Grafik: 7. Familienbericht

I. Akzentuierungen:
Ökonomie, Fürsorge, Geschlechterpartizipation - Eckpunkte der Betrachtung von Familie

Familie ist sowohl Institution als auch alltägliche Lebensform, und stets auch Assoziationsrahmen für Gefühle. Familie ist Produzentin gemeinsamer Güter und privates soziales Netz besonderer Qualität. Familien schaffen "gemeinsame Güter": durch die Geburt und die Erziehung der Kinder, womit sie zur Bildung des Humanvermögens beitragen, und durch die Fürsorge für andere, insbesondere für die ältere Generation. Die gemeinsamen Güter entstehen im privaten Kontext, nutzen aber letztlich der ganzen Gesellschaft und jedem Einzelnen. Diese Leistungen erbringen Familien nicht nur aus sich selbst heraus. Familien sind in andere soziale Netzwerke eingebettet, wie Verwandtschaft, Nachbarschaft und andere, die gleichsam Grundlage dafür sind, dass Familien gemeinsame Güter produzieren können.

Familie wird durch ihre Mitglieder gestaltet und entwickelt sich mit den sich wandelnden Lebensläufen ihrer Mitglieder. Die Balance zwischen Bildungs- und Berufsverläufen einerseits und der Entwicklung von Familienbeziehungen andererseits ist ebenso kompliziert geworden, wie die alltägliche Organisation von Erwerbsarbeit und Fürsorge. Familie ist keine unerschöpfliche Ressource. Kinder werden immer knapper, für Fürsorge bleibt immer weniger Zeit. Tiefgreifende Veränderungen der Lebensläufe der Mitglieder von Familien, veränderte Zeitstrukturen in der Arbeitswelt, die Ausdifferenzierung der Lebensumwelt von Familien, die Vielfalt familialer Lebensformen unterschiedlicher Kulturen und die Neudefinition der Generationenverhältnisse machen eine neue Balance zwischen den Familienmitgliedern, familialen Lebensformen, Nachbarschaften, der Arbeitswelt und der Gesellschaft nötig. Gefragt sind neue Konzepte der Verknüpfung von Bildung, Beruf, Partnerschaft, Elternschaft und Solidarität für die ältere Generation.

Weil Lebensperspektiven mit dem Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft ebenso unsicher geworden sind, wie die traditionellen Rollenvorstellungen, sind in Familien andere Strategien der Lebensbewältigung gefordert. Die Partizipation aller Familienmitglieder in allen Lebensbereichen und neue Geschlechterbeziehungen sind Voraussetzung für Familien, die für die Gesellschaft notwendigen gemeinsamen Güter herzustellen.

Gliederung des Kapitels
I.1. Gemeinsame und private Güter
I.2. Familie und Wandel: Familie aus der Perspektive des Lebenslaufs ihrer Mitglieder
I.3. Chancen und Zwänge: Zeitorganisation
I.4. Balance im Lebenslauf
I.5. Integration: Familie und Kontext
I.6. Innerfamiliale Dynamiken
I.7. Internationale Kontrastierung
I.8. Perspektivenverschränkung: Vom Blick auf Familie als privatem Lebensraum zum Blick auf Chancenverwobenheit

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