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Studie "Zwangsverheiratung in Deutschland" veröffentlicht

Am 9. November hat Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder im Rahmen einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer die Studie "Zwangsverheiratung in Deutschland - Anzahl und Analyse von Beratungsfällen" übergeben. Die Studie zeigt, dass vor allem Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund von Zwangsverheiratungen bedroht werden oder betroffen sind.

Plakatmotiv der Kampagne "SIBEL Papatya". Quelle: Papatya.org Plakatmotiv der Kampagne "SIBEL Papatya" Vergrößerte Ansicht des Bildes öffnet in externem Fenster

Die Studie befasst sich mit den Betroffenen, ihren gesellschaftlichen Hintergründen, den Umständen von Zwangsverheiratungen sowie spezifischen Gruppen von Bedrohten sowie Betroffenen. Die Analysen zeigen, dass vor allem Mädchen und Frauen von Zwangsverheiratung bedroht beziehungsweise betroffen sind, darunter knapp 30 Prozent im Alter bis einschließlich 17 Jahre. Auf die Altersklasse der 18- bis 21-jährigen entfallen etwa 40 Prozent. Fast alle Beratenen haben einen Migrationshintergrund, in vielen Fällen zudem eine deutsche Staatsangehörigkeit.

Dass Frauen so deutlich das Bild prägen, bedeutet nicht, dass Jungen und Männer von der Problematik Zwangsverheiratung ausgeschlossen sind. Nicht zuletzt aufgrund traditionell ausgelegter Männlichkeitsrollen ist der Graubereich zwischen "arrangierter Ehe" und "Zwangsverheiratung" bei ihnen noch schwerer zugänglich als bei Frauen.

Befragungen von Expertinnen und Experten aus der Praxis

Die Studie wurde von einem Konsortium unter Leitung der Johann Daniel Lawaetz-Stiftung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführt. Im Wesentlichen basiert die Studie auf dem Ansatz der Befragung von Expertinnen und Experten aus der Beratungspraxis. 2008 wurden bundesweit Beratungsstellen vollumfänglich zu ihren Fällen befragt. In den Beratungsstellen finden Betroffene schnelle und qualifizierte Hilfe. Diese Angebote werden unterstützt durch Online-Beratungen wie die Kriseneinrichtung Papatya.

Die Studie wurde durch eine Falldokumentation mit standardisierten Fragebögen in etwa 100 Beratungsstellen ergänzt, die erstmals eine vergleichbare Erfassung der Fälle in den Beratungsstellen zulässt. Zusätzlich wurden durch Befragung von Schulleitungen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendarbeit weitere Erfahrungen herangezogen. Diese unterschiedlichen Blickwinkel erlauben verschiedene Perspektiven auf das Thema und dienten der Absicherung der Ergebnisse.