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Familienfreundlichkeit der Unternehmen im Vergleich

Das Bundesfamilienministerium hat am 1. Dezember gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln den "Europäischen Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit" veröffentlicht. Die Unternehmensbefragung liefert erstmalig international vergleichbare Ergebnisse zur Verbreitung familienfreundlicher Maßnahmen in mehr als 5.000 Unternehmen in Großbritannien, Frankreich, Polen, Italien, Schweden und Deutschland.

Mutter und Vater, beide bereits für die Arbeit angezogen, frühstücken gemeinsam mit ihren beiden Kindern. Bildquelle: BMFSFJ
Familienfreundlichkeit zahlt sich für Unternehmen aus

Zentrale Ergebnisse: Mehr als 80 Prozent der befragten europäischen Unternehmen betrachten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtig oder eher wichtig für sich und ihre Beschäftigten. Das Engagement schwedischer und britischer Unternehmen für eine familienfreundliche Arbeitswelt ist dabei besonders hoch, gefolgt vom Engagement deutscher Unternehmen. In Frankreich, Polen und Italien ist das Engagement der Geschäftsleitungen schwächer ausgeprägt.

Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Arbeitsorganisation ist in allen sechs Ländern das bevorzugte Instrument der Geschäftsleitungen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Teilzeitbeschäftigung, flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten und individuell ausgehandelte Arbeitszeiten stehen dabei in allen untersuchten Ländern im Vordergrund.

Mit Ausnahme von Deutschland ist die Erfüllung gesetzlicher oder tarifvertraglicher Vorgaben der wichtigste Beweggrund für die Geschäftsleitungen, familienfreundliche Maßnahmen einzuführen. In Deutschland sind die Hauptmotive die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit und die Aussicht auf eine Steigerung der Attraktivität des Unternehmens für Arbeitskräfte, gefolgt von der Hoffnung auf Produktivitätszuwächse. Diese drei Motive spielen auch in den anderen fünf untersuchten Ländern eine große Rolle.

Initiative "Familienbewusste Arbeitszeiten"

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist trotz erkennbarer Verbesserungen nach wie vor ein Kernanliegen der Mütter und Väter in Deutschland. Viele Frauen, speziell Mütter, wollen mehr arbeiten und viele Väter wünschen sich, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren. Viele Potentiale werden nicht genutzt, weil Betreuungsangebote für kleine Kinder und Schulkinder fehlen oder eine Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen nicht gewährleistet ist.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat am 29. Oktober zusammen mit DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann die Initiative "Familienbewusste Arbeitszeiten" ins Leben gerufen. Ziel der gemeinsamen Initiative ist es, Arbeitgeber zu motivieren und dabei zu unterstützen, mehr flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle anzubieten, die Müttern mehr Karrierechancen und Vätern mehr Familienzeit ermöglichen. Die Initiative setzt im Rahmen eines fairen Interessensausgleichs bei den Bedürfnissen von Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen an.

Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stehen zudem vor der Aufgabe, Beruf und Pflege miteinander zu verbinden. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder setzt sich deshalb für die Einführung einer Familienpflegezeit ein und wird gemeinsam mit der Wirtschaft eine Lösung für diejenigen anbieten, die Angehörige pflegen und dennoch erwerbstätig bleiben wollen.

Demografisch bedingt verliert Deutschland jedes Jahr 250.000 bis 300.000 Erwerbspersonen. Diese Lücke kann nur durch einen Maßnahmen-Mix geschlossen werden. Vor allem eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei die Schlüsselstrategie, um Vorsorge gegen den Fachkräftemangel zu treffen und in- wie ausländische Arbeitskräfte zu gewinnen, zu mobilisieren und zu halten.

Familienfreundlichkeit zahlt sich aus

Mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen können Unternehmen

  1. … ihre Arbeitgeberattraktivität deutlich steigern, damit qualifizierte Fachkräfte für sich gewinnen und im Unternehmen halten. Die Bedeutung familienfreundlicher Angebote nimmt immer mehr zu. Schon heute sind sie für 90 Prozent aller Beschäftigten mit Kindern ebenso wichtig oder sogar wichtiger als das Gehalt.
  2. … das Arbeitsvolumen qualifizierter erwerbstätiger Mütter erhöhen: Wenn der Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle und ggf. Unterstützungsangebote bei der Kinderbetreuung bereitstellt und in der Arbeitsorganisation familiäre Belange berücksichtigt, können Mütter auch eine längere Arbeitszeit mit der Familie vereinbaren.
  3. … das bisher ungenutzte Arbeitskräftepotenzial qualifizierter nicht erwerbstätiger Mütter aktivieren. Diese wünschen sich mehrheitlich eine Teilzeitbeschäftigung und benötigen Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf. Durch eine bessere Vereinbarkeit würden z.B. rund 1,2 Millionen nicht erwerbstätige Mütter wieder in das Erwerbsleben eintreten.