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Einleitung

Über das Projekt "Sozialpädagogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland" 

Das vorliegende Handbuch stellt die Ergebnisse des Projektes "Sozialpädagogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland" (1.1.1994 - 31.12.1997) dar. Mit Sozialpädagogischer Familienhilfe (SPFH) werden meist kinderreiche Familien in gravierenden Unterversorgungslagen (Bildung, Arbeit, Wohnung, Finanzen usw.) unterstützt, die Schwierigkeiten in vielen Lebensbereichen haben. Anlaß für diese Hilfe zur Erziehung nach § 31 SGB VIII ist ein erzieherischer Bedarf, wenn die zum Wohl eines Kindes/Jugendlichen entsprechende Erziehung in dessen Familie nicht gewährleistet werden kann.

Obwohl Sozialpädagogische Familienhilfe einige fachliche und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren und in der Jugendhilfe eine große Bedeutung gewonnen hat, gab es bislang keine Publikation, die einen geschlossenen konzeptionellen Rahmen bereitstellt und umfassende Informationen zu den verschiedenen Fragestellungen im Kontext der SPFH gibt. Aufgabe des im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführten DJI-Projektes "Sozialpädagogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland" war es folglich, auf der Basis neuerer Daten, vertiefter Praxiskontakte und von Erkenntnissen aus einer Reihe von Disseminationen mit der Erstellung eines Handbuches zur SPFH einen grundlegenden Beitrag zur Sicherung von fachlich‑methodischen Standards und von erforderlichen organisatorisch‑materiellen, personellen und kooperativen Arbeitsvoraussetzungen zu leisten durch

  • Aufarbeitung vorliegender schriftlicher Erfahrungen und Informationen (Forschungsberichte, Aufsätze, Projektberichte)

  • Kooperation mit Experten und Fachkräften, die in unterschiedlichen Funktionen mit der Sozialpädagogischen Familienhilfe befaßt sind: Ortsbesuche, Projektbeirat, Vergabe von Expertisen

  • Durchführung eigener Forschungen zu den Bereichen:
    a. Hilfeplanprozesse nach § 36 KJHG
    b. Ansätze, Modelle und Methoden der SPFH
    c. Entwicklung und Erprobung eines Instrumentes zur Selbstevaluation
    d. SPFH aus der Perspektive der betroffenen Familien.

Das Projekt war ein entwicklungsorientiertes Praxisforschungsprojekt, in dem auf qualitativer Ebene mit einem methodenpluralistischen Ansatz versucht wurde, das umfassende und komplexe Feld der SPFH zu "umkreisen" und zu beschreiben: komplex ist dieses Feld insofern, als es sowohl um die vielschichtigen inneren und außerfamilialen Beziehungen der Familien geht als auch um die verflochtenen örtlichen Strukturen der Jugendhilfe. Dementsprechend gehört es zur Projektarbeit, Kooperationen mit unterschiedlichen Funktionsebenen als auch unterschiedlichen Modellen/Projekten von SPFH zu suchen. Wir wollten strukturelle Zusammenhänge herausarbeiten und ein genaueres Bild darüber gewinnen, was im Feld der Sozialpädagogischen Familienhilfe vor sich geht. Es galt, diese Hilfe in ihren personalen, sozialen und sozialökologischen Bezügen und Verflechtungen aufzuzeigen. Aus der Rekonstruktion und Beschreibung der vorgefundenen Praxis sollte im zweiten Schritt benannt werden, wie ein Erfolg dieser Hilfe aussieht und was die Bedingungen sind, unter denen Sozialpädagogische Familienhilfe vermutlich effektiv und erfolgreich arbeitet. Dieses haben wir abgeleitet aus den sich gegenseitig korrigierenden Sichtweisen und Einschätzungen der verschiedenen beteiligten Subjekte und daraus, wie sie aus ihren Sichtweisen Handlungen entwickeln, und dieses in bezug gesetzt zu normativen Kriterien bspw. im KJHG.

Methoden der Datensammlung (nach Flick 1995, S. 159):  

Die dem Handbuch zugrunde liegenden Daten und Informationen wurden mittels der folgenden Arbeitsformen erhoben:

  • Round-table-Gespräche und Interviews mit Fachkräften der SPFH, BezirkssozialarbeiterInnen und TrägervertreterInnen bei Ortsbesuchen; Sichtung exemplarischer Modelle von SPFH in den alten und neuen Bundesländern: Berlin Ost und West (Bezirksämter Kreuzberg, Lichtenberg, Berlin-Mitte; verschiedene freie Träger), Dachau, Dresden, Erfurt, Kronach, Mannheim, Schwerin, Jarmen, Heidelberg und Trier

  • Teilnehmende Beobachtung bei Hilfeplangesprächen (München, Dachau)

  • Teilnehmende Beobachtung bei Fallbegleitungen zur Erforschung von Prozeßverläufen und methodischen Vorgehensweisen

  • Teilstrukturierte Einzelinterviews mit Fachkräften der Sozialpädagogischen Familienhilfe (Rekonstruktion von Fallverläufen und exemplarische Einzelfallanalysen)

  • Leitfaden-Interviews mit Familien, die SPFH erhalten haben

  • Gespräche und Tagungen mit ExpertInnen (Gruppendiskussionen)

  • Teilnahme an einer Familienfreizeit der SPFH (Erfurt)

  • Entwicklung und Erprobung eines Instruments zur Selbstevaluation in der Sozialpädagogischen Familienhilfe gemeinsam mit Fachkräften der SPFH, wobei das Instrument gleichzeitig ein Erhebungsinstrument war, da wir Fallverläufe erhielten von Fachkräften, die die Bögen für ihre Arbeit in bestimmten Familien ausfüllten.

  • Auswertung der öffentlichen Jugendhilfestatistik hinsichtlich Sozialpädagogischer Familienhilfe




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