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Hintergrund

Im Detail: Familienfreundlichkeit aktiviert Arbeitskräfte

Der "Europäische Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit" - basierend auf einer Befragung aus dem Spätherbst 2009 - zeigt erstmals anhand von international vergleichbaren Zahlen, wie deutsche Unternehmen im Bereich der Familienfreundlichkeit aufgestellt sind. Vor allem bei der Unterstützung bei der Kinderbetreuung und bei der Pflege von älteren Angehörigen schneidet Deutschland gut ab.

Aus den Ergebnissen des Europäischen Unternehmensmonitors lassen sich nicht nur für Deutschland mehrere Schlussfolgerungen ziehen: Zum einen bedingen sich Einstellung und konkretes Engagement gegenseitig - Unternehmen mit einer ausgeprägten familienfreundlichen Haltung sind in allen untersuchten Ländern bei der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiver als andere Betriebe.

Darüber hinaus haben deutsche Unternehmen ein eigenes Interesse an der Einführung von familienfreundlichen Maßnahmen: Im Gegensatz zu den anderen untersuchten Ländern ist in Deutschland das Hauptmotiv zur Einführung familienfreundlicher Maßnahmen die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit, gefolgt von der Aussicht auf eine Steigerung der Attraktivität des Unternehmens für Mitarbeiter und Bewerber. Dies ist der richtige Einstieg, wenn es um die Rekrutierung der besten Köpfe geht.

Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie"

In Deutschland zeigt damit das 2006 ins Leben gerufene Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie" Wirkung: Familienfreundlichkeit ist zu einem breit akzeptierten Thema in Unternehmen aller Größenordnungen geworden. Über 3.000 Unternehmen beteiligen sich inzwischen am zugehörigen Unternehmensnetzwerk.

Deutsche Unternehmen erzielen ein gutes Ergebnis bei der Unterstützung im Bereich Kinder- und Angehörigenbetreuung: Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen (38 Prozent) bieten zwei oder mehr Maßnahmen in diesem Bereich an. Das ist ein wichtiger Ansatz, um die Bindungs- und Willkommenskultur deutscher Unternehmen im Werben um Zuwanderer zu stärken und um die Förderung der Mobilität inländischer Arbeitskräfte zu unterstützen.

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem "Europäischen Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit" im Detail:

  • Familienfreundlichkeit hat einen hohen Stellenwert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf genießt aus Sicht der befragten Unternehmen einen hohen Stellenwert. In allen sechs Ländern sagen mindestens acht von zehn Geschäftsleitungen, dass das Thema Familienfreundlichkeit für das Unternehmen insgesamt und die Belegschaft im Besonderen wichtig oder zumindest eher wichtig ist. In Schweden und dem Vereinigten Königreich wird die Bedeutung einer familienfreundlichen Arbeitswelt im Vergleich zu den anderen Ländern besonders hoch eingeschätzt.
  • Viele Unternehmen weisen eine familienfreundliche Einstellung auf. Gut über einem Drittel (38 Prozent) der Unternehmen in Deutschland kann das Prädikat "Familienfreundlichkeit" ausgestellt werden. Damit liegen deutsche Unternehmen vor Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich (30 Prozent) und Polen (34 Prozent). Spitzenreiter ist Schweden mit 62 Prozent, gefolgt von Italien (55 Prozent) und Frankreich (48 Prozent).
  • Engagement in den Ländern ist unterschiedlich stark. Unternehmen in Schweden und dem Vereinigten Königreich bieten im Vergleich mit Unternehmen aus den anderen untersuchten Staaten die meisten Maßnahmen an, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Auch die deutsche Wirtschaft weist ein starkes Engagement zur Verbesserung der Vereinbarkeit auf. Dagegen ist das Engagement der Geschäftsleitungen in Frankreich, Italien und Polen insgesamt betrachtet schwächer ausgeprägt als hierzulande.
  • Flexible Arbeitszeiten fördern Vereinbarkeit. Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Arbeitsorganisation ist in allen sechs Ländern das bevorzugte Instrument der Geschäftsleitungen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Teilzeitbeschäftigung, flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten und individuell ausgehandelte Arbeitszeiten stehen dabei in allen Untersuchungsländern im Vordergrund. Schwedische und britische Unternehmen bieten insgesamt mehr Maßnahmen im Bereich Arbeitszeitflexibilisierung / flexible Formen der Arbeitsorganisation an als deutsche Vergleichsfirmen, italienische und polnische weniger. Französische Betriebe unterscheiden sich beim Umfang ihres Engagements nicht signifikant von den Unternehmen hierzulande.
  • Förderung während der Elternzeit ist nur in drei Ländern die Regel. In allen sechs Ländern ist es üblich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Ablauf ihrer Elternzeit auf ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Eine umfangreiche Förderung berufstätiger Eltern vor, während und nach der Elternzeit ist in schwedischen und britischen sowie in deutschen Unternehmen zu beobachten. In Frankreich, Italien und Polen ist ein solches Engagement der Betriebe dagegen eher verhalten. Zudem ist dort der Anteil der Unternehmen, die nur wenige oder gar keine Maßnahmen im Bereich Elternzeit / Elternförderung anbieten, außerordentlich hoch.
  • Kinder- und Angehörigenbetreuung ist in allen sechs Ländern ausbaufähig. Die Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kinder- und Angehörigenbetreuung ist in allen sechs Ländern deutlich verhaltener als bei der Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation sowie bei der Elternzeit / Elternförderung. Wenn die Unternehmen aktiv werden, dann vor allem durch die Gewährung von Sonderurlaub über die gesetzlichen Ansprüche hinaus. Dies gilt im Fall kranker Kinder genauso wie bei pflegebedürftigen Angehörigen. Betriebliche Kinderbetreuungsplätze finden sich hingegen lediglich in Einzelfällen. In Deutschland bietet mehr als ein Drittel der Unternehmen (38 Prozent) zwei oder mehr Maßnahmen in diesem Bereich an; das sind deutlich mehr als in Italien, Schweden und Polen.
  • Familienorientierte Dienstleistungsangebote sind eher die Ausnahme. Die Bereitstellung von Dienstleistungen zur Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Haushalts- und Freizeitaktivitäten sowie zur Information und Beratung in rechtlichen Angelegenheiten spielt kaum eine Rolle. Dies gilt für alle Länder, auch wenn in Schweden immerhin ein Fünftel der Betriebe zumindest zwei Formen von Familiendienstleistungen gleichzeitig anbietet.
  • Motive von Unternehmen zur Einführung familienfreundlicher Maßnahmen gleichen sich - nur Deutschland ist ein Sonderfall. Mit Ausnahme von Deutschland ist die Erfüllung gesetzlicher oder tarifvertraglicher Vorgaben der wichtigste Beweggrund für die Geschäftsleitungen, familienfreundliche Maßnahmen einzuführen. In Deutschland ist das Hauptmotiv die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit, gefolgt von der Aussicht auf eine Steigerung der Attraktivität des Unternehmens für Bewerberinnen und Bewerber sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Hoffnung auf Produktivitätszuwächse. Diese drei Motive spielen auch in den anderen fünf untersuchten Ländern eine große Rolle.
  • Familienfreundlichkeit in den Unternehmen trotzt der Krise. Lediglich in Italien hat die wirtschaftliche Krise zu einem Rückgang des familienfreundlichen Engagements der Betriebe geführt. Die Balance zwischen den Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten und Anforderungen des Betriebes stärkt die Robustheit einer familienfreundlichen Personalpolitik in Krisenzeiten.