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Hintergrund

Ermittlung der Geburtenrate für Deutschland

Bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Geburtenentwicklung in Deutschland werden unterschiedliche statistische Verfahren herangezogen. Die zusammengefasste Geburtenziffer kann aktuelle Entwicklungen aufzeigen, mit denen auch internationale Vergleiche möglich sind. Die Kohortengeburtenrate liefert wiederum ein realitätsnäheres Bild, kann aber erst mit einem größeren zeitlichen Abstand relevante Aussagen treffen.

Die zusammengefasste Geburtenziffer

Die zusammengefasste Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder 1.000 heute 15-jährige Frauen im Verlauf ihres Lebens lebend zur Welt bringen, wenn sie sich bis zum 45. Lebensjahr so verhalten würden, wie alle Frauen im Alter von 15 bis 45 Jahren in dem Berichtsjahr und wenn keine dieser Frauen bis zum 45. Lebensjahr verstirbt.

Die zusammengefasste Geburtenziffer steht vor allem deshalb immer wieder im Mittelpunkt des Interesses, weil sie aktuell ist, und Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Ländern eröffnet, da die Geburtenrate überall auf die gleich Weise ermittelt wird. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob und wie sich das Geburtenverhalten von einzelnen Frauenjahrgängen verändert und wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen wirken.

Der sogenannte Tempo-Effekt schwächt zudem die Aussagekraft der zusammengefassten Geburtenrate: Verschiebt sich das durchschnittliche Alter der Mütter bei Geburt im Laufe der Zeit, verzerrt dies die zusammengefasste Geburtenrate. Bekommen Frauen zum Beispiel später Kinder, führt dies zu einer niedrigen zusammengefassten Geburtenrate, auch wenn die Anzahl der geborenen Kinder im Lebenslauf einer Frau gleich bleibt - die aufgeschobenen Geburten tauchen nicht im aktuellen Beobachtungszeitraum auf. In Deutschland ist das Aufschieben von Geburten noch nicht zum Stillstand gekommen.

Die Kohortengeburtenrate

Ein realitätsnäheres Bild zeichnet die Kohortengeburtenrate. Ein Blick auf die Kinderzahlen in Familien zeigt, dass die Zwei-Kind-Familie immer noch das häufigste Familienmodell ist. Betrachtet man Frauen am Ende ihrer fruchtbaren Phase (also mit 45 bis 49 Jahren) und die dann erreichte Kinderzahl, wird deutlich, dass Frauen mehr Kinder bekommen als es die Höhe der zusammengefassten Geburtenziffer suggeriert.

Sie beziffert die durchschnittliche endgültige Kinderzahl eines Frauenjahrgangs, hat aber den Nachteil, dass sie erst final ermittelt werden kann, nachdem der betreffende Frauenjahrgang älter als 44 beziehungsweise 49 Jahre alt ist.

Die Kohortengeburtenrate kann jedoch früher bereits geschätzt werden, für über 34-jährige Frauen relativ exakt. Von allen Geburtenziffern (oder Geburtenraten) ist die Kohortengeburtenrate am sinnvollsten und am leichtesten zu interpretieren.