V. Familie im Kontext
Familie steht in Zusammenhang mit materiellen, sozialen und psychischen Ressourcen. Zu den wichtigsten Ressourcen von Familien gehören Bildung, Gesundheit, Zeit, Sozialkapital, Wohnen und Einkommen. Bei den vielfältigen Ressourcen, über die Familien verfügen, zeigt sich, dass eine Kumulation in der Verfügbarkeit über Ressourcen stattfindet. Bei Personen, die sowohl über gute monetäre Ressourcen verfügen, ist auch eine überdurchschnittliche Verfügbarkeit bei anderen Ressourcen festzustellen. Mit zunehmendem Humanvermögen nehmen Personen mehr Ressourcen in Anspruch. Die Vielfalt von Ressourcen, über die Familien verfügen bzw. an deren Herstellung sie sich beteiligen, zeigt aber auch, dass Familien bei der Bereitstellung von Ressourcen Unterstützung brauchen.
Eine stetig steigende Zahl von Familienhaushalten in Deutschland muss ihren Alltag in prekären Einkommenslagen gestalten. Überdurchschnittlich vom Armutsrisiko betroffen sind allein erziehende Mütter und ihre Kinder. Eine wesentliche Ursache dafür liegt in ihrer überproportionalen Betroffenheit von Erwerbslosigkeit. Für die Sozialisation der heranwachsenden Generation bedeutet das oftmals einen weit gehenden Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe und Chancengleichheit.
Die demografischen Entwicklungen haben zu erheblichen demografischen Differenzierungen zwischen einzelnen Teilen und Regionen geführt. Geringe Geburtenraten verursachen zu kleine Geburtskohorten, in deren Folge die vorhandene Infrastruktur der Gemeinden zu groß ist und angepasst werden muss. Durch Abwanderung verschärfen sich diese Probleme zusätzlich und bleiben so lange bestehen, bis Anpassungen vollzogen sind. Die Entwicklungen in den großen urbanen Zentren Deutschlands sind für die Zukunft von besonderer Bedeutung, denn heute leben fast 90% der deutschen Bevölkerung in urbanen Regionen. Der Rückgang insbesondere der Drei- und Mehr-Kinder-Familien in den ländlichen Regionen, der als wesentliche Ursache für den Geburtenrückgang in Deutschland anzusehen ist, hat erhebliche Konsequenzen für die großen Stadtregionen. Denn die Verkleinerung der Geburtskohorten vermindert auch das Zuwanderungspotenzial junger Erwachsener in die urbanen Zentren.
Die Städte, die sich bemühen, Familien in ihrem Gebiet zu halten, können darauf bauen, dass diese ein erhebliches Sozialkapital zur Verfügung stellen. Eine familienfreundliche Stadtpolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sie für Familien notwendige Rahmenbedingungen optimiert und entsprechende Aktivitäten miteinander vernetzt. Als gelungenes Beispiel für die Umsetzung von flächendeckenden Veränderungsprozessen dieser Art gilt die Initiative "Lokale Bündnisse für Familie".
Gliederung des Kapitels
V.1. Familie und ihre Ressourcen
V.2. Besonderheiten von Familien in prekären Lebenslagen
V.3. Demografische Vielfalt und Entwicklungsperspektiven von Familien
V.4. Stadt-Familien: Familie und Stadt
V.5. Kinder, Nachbarschaft, familiale Ressourcen und städtische Entwicklung
V.6. Wer investiert und wer hat welchen Ertrag?
