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Hintergrund

Ergebnisse der Studie "Kriminalität und Gewalt im Leben alter Menschen"

Die durch das Bundesfamilienministerium geförderte Studie "Kriminalität und Gewalt im Leben alter Menschen" hatte gezeigt, dass Seniorinnen und Senioren in Deutschland überwiegend sicher leben können. Dennoch gibt es bestimmte Lebensbereiche und Situationen, in denen gerade ältere Menschen im Visier von Kriminellen sind. Diese haben es zumeist auf Geld und Wertgegenstände abgesehen. Ablenkung und Täuschung spielen dabei eine große Rolle. Oft ist das eigene Zuhause der Tatort.

Im Rahmen des Aktionsprogramms wurden mit Bezug auf solche Gefährdungsbereiche Präventionsansätze entwickelt und umgesetzt:

Ausrichtung von Frauenhäusern, Beratungseinrichtungen und anderen Hilfeangeboten auf die spezifische Situation älterer Opfer von Gewalt in Partnerschaften und Ex-Partnerschaften

Das wesentliche Ziel dieses Segments des Aktionsprogramms war die verbesserte Ausrichtung von Hilfeangeboten auf die Gruppe älterer gewaltbetroffener Frauen und auf die jeweiligen spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse dieser Gruppe. Die Erfahrungen zeigen das Erfordernis einer expliziten Zielgruppenansprache und der Schaffung spezifischer Angebote für ältere Opfer sowie die Bedeutung der Sensibilisierung von Fachkräften aus den Bereichen der Medizin, der Altenhilfe, und –pflege für die Problematik von Partnergewalt im Alter.

Stärkung des präventiven Potenzials der ambulanten Pflege durch Sensibilisierung und Schulung von Pflegekräften im Hinblick auf die Problematik der Misshandlung und Vernachlässigung älterer Pflegebedürftiger durch Angehörige

Gewaltprävention gehört kaum zu den Alltags- und Kernaufgaben ambulanter Pflegekräfte. Vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Kompetenz und ihres intensiven Kontakts zu Pflegebedürftigen und ihren Familien kann ihnen jedoch im Pflegehaushalt eine präventive Rolle zukommen. In Kooperation mit sechs Pflegediensten unterschiedlicher Trägerschaft sowie einer selbständigen Pflegeberaterin wurden im Rahmen des Aktionsprogramms in Essen (Ruhr) Konzepte entwickelt und umgesetzt, die neben Schulungen von Pflegekräften auch Maßnahmen im Bereich der Organisationsentwicklung zum Gegenstand hatten.

Die Erfahrungen zeigen, dass Pflegekräfte darin unterstützt werden können, mit im Pflegehaushalt wahrgenommenen Konflikten und Gefährdungen professionell umzugehen. Zu den Elementen der Unterstützung gehören zum Beispiel Schulungen, in denen unter anderem Erscheinungsformen und Risikofaktoren sowie rechtliche und berufsethische Fragestellungen zum Gegenstand gemacht werden, das Ansprechen kritischer Situationen im Pflegehaushalt eingeübt wird sowie die Bereitstellung von Informationen über lokal verfügbare Hilfen und geeignete Ansprechpartner.

Schutz älterer Menschen vor betrügerischen und auf Täuschungen basierenden Eigentums- und Vermögensdelikten

Im Bereich der Vermögensdelikte werden alte Menschen gezielt als Opfer ausgewählt, weil die Täter hier günstige Tatgelegenheiten vermuten. Dies betrifft vor allem Taten, bei denen unter Einsatz von Täuschungen unterschiedlicher Art das Vertrauen einer älteren Person missbraucht und zum eigenen materiellen Vorteil ausgenutzt wird. Im Rahmen des Aktionsprogramms wurde unter anderem die Broschüre „Rate mal, wer dran ist“ entwickelt, in der umfassend über auf Senioren ausgerichtete Eigentums- und Vermögensstraftaten aufgeklärt wird und Handlungshinweise gegeben werden.

In Trainings für Beschäftigte von Banken wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über diese Deliktsbereiche und über Möglichkeiten, kritische Situationen zu erkennen und zum Schutz älterer Opfer zu handeln informiert. Die Ergebnisse zeigen, dass hierdurch Bewusstsein und Handeln zum Vorteil älterer potenzieller Opfer verändert werden können.

Prävention von Tötungsdelikten durch Optimierung der Todesursachenfeststellung

Hochaltrige Menschen sind auch von Tötungsdelikte betroffen, die unerkannt an ihnen begangen werden. Fehler bei der Feststellung der Todesursache können insbesondere dort auftreten, wo der Tod eines Menschen ohnehin erwartet wurde oder jedenfalls nicht als ein in besonderem Maße erklärungsbedürftiges Ereignis aufgefasst wird. Ein interdisziplinär besetztes Expertinnen- und Expertengremium hat sich im Rahmen des Aktionsprogramms mit dieser Problematik auseinandergesetzt und eine Handreichung in erster Linie für ärztliche Professionen entwickelt, in der aus der Perspektive der Kriminologie, der Rechtsmedizin sowie der Strafverfolgung ein Leitfaden und eine Checkliste zur Optimierung der Todesursachenfeststellung bei hochaltrigen und pflegebedürftigen Menschen zur Verfügung gestellt werden.