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Vorwort

Die vorliegende Publikation ist der vierte "Zahlenspiegel", mit dem das Deutsche Jugendinstitut (DJI) seit 1993 auf der Grundlage der jeweils aktuellen Kinder­und Jugendhilfestatistik differenzierte Informationen und Analysen zum Angebot von Kindertageseinrichtungen, zu Betreuungsquoten, Personal und Trägerschaft sowie zu den rechtlichen Grundlagen der Kindertagesbetreuung in Deutschland, aber auch in den verschiedenen Bundesländern veröffentlicht. Zentrale Grundlage hierfür sind die Erhebungsergebnisse aus der amtlichen Kinder-und Jugendhilfestatistik - Tageseinrichtungen für Kinder vom 31.12.2002 und die Ausgaben und Einnahmen für Tageseinrichtungen für das Haushaltsjahr 2003.

Weitere Datenquellen sind Ergebnisse aus dem DJI-Projekt "Jugendhilfe und sozialer Wandel" und dem Familiensurvey des DJI sowie aus dem Soziooekonomischen Panel, die für die Darstellung der Situation speziell im Bereich der Tagespflege herangezogen wurden, weil dieses Angebot in der amtlichen Statistik bisher nur sehr unbefriedigend erfasst wird. Außerdem wurden Berechnungen mit den Daten des Mikrozensus aus dem Jahr 2002 durchgeführt, um auch Aussagen über die Kinder und Familien machen zu können, welche die Kindertagesbetreuung nutzen bzw. ihr fernbleiben und um den Bedarf an Plätzen abzuschätzen. Als Lesehilfe sei darauf hingewiesen, dass der Bericht so aufgebaut ist, dass die einzelnen Kapitel unabhängig voneinander gelesen werden können.

Anders als die früheren Ausgaben des Zahlenspiegels ist diese Veröffentlichung das Ergebnis einer engen Kooperation zwischen dem Deutschen Jugendinstitut und der Arbeitsstelle Kinder-und Jugendhilfestatistik an der Universität Dortmund. Die Daten aus der Amtsstatistik wurden in Dortmund aufbereitet, mit Ausnahme der Darstellung regionaler Differenzierungen, die aus der Regionaldatenbank des DJI entnommen wurden. Ebenso wurden die Analysen des Mikrozensus und die Kapitel zu den Ausgaben sowie in großen Teilen auch zur Analyse des Platzbedarfs in Dortmund erarbeitet. Beim DJI lag die Arbeit der Kommentierung und Interpretation der gesamten Daten aus der Kinder-und Jugendhilfestatistik, die Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse aus der Jugendamtsbefragung für die Bedarfsanalyse und die Ausführungen zur Tagespflege. Diese Kooperation, die für alle Beteiligten außerordentlich erfreulich verlief und viele Anregungen brachte, hat sich auch positiv auf das bearbeitete Themenspektrum und die Differenziertheit der Analysen ausgewirkt.

Besonders ausführlich ist in diesem Zahlenspiegel das Kapitel zu den rechtlichen Grundlagen der Kindertagesbetreuung ausgefallen, für das wir Roger Prott als Autor gewinnen konnten. Damit soll den erheblichen Veränderungen der rechtlichen Grundlagen der Kindertagesbetreuung Rechnung getragen werden, die sowohl auf Länder - als auch auf Bundesebene in jüngster Zeit vollzogen wurden. Stichworte dafür sind mit Blick auf die Länder Deregulierungstendenzen und unterschiedliche Formen der Umstellung der öffentlichen Förderung von einer Finanzierung der Bereitstellung von Plätzen (Objektfinanzierung) zu einer Finanzierung von Anwesenheitszeiten von Kindern (Subjektfinanzierung). Die wichtigste Neuerung auf Bundesebene ist die Änderung des SGB VIII durch das Tagesbetreuungsausbaugesetzes (in Kraft getreten am 01.01.2005), das u.a. darauf zielt, das Angebot für Kinder unter 3 Jahren in den westlichen Bundesländern deutlich auszuweiten.

Erstmals enthält der Zahlenspiegel ein eigenes Kapitel über die Ausgaben für Tageseinrichtungen für Kinder. Die besondere Schwierigkeit dieser Analysen liegt darin begründet, dass in den Rechnungsergebnissen der kommunalen und staatlichen Haushalte nur die Ausgaben der öffentlichen Hand, aber nicht die Eigenanteile der Träger der freien Jugendhilfe und nicht sämtliche Elternbeiträge nachgewiesen werden. Um ein vollständiges Bild des immer wichtiger werdenden Themas der Ausgabenbelastungen in Zeiten knapper öffentlicher Kassen vornehmen zu können, müssen verschiedene Ergänzungen und Schätzungen vorgenom­men werden.

Differenzierter als bisher sind auch die Analysen, die anhand der Daten des Mikrozensus durchgeführt werden konnten. Hintergrund ist, dass inzwischen mit dem "Scientific Use File" ein wesentlich aussagekräftigerer Datensatz für die Wissenschaft zur Verfügung steht. Das erlaubt zum einen genauere Aussagen über die Nutzer bzw. Nicht-Nutzer von Angeboten. Zum anderen sind die nun verfügbaren Angaben, etwa über den Umfang der Arbeitszeit von Eltern, eine wichtige Grundlage für Bedarfsschätzungen. Weil gerade dieses Thema angesichts des anstehenden Ausbaus von Plätzen besonders aktuell ist, haben wir ihm ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem über die Analysen des Mikrozensus und die Umfrage bei Jugendämtern hinaus die Ergebnisse weiterer Bedarfsuntersuchungen dargestellt und diskutiert werden.

Eine Veröffentlichung wie dieser Zahlenspiegel ist eine Arbeit, an der viele Personen beteiligt sind und bei der die namentlich genannten Autorinnen und Autoren jeweils auch über die von ihnen verantworteten Texte hinaus in unterschiedlicher Weise zum Gelingen beigetragen haben. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle bedanken. Darüber hinaus gilt unser Dank aber auch dem Land Brandenburg und hier vor allem Detlef Diskowski, der uns mit fachlichen Hinweisen unterstützte und die Erlaubnis erwirkte, die im Internetangebot von Brandenburg enthaltenen Übersichten über rechtliche und finanzielle Regelungen zu Kindertageseinrichtungen und der Tagespflege zu übernehmen. Ebenso gilt un­ser Dank Franz Hamburger, der das gesamte Manuskript durchgeschaut und uns wichtige Anregungen für diesen Zahlenspiegel gegeben hat.

Hans Rudolf Leu
Matthias Schilling