80. Deutscher Fürsorgetag: Manuela Schwesig eröffnet Fachkongress

Manuela Schwesig spricht auf dem Fachkongress des 80. Deutschen Fürsorgetages
Manuela Schwesig spricht auf dem Fachkongress des 80. Deutschen Fürsorgetages© Bildnachweis: Mahmoud Dabdoub

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat am 16. Juni den Fachkongress des 80. Deutschen Fürsorgetages in Leipzig mit dem Appell eröffnet, Fürsorge als gesamtgesellschaftliche Aufgabe kreativ und innovativ weiterzuentwickeln. Im sich daran anschließenden Symposium ging Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Familienministerin, auf die Rollen von Frauen und Männern in Familien und für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt ein.

"In jeder Gesellschaft muss immer wieder neu definiert und durchgesetzt werden, wie Fürsorge bewertet wird", betonte Manuela Schwesig in ihrer Eröffnungsrede und machte das am Beispiel der Kinderbetreuung deutlich. "Frühkindliche Bildung ist der Grundstein für die spätere Bildungs- und Berufslaufbahn der Kinder. Den Kindern, die noch kein Deutsch können, hilft Kinderbetreuung, die Sprache zu lernen. Kinderbetreuung trägt zur Chancengleichheit für alle Kinder in Deutschland bei." Fast 300.000 zusätzliche Betreuungsplätze haben Bund, Länder, Kommunen und Träger eingerichtet. Mit dem Gesetz zur weiteren Entlastung von Ländern und Kommunen stockt der Bund das bestehende Sondervermögen "Kinderbetreuungsausbau" auf eine Milliarde Euro auf.

"Altenhilfe, ein ganz klassischer Bereich von Fürsorge in Deutschland, verändert sich radikal. Alter ist unglaublich vielfältig geworden. Der Begriff demografischer Wandel fasst zusammen, dass die Menschen immer älter werden, dass viele Menschen viel länger gesund und aktiv bleiben, dass aber auch immer mehr Menschen demenzkrank und pflegebedürftig sind" wies Manuela Schwesig auf einen weiteren Veränderungsprozess und die daraus abzuleitenden Aufgaben hin.

Auch die  aktuellen internationalen Entwicklungen beeinflussen die Fürsorge. So machte die Bundesfamilienministerin deutlich: "Unter den Menschen, die Zuflucht bei uns suchen, sind auch mehrere Tausend Kinder. Viele von ihnen kommen allein nach Deutschland und haben Schlimmes erlebt. Sie brauchen Fürsorge, die sie in den Kommunen und in den Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände bekommen." Mit dem neuen Bundesprogramm "Willkommen bei Freunden" soll ganz konkret dazu beigetragen werden, die Lebenssituation von jungen Flüchtlingen in Deutschland zu verbessern und die Kommunen in ihren Aufgaben zu unterstützen.

Caren Marks diskutiert auf dem Deutschen Fürsorgetag
Caren Marks (2.v.r) diskutiert auf dem Deutschen Fürsorgetag über "Care"© Bildnachweis: Mahmoud Dabdoub

In der ersten Fachveranstaltung des Deutschen Fürsorgetags diskutierte die Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks über die notwendige wechselseitige Fürsorge, Zuwendung und Unterstützung in unserer Gesellschaft ("Care"). "Es ist und bleibt eine zentrale Aufgabe des Staates, Familien bedarfsgerecht zu unterstützen. In der Verantwortung sind aber auch Arbeitgeber beziehungsweise die Sozialpartner, ihren Beitrag dazu zu leisten," sprach Caren Marks die wesentlichen Akteure an.

Zudem verwies sie auf die Rollenverteilung in der Gesellschaft: "Care" wird immer noch überwiegend von Frauen geleistet. Nachteile im Beruf und in der sozialen Absicherung sowie Lohnungerechtigkeit sind für viele Frauen noch immer Realität. Auf die Gleichstellung von Frauen und Männern hinzuwirken, bleibt daher Daueraufgabe des Staates.

Der Deutsche Fürsorgetag findet alle drei Jahre statt. Er wird veranstaltet vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. und vom Bundesfamilienministerium unterstützt. Neben dem Fachkongress gibt es auch einen "Markt der Möglichkeiten" mit Ausstellern aus der Sozialwirtschaft und den Wohlfahrtsverbänden. Der Deutsche Fürsorgetag gilt als die wichtigste Veranstaltung der Wohlfahrtspflege in Deutschland.