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Hintergrund

Im Detail: Leben mit Demenz

Durch den demografischen Wandel steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen und Demenzerkrankter in Deutschland stetig an. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen mit Demenzerkrankungen leben müssen: Schon heute leiden etwa 1,3 Millionen Betroffene an Demenz und es gibt jährlich rund 250.000 Neuerkrankte. Frühe Diagnosen reichen heute oft bis ins mittlere Lebensalter hinein. Problematisch ist, dass bisher nur rund 30 Prozent aller Demenzerkrankungen von Ärzten diagnostiziert werden und lediglich 15 Prozent eine angemessene Behandlung erfahren.

Sofern bei Prävention und Therapie kein Durchbruch gelingt, gehen Prognosen davon aus, dass sich die Zahl der Demenzkranken bis zum Jahr 2050 auf rund 2,6 Millionen erhöhen könnte. Das Thema Demenz wird in den kommenden Jahren also immer mehr in das Blickfeld von Gesellschaft und Politik rücken.

Menschen mit Demenz brauchen besondere Zuwendung. Doch den Herausforderungen im Umgang mit Demenz kann nur begegnet werden, wenn die Erkrankten eine Stimme bekommen, wenn pflegende Angehörige unterstützt, Fachpersonal gezielt qualifiziert und Ehrenamtliche in ihrem Engagement bestärkt werden.

Daher sind Angebote zur Prävention und zur Hilfe für bereits Erkrankte und ihre Angehörigen von großer Relevanz. Diese Angebote, Programme und Initiativen haben zum Ziel, Betroffenen so lange es geht ein Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen.

Initiative "Wissens- und Hilfenetzwerk im Umgang mit Demenz"

Eine effiziente Seniorenpolitik kann gezielt das Wissen über die Krankheit erhöhen, Orte der Begegnung schaffen und es den Menschen ermöglichen, dort zu leben, wo die meisten leben wollen - nämlich zu Hause bei ihren Familien. Deshalb verstärkt das Bundesfamilienministerium sein Engagement zur Verbesserung des Lebensalltags Demenzkranker mit einem gezielten Wissens- und Hilfenetzwerk zum Umgang mit Demenz.

Neben dem neuen Internetportal Wegweiser Demenz gibt es noch zwei weitere wichtige Säulen der Initiative "Wissens- und Hilfenetzwerk im Umgang mit Demenz". Denn genauso notwendig wie Informations- und Datenquellen sind die Menschen vor Ort, die Verständnis für Betroffene fördern und ihnen konkret helfen, mit der Demenz zu leben. Deshalb wurde als Ergänzung zum Internetportal das Kooperationsprojekt zwischen der regionalen Alzheimer Gesellschaften und zunächst 50 Mehrgenerationenhäusern gestartet, die demenzspezifische Hilfeangebote bereitstellen. Da ein Viertel der Demenzkranken allein lebt, können Mehrgenerationenhäuser eine wichtige Anlauf- und Begegnungsstätte sein, bei der Vermittlung von ehrenamtlicher Betreuung helfen, Patenschaften für demenzkranke Menschen vermitteln und kommunale Netzwerke für und mit Betroffenen und Angehörigen ausbauen.

Darüber hinaus muss es das erklärte Ziel einer langfristigen Seniorenpolitik sein, Demenzkranken so lange es geht ein Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass die Menschen unterstützt werden müssen, die für die Demenzkranken sorgen.

Familien-Pflegezeit bringt Entlastung für pflegende Angehörige

Rund zwei Drittel der Demenzkranken werden heute zuhause von ihren Angehörigen versorgt und gepflegt. Viele Angehörige überschreiten dabei die Grenze ihrer Belastbarkeit, vor allem diejenigen, die gleichzeitig noch berufstätig sind - und das ist heute die Mehrzahl der pflegenden Angehörigen. Doch pflegende Angehörige brauchen ihr Einkommen und können im Beruf nicht einfach pausieren. Um diesen Menschen die Doppelbelastung zu erleichtern, setzt sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für eine Familien-Pflegezeit ein. Diese sieht vor, dass pflegende Angehörige ihre Arbeitszeit auf bis zu 50 Prozent reduzieren können, ohne dabei aus dem Beruf aussteigen zu müssen. Nach der Pflegephase wird die Tätigkeit im alten Umfang wieder aufgenommen, so wird - bei ebenfalls reduziertem Lohn - das Wertkonto wieder ausgeglichen.

Der Welt-Alzheimertag am 21. September steht in Deutschland in diesem Jahr unter dem Motto "Gemeinschaft leben". Unter diesem Stichwort sollen die Hilfeangebote des Bundesfamilienministeriums eine Chance für Betroffene und ihre Familien bieten, sich auf den verantwortungsbewussten Umgang mit der Krankheit Demenz einzustellen und ein Leben in Würde und Selbstbestimmung zu führen.