Hintergrund

Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen

Gleiche Chancen für Frauen und Männer im Lebensverlauf setzen voraus, dass beide Geschlechter ein Leben frei von Gewalt führen können. Gewalt kann Frauen und Männer zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihres Lebenslaufs treffen: in der Kindheit, im Berufsleben, während der Freizeit, in der Partnerschaft oder im Alter. Die Bekämpfung aller Formen von Gewalt gegen Frauen gehört zu den aktuellen und langfristigen Schwerpunkten der Gleichstellungspolitik der Bundesregierung.

Das Bundesfamilienministerium hat entsprechende Studien in Auftrag gegeben, die das – auch im internationalen Vergleich – hohe Ausmaß und die gravierenden Folgen von Gewalt gegen Frauen, insbesondere häuslicher Gewalt, deutlich gemacht haben:

  • 40 Prozent der Frauen haben körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides erlebt
  • Gewalt gegen Frauen wird überwiegend durch Männer und dabei überwiegend durch den Partner und im häuslichen Bereich verübt
  • Rund 25 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen haben Formen körperlicher oder sexueller Gewalt oder beides durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Frauen sind demnach von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung mit Waffen, Wohnungseinbruch oder Raub
  • Zwei Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen haben schwere bis sehr schwere körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlitten. Über ein Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen hat sehr schwere bis lebensbedrohliche Gewalt erlebt
  • Auch in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten sind Frauen in höheren Maß Opfer von Gewalt
  • Gewaltsame Kindheitserfahrungen sind der stärkste Risikofaktor für Frauen, Opfer zu werden: Das Risiko ist doppelt so hoch, wenn Frauen in ihrer Kindheit und Jugend körperliche Auseinandersetzungen zwischen den Eltern miterlebt haben; das Risiko ist dreimal so, wenn sie selbst Opfer von körperlicher Gewalt durch Erziehungspersonen wurden
  • Frauen türkischer Herkunft und Frauen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion haben häufiger als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung Deutschlands körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Die Gewalt ist zum Teil auch schwerwiegender
  • Fast doppelt so viele befragte Frauen mit Behinderungen haben im Erwachsenenalter körperliche Gewalt erlebt als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt. Auch von sexueller Gewalt im Erwachsenenleben waren die behinderten Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt

Schutz, Unterstützung und Begleitung von gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern

Seit mehr als 30 Jahren können Frauen, die mit ihren Kindern eine sichere Zuflucht vor Gewalt sowie fachkundige Beratung bei der Bewältigung der Folgen von Gewalt suchen, auf kompetente Unterstützung und unmittelbaren Schutz im Frauenhaus vertrauen. Frauenhäuser bieten eine sichere Unterkunft an einem geheimen Ort.

Fachberatungsstellen dienen der ambulanten Unterstützung bei Gewalt gegen Frauen: Frauenberatungsstellen, Frauennotrufe, verschiedene zielgruppenspezifisch oder auf bestimmte Gewaltformen spezialisierte Beratungsstellen sowie Interventionsstellen, die nach einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt aktiv mit den Betroffenen Kontakt aufnehmen und ihnen Information und Unterstützung anbieten, haben jeweils eigenständige fachliche Arbeitsschwerpunkte.

Die Bundesregierung hat die Entwicklung, Ausdifferenzierung und Professionalisierung des Unterstützungssystems durch Modellprojekte, Forschungsvorhaben und durch die Förderung der Vernetzung der Hilfsangebote kontinuierlich unterstützt. Mit ihren beiden Aktionsplänen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen 1999 und 2007 hat die Bundesregierung für Deutschland innovative Gesamtkonzepte zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen vorgelegt und umgesetzt.

Das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen"

Die repräsentativen Studien zum Ausmaß von Gewalt gegen Frauen sowie das Gutachten zum Bericht der Bundesregierung zur Situation der Frauenhäuser, Fachberatungsstellen und anderer Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder belegen: Ein großer Teil der Frauen, die körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben, kommen beim bestehenden Hilfesystem nicht oder erst sehr spät an.

Das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" soll daher ab Anfang 2013 das bestehende Netz an Beratungs- und Schutzeinrichtungen ergänzen und den Zugang zur Hilfe und Unterstützung erleichtern. Es wird niedrigschwellige Erstberatung anbieten, damit betroffene Frauen so schnell und so früh wie möglich beraten und zu den professionellen und hochqualifizierten Einrichtungen vor Ort gelotst werden. Es wird rund-um-die-Uhr kostenfrei zu erreichen sein und das Angebot ist mehrsprachig und barrierefrei.