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Hintergrund

Im Detail: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Der Bedarf nach einer familienbewussten Arbeitszeitgestaltung ist bei Müttern und Vätern gleichermaßen groß. 96 Prozent der Eltern wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten und für 90 Prozent der Eltern ist Familienfreundlichkeit bei der Arbeitgeberwahl mindestens genauso wichtig wie das Gehalt. Mehr als drei Viertel der jungen Beschäftigten würden für mehr Familienfreundlichkeit sogar den Arbeitgeber wechseln. Auch Beschäftigte, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, sind auf flexible Arbeitszeitmodelle angewiesen.

65 Prozent der Berufstätigen wollen ihre Angehörigen so weit wie möglich selbst betreuen, stoßen dabei aber häufig noch auf große Schwierigkeiten. Für 79 Prozent lassen sich Beruf und Pflege bisher nicht gut vereinbaren. Flexible Arbeitszeitmodelle, zu denen auch flexible Pausenregelungen für Arztbesuche oder kurzfristige Freistellungsmöglichkeiten gehören, können in dieser Situation viel helfen.

Reale und ideale Arbeitszeiten

Nur etwa ein Drittel aller Eltern sind gegenwärtig mit ihren Arbeitszeiten zufrieden. Vor allem Lösungen jenseits klassischer Halbtagsjobs sind gefragt. Viele Väter würden gern einige Stunden weniger arbeiten, Mütter mir geringer Teilzeit würden gerne aufstocken. Fast zwei Drittel aller Berufstätigen möchten ihren Angehörigen im Pflegefall selbst betreuen und brauchen dafür flexible Arbeitszeitarrangements.

Der aktuelle Monitor Familienleben, den das Institut für Demoskopie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erarbeitet hat, liefert genaue Erkenntnisse über Arbeitszeitwünsche und -realitäten in Deutschland: 60 Prozent der Väter und 41 Prozent der Mütter würden gerne etwas weniger Stunden in der Woche arbeiten, um Zeit für Familie zu gewinnen. 36 bis 40 Wochenstunden sehen 53 Prozent der berufstätigen Väter mit Kindern unter 18 Jahren als ideal an, 30 bis 35 Wochenstunden sind für 19 Prozent wünschenswert. Die Realität sieht derzeit noch anders aus: Ein Drittel arbeiten 41 bis unter 50 Stunden, ein Viertel sogar 50 Wochenstunden und mehr.

Berufstätige Mütter mit Kindern unter 18 Jahren bewegen sich mit ihren Arbeitszeitwünschen zum großen Teil im Bereich einer vollzeitnahen Teilzeitbeschäftigung. 34 Prozent wünschen eine Wochenarbeitszeit von 20 bis unter 30 Stunden, für 23 Prozent sind 30 bis 35 Prozent ideal und 18 Prozent bevorzugen 36 bis 40 Stunden. Damit liegt die ideale Wochenarbeitszeit für mehr als zwei Drittel der Mütter bei mehr als 20 Wochenstunden.

Wettbewerb um die besten Köpfe

Auch für die Unternehmen ist es angesichts der demografischen Herausforderungen sinnvoll, mit einer familienfreundlichen Personalpolitik in die nachhaltige Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren. Innovative Arbeitszeitmodelle sind dabei ein wichtiges Instrument für Betriebe, um das Potenzial qualifizierter Fachkräfte optimal zu nutzen und sich in Zeiten des Fachkräftemangels als attraktive Arbeitgeber zu positionieren.

Zwar bietet die Mehrzahl der Unternehmen in Deutschland bereits flexible Arbeitszeiten an, oft sind diese aber nicht familienfreundlich. Dies trägt dazu bei, dass sich viele Eltern ständiger Zeitnot ausgesetzt fühlen. Ziel der Initiative ist es daher, ein intelligentes und modernes Verständnis zum Thema Arbeitszeiten zu schaffen unter der neuen Perspektive "flexibel und familienfreundlich". Dabei geht es sowohl um die Verantwortung für Kinder als auch für ältere Angehörige. Vollzeitnahe Teilzeitstellen mit 30 bis 35 Wochenstunden spielen dabei eine besondere Rolle, da sie den Wünschen vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsprechen und auch für qualifizierte Fach- und Führungskräfte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.

In die Initiative fließen die Erfahrungen der über 3.000 Unternehmen ein, die Mitglied im Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" sind und sich zu einer familienfreundlichen Personalpolitik bekennen. Im Sinne eines fairen Interessensausgleichs setzt die Initiative bei den Bedürfnissen von Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen an:

  • Eine Datenbank auf www.erfolgsfaktor-familie.de gibt mit über 100 Beispielen von Arbeitgebern und Beschäftigten aus Unternehmen aller Größen und Branchen einen Überblick, wie flexible Arbeitszeitmodelle in der Praxis funktionieren.
  • Konkrete Hilfestellungen bietet der Leitfaden "Familienbewusste Arbeitszeiten". Neben anschaulichen Tipps für die Einführung familienbewusster Arbeitszeiten zeigt er anhand von zehn Unternehmensporträts und Interviews von Personalverantwortlichen, worauf es bei der Einführung flexibler und familienbewusster Arbeitszeitmodelle ankommt und wie diese bereits in Unternehmen genutzt werden.
  • In den kommenden Monaten wird Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder verschiedene Industrie- und Handelskammern in ganz Deutschland besuchen, um dort mit Unternehmen über das Thema Arbeitszeiten zu diskutieren. Begleitend dazu wird das Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ in Kooperation mit regionalen Partnern Fachveranstaltungen anbieten, bei denen sich Betriebe über die Umsetzung von flexiblen Arbeitszeitmodellen informieren und austauschen können.