Hintergrund

Volksvertreterinnen sind selten

Frauen sind in den Parlamenten auf Bundes- und Landesebene unterrepräsentiert: Der Frauenanteil stagniert hier seit Jahren bei etwa 30 Prozent. Dies zeigen Ergebnisse der Studie "Engagiert vor Ort - Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen", die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführt wurde. Eine noch größere Diskrepanz zeigt sich in Kommunalparlamenten: Hier ist nur ein Viertel der Mitglieder weiblich.

Die durchschnittliche Kommunalpolitikerin in Deutschland ist laut der Studie der EAF | Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft zwischen 40 und 60 Jahre alt, lebt in einer festen Partnerschaft, ist Mutter erwachsener Kinder, besitzt einen Hochschulabschluss und ist in Teilzeit erwerbstätig. Daneben investiert sie mindestens zehn Stunden pro Woche in ihre ehrenamtliche politische Arbeit. Schon bevor sie politisch tätig wurde, war sie in Vereinen, Initiativen oder Verbänden engagiert.

Lebenslauf einer Kommunalpolitikerin

Die Studie zeigt auch: Die konkreten kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten waren der Hauptgrund für ihren Einstieg in die Politik - an eigene Karrierechancen hat sie dabei kaum gedacht. Anlass war eher die schwierige Lage in der eigenen Kommune. Ihr Wahlerfolg kam dann selbst für Mitglieder der eigenen Partei überraschend. Vielleicht wäre sie schon früher politisch aktiv geworden, aber männlich dominierte Strukturen in ihrem Heimatort verhinderten das. Erst als sie direkt angesprochen wurde, entdeckte sie die Kommunalpolitik für sich.

Obwohl sich die durchschnittliche Kommunalpolitikerin von ihrem Partner sehr gut unterstützt fühlt, wünscht sie sich mehr Unterstützung durch das politische und persönliche Umfeld. Denn ein politisches Netzwerk, wie es ihre männlichen Kollegen nutzen, muss sie sich als Kommunalpolitikerin erst noch aufbauen. Das ist ein weiteres Ergebnis der Studie.

Frauen als kommunalpolitische Vorbilder - Preisträgerinnen werden zu Mentorinnen

Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass gerade politisch aktive Personen wichtige Anstöße für Frauen liefern, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Die mit dem Helene Weber-Preis ausgezeichneten Frauen sind deshalb durch ihr überzeugendes, authentisches Vorbild ideale Botschafterinnen für mehr Frauen in der Kommunalpolitik - und können einen Schneeballeffekt auslösen: Durch lokale, unkonventionelle Aktionen werben sie um engagierte Mitbürgerinnen und fördern sie als erfahrene Mentorinnen unter anderem im Rahmen des Helene Weber-Kollegs. Ihre Aktivitäten werden auf der Internetseite des Helene Weber-Preises dokumentiert, liefern praktische Tipps und dienen als Anregung für öffentliche, moderierte Online-Diskussionen zu Frauen in der Kommunalpolitik.

Ende 2012 wird außerdem ein Helene Weber-Symposium stattfinden. Die Helene Weber-Preisträgerinnen laden dazu jeweils eine weitere Teilnehmerin ein und treffen hochkarätige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.