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16.2 Saarbrücken: Integrative Familienhilfe (Teilstationäre Arbeit mit Familien)

Im Rahmen des therapeutischen Kinder- und Jugendheimes Margaretenstift in Saarbrücken wurde die Idee einer teilstationären Betreuung von Familien entwickelt. Das Margaretenstift "startete 1975 als modellhafte Einrichtung im Rahmen der Heimerziehung mit der Idee, Heimunterbringungen als lediglich befristete Maßnahmen zu begreifen, die auf die möglichst schnelle Reintegration der ausgegrenzten Kinder ins Herkunftsmilieu abzielen." (Caritas Jugendhilfeeinrichtung Margaretenstift 1995, S. 23). Das bedeutete die Entwicklung einer intensiven Elternarbeit als auch ein Angebot, daß ambulante, stationäre und teilstationäre Hilfen enthält; " ... hierbei zielt unser systemischer Arbeitsansatz auf die möglichst intensive, partnerschaftlich orientierte Einbindung des Herkunftssystems." (ebd.). Je besser der Einbezug der Familien in den Hilfeprozeß gelingt, desto erfolgreicher ist die pädagogisch-therapeutische Arbeit mit den Kindern, so die Erfahrung des Margaretenstiftes. Aus diesem Grund wurde ein neuer Hilfeansatz entwickelt, dessen Ziel es ist, stationäre Aufenthalte von ganzen Familien und ambulante Betreuung so zu verbinden, daß mit den familiären Systemen sehr intensiv gearbeitet werden kann und Kinder nicht mehr ausgegrenzt werden müssen bzw. bereits ausgegrenzte Kinder reintegriert werden können. Insbesonders geht es also um Familien, "die nach oftmals zahllosen eigenen Versuchen nicht mehr weiter wissen und vor der Alternative stehen, die Verantwortung für ihre Kinder ganz oder vorübergehend an professionelle HelferInnen abzugeben." (Konzept der Integrativen Familienhilfe, Stand 9/96). Aus den Erfahrungen der Kontakte mit holländischen Projekten und einem schwedischen Projekt, die stationär bzw. teilstationär mit Familien arbeiten (vgl. dazu Beier/Zimmer 1993; Zimmer/ Hahnen/ Beier 1994), wurde ein Konzept entwickelt, in dessen Mittelpunkt die Arbeit mit einer Gruppe von Familien besteht, die sich in extrem belasteten Lebenssituationen befinden. "In einer Gruppe mit anderen Familien in ähnlichen Lebenslagen bietet IF (Integrative Familienhilfe) den Eltern und ihren Kindern die Chance, neue Möglichkeiten bei sich und anderen zu entdecken und sich in einer geschützten Atmosphäre in neuen Verhaltensweisen zu üben. Jede Familie gestaltet den Gruppenprozeß aktiv mit. In der Gruppe Akzeptanz, Wertschätzung, Entlastung, aber auch Herausforderungen durch andere Familien zu erleben, schafft die Basis, um lebenswerte Perspektiven gemeinsam zu entwickeln. Hierbei werden die Familien von vier FamilienbegleiterInnen (zwei Frauen, zwei Männer) unterstützt und beraten. Jeder Familie wird ein(e) FamilienbegleiterIn fest zugeordnet. Sie/er hilft der Familie, die neuen Möglichkeiten im familiären Alltag erfolgreich umzusetzen und hierbei die Bedingungen der eigenen Lebenswelt zu nutzen." (Konzept der IF, Stand 9/96). Die Maßnahme ist grundsätzlich auf ein halbes Jahr begrenzt und gliedert sich in vier Teile von jeweils sechs Wochen: "Jede Familie wird für ein halbes Jahr zu einem festen, wesentlichen Bestandteil dieser Gruppe und übernimmt in diesem Zusammenhang eine Subjekt- und Objektrolle gleichzeitig; aus diesem Handlungszusammenhang heraus ergibt sich zwangsläufig eine Gruppendynamik, die bewußt eingesetzt wird ..." (Caritas Jugendhilfeeinrichtung Margaretenstift 1995, S. 32). Das Handlungsgerüst der Integrativen Familienhilfe beruht also auf Gruppenarbeit, mit der folgende Wirkungen erzielt werden sollen:

  • "Familien treten in Interaktion;

  • Abgrenzung und Definition des eigenen Familienystems - Familienidentität;

  • Gruppenprozeß schafft Voraussetzung zu gelungenem Alltagserleben;

  • Gruppe als Lernort;

  • Relativierung der eigenen Problemlage;

  • Gruppe als 'Schnellkochtopf", (d.h. die Gruppe bringt Probleme schneller zum Ausdruck);

  • Möglichkeit für Familien, Solidarität zu erleben;

  • Möglichkeit für Eltern, sich in Verantwortung für andere Gruppenmitglieder erziehungskompetent, strukturiert und konsequent zu erleben." (ebd. S. 46).

Der Verlauf der Maßnahme ist wie folgt gegliedert:

"1. Woche
Von Sonntagnachmittag bis Samstagmorgen lebt die Familie mit den anderen Familien in einer Gruppe zusammen im Projektgebäude. Mit Rücksicht auf familienindividuelle Belange kann und soll die Familie auch in dieser Zeit ihre Lebensweltbezüge aufrechterhalten (Arbeit, Vereine, Besuche von Verwandten etc.). Diese stationäre Arbeit dient zunächst der Intensivierung der Kontakte und bietet alle sechs Wochen unter ähnlichen Bedingungen die Möglichkeit, familiäre Veränderungen erfahrbar zu machen. Dabei können die Familienmitglieder erfahren, wie entlastend und wohltuend das Ablegen alter und das Ausprobieren neuer Rollen sein kann, sie können sich als mitgestaltende Frauen, Männer, Mädchen und Jungen im Alltag des Projektes erleben, wenn es um den Aufbau tragfähiger Beziehungen untereinander sowie mit ihren FamilienbegleiterInnen geht. Dieses und vieles mehr schafft einen Sicherheit bietenden Gruppenrahmen für eine positive Selbsterfahrung und Weiterentwicklung der Familien.
2. bis 6. Woche
In dieser Zeit trifft sich die Familie zweimal pro Woche für einen Tag mit den anderen Familien im Projektgebäude. Hier ist der notwendige Raum für die alltäglichen Erfordernisse wie Hausaufgaben, Einkauf u.ä. sowie die Freizeitgestaltung (Ausflüge u.ä.) gegeben. In dieser teilstationären Phase finden regelmäßig themenorientierte Elterngruppen sowie Selbsterfahrungsgruppen statt. Mindestens einmal wöchentlich unterstützt der/die FamilienbegleiterIn die Familie ambulant in ihrem Haushalt bzw. in ihrem sozialen Umfeld bei der Umsetzung einzelner geplanter Schritte. Prinzipiell kann ein(e) FamilienbegleiterIn zur Weiterführung und Stabilisierung eine maximal halbjährige ambulante Nachbehandlung für die Familie anbieten, wenn alle Beteiligten - einschließlich Jugendamt - dies für sinnvoll und erforderlich erachten." (Konzept IF, Stand 9/96).




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