Hintergrund

Berufswahl - eine weichenstellende Entscheidung

Moderne Gleichstellungspolitik konzentriert sich auf das Schaffen neuer Möglichkeiten und muss daher auch das Thema Berufswahl im Blick haben. Denn die Entscheidung für einen Berufs- oder Ausbildungsweg wird von vielen Menschen noch immer geschlechtsspezifisch gesehen.

Jungen denken auch heute noch, dass sie vor allem Geld verdienen müssen um später als Alleinverdiener eine Familie ernähren zu können. Das setzt sie unter Druck und hindert sie daran, sich in erster Linie an ihren Talenten und Interessen zu orientieren. Eine gewichtige Rolle spielt dabei auch, dass bestimmte - vor allem soziale - Berufe, bei Vielen nach wie vor völlig zu Unrecht als "unmännlich" gelten. So schlagen sie Jungen  ohne zu hinterfragen, ob das auch heute noch sinnvoll ist, immer wieder berufliche Wege ein, die schon Väter und Großväter gegangen sind. Einige der für Männer typischen Berufe werden aber in der Zukunft kaum noch gefragt sein. Männer müssen auch nicht mehr der Haupternährer der Familie sein: Frauen haben heute eine gute Ausbildung, sind berufstätig und haben ein eigenes Einkommen.

Junge Frauen berücksichtigen bei der Berufswahl häufig die Frage, wie sie Beruf und Familie vereinbaren können auch im Hinblick auf das Thema Kinderbetreuung. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist jedoch nicht länger nur ein Frauenthema, sondern betrifft Männer genauso.

Im Berufswahlalter führen diese Fragen und die daran geknüpfte Beschränkung auf bestimmte geschlechtsspezifische Berufe Mädchen wie Jungen weg von den eigenen Träumen, Talenten und Interessen. Häufig kommt es dann zu Berufsentscheidungen, die später bedauert werden und auch nicht immer leicht zu korrigieren sind.

Faire Chancen für Frauen und Männer

Lebensläufe von Frauen und Männern weisen Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Männer und Frauen entscheiden beispielsweise als Paare gemeinsam darüber, wer in welcher Lebensphase welche Aufgaben übernimmt. Damit die Chancen- und Risikoverteilung im Leben fair verläuft, müssen Männer und Frauen ihre Chancen und Risiken (er)kennen und gleichberechtigt darüber sprechen. Beides gilt es für junge Menschen zu lernen.

Fragen nach Kinderbetreuung oder der Finanzierung der Familie werden in der Regel nicht alleine, sondern von mindestens zwei Menschen beantwortet. Außerdem stellen sich diese Fragen nicht bereits bei der Berufswahl, sondern meist erst später im Leben. Deshalb geht es auch darum, eine Berufswelt zu gestalten, die jedem - unabhängig vom Geschlecht - Möglichkeiten bietet, sich auch um die Betreuung von Kindern oder Angehörigen zu kümmern.

Mehr Männer in Kitas

Dass eine "geschlechtstypische" Berufswahl nicht länger sinnvoll und notwendig ist, erkennen viele erwachsene Männer. Dazu gehören die fast 1000 Männer, die seit Beginn der vom Bundesfamilienministerium gestarteten Initiative "Mehr Männer in Kitas" Interesse angemeldet haben, ihren Beruf zu wechseln und Erzieher zu werden. Meist sind das Männer zwischen 30 und 40 Jahren, die positive Erfahrungen mit Kindern gesammelt haben. Dabei haben sie gemerkt, dass die pädagogische Arbeit mit Kindern anspruchsvoll, herausfordernd und kreativ ist und Kinder ihre Wertschätzung für den Einsatz zeigen