerksam werden und mitmachen, wenn es heißt: Gemeinsam sind wir stärker als Gewalt."

In den Wilmersdorfer Arcaden wird während Umbauarbeiten die Fläche einer großen Staubschutzwand genutzt, um über die Hilfsangebote zu informieren. Eine Vielzahl der Geschäfte macht ebenfalls bei der Aktion mit, etwa indem sie in ihren Schaufenstern oder in Umkleidekabinen mit Aufklebern und Postern auf die Initiative aufmerksam machen.

Wieder mit dabei sind auch die Supermarkt-Ketten Edeka und Netto Marken-Discount, die sich schon seit Ende April als engagierter Partner der Aktion "Zuhause nicht sicher?" beteiligen und auch auf Produkten der Eigenmarke über Hilfsangebote für Frauen informiert.

Frauen deutschlandweit informieren

Die URW-Group zählt in den teilnehmenden Einkaufszentren an die 100 Millionen Besucherinnen und Besucher jährlich, alleine in den Wilmersdorfer Arcaden sind es 25.000 Menschen täglich. Zu den URW-Shopping-Malls, die sich deutschlandweit an der Aktion gegen Gewalt an Frauen beteiligen, gehören folgende Einkaufszentren:

  • Berlin: Spandau Arcaden, Forum Steglitz, Schönhauser Allee Arcaden, Wilmersdorfer Arcaden
  • Laatzen: Leine Center
  • Leipzig: Paunsdorf Center, Höfe am Brühl
  • Recklinghausen: Palais Vest
  • Oberhausen: Centro
  • Bochum: Ruhr Park Bochum
  • Mönchengladbach: Minto
  • Regensburg: Regensburg Arcaden
  • München: Riem Arcaden, Pasing Arcaden

Zu Hause nicht sicher?

Für viele Frauen ist in der Corona-Krise nicht einmal das eigene Zuhause ein sicherer Ort, da sie dort von Gewalt betroffen sind. So stieg beispielsweise in Berlin die Zahl der häuslichen Gewalttaten im Juni 2020 um 30 Prozent gegenüber 2019, wie aus Erhebungen der Gewaltschutzambulanz der Charité hervorgeht. Zudem ist zu befürchten, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher ist als die offiziell gemeldeten Fälle. Schließlich ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt.

Initiative "Stärker als Gewalt"

Die Initiative "Stärker als Gewalt" des Bundesfrauenministeriums ist im November 2019 gestartet. Sie informiert über unterschiedliche Gewaltformen und zeigt Wege auf, wie Gewalt beendet werden kann.

Gemeinsam mit zahlreichen Organisationen engagiert sich "Stärker als Gewalt" dafür, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, das Gewalt an Frauen und Männern verurteilt und Menschen unterstützt, die eingreifen und helfen wollen. Die Initiative möchte Menschen motivieren, sich gegen Gewalt einzusetzen und Betroffenen zu helfen. Die Partnerorganisationen der Initiative sind:

  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
  • Frauenhauskoordinierung e.V.
  • Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe e.V.
  • Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser
  • Weibernetz e.V.
  • Bundesforum Männer e.V.
  • Landesfachstelle Männerarbeit Sachsen
  • Sozialdienst Katholischer Männer e.V.
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes
  • Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.
  • Dachverband der Migrantinnenorganisationen
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V.
  • Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen

Die Initiative ist eingebettet in das Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Koalitionsvertrags. Seit 2018 arbeitet der von Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey eingerichtete Runde Tisch von Bund, Ländern und Gemeinden, mit dem das Hilfenetz deutlich verstärkt und verbessert werden soll. Mit dem Bundesförderprogramm "Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen" stellt das Bundesfrauenministerium in den nächsten vier Jahren ab 2020 insgesamt 120 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern bereit. Außerdem werden bis 2022 jährlich fünf Millionen Euro für die Förderung innovativer Projekte zur Verfügung stehen.