Untersuchung „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“
Es wurde eine breite Spanne von haupt- und nebenberuflich tätigen Prostituierten erreicht. Die Befragten verfügten über zum Teil langjährige und vielfältige Erfahrungen in der Prostitution.
Der Informationsstand über das ProstG als solches war erstaunlich hoch. Das Wissen über die mit dem Gesetz verbundenen Möglichkeiten war jedoch nicht so stark ausgeprägt. Am bekanntesten waren die Aspekte, die sich unmittelbar auf die Arbeitssituation in der Prostitution bezogen wie die Möglichkeiten, in eine gesetzliche Krankenkasse aufgenommen zu werden, einen Arbeitsvertrag als Prostituierte abschließen und somit sozial- und rentenversicherungspflichtig arbeiten zu können sowie einen zahlungsunwilligen Kunden verklagen zu können. Die Informationen zum ProstG wurden vorrangig von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Beratungsstellen sowie über Kolleginnen und Kollegen, aber auch über Printmedien und Informationsmaterial zum Gesetz bezogen.
Einen anderen Umgang seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Behörden und Ämtern innerhalb der letzten zwei Jahre bemerkte nur ein kleiner Teil der Befragten. Es wurde zwar eher ein freundlicherer Umgang festgestellt, etliche empfanden ihre Behandlung auf Ämtern und Behörden jedoch als schlechter und fühlten sich nach wie vor diskriminiert.
Ein Teil der Befragten sah durch das ProstG durchaus Verbesserungen für ihre berufliche Zukunft in der Prostitution. Die Möglichkeiten, auf den eigenen Rechten zu bestehen, wurden deutlich besser eingeschätzt als die, die an den allgemeinen Arbeitsmarkt gekoppelt sind. Die Chancen für einen Ausstieg bzw. einen beruflichen Wechsel sowie Umschulungs-, Qualifizierungs- und Ausbildungsmöglichkeiten wurden eher skeptisch beurteilt. Viele konnten es jedoch nicht einschätzen, wie sich ihre Situation verändern wird. Auch diejenigen, die bei den einzelnen Möglichkeiten keine Antwort gaben, müssen eher zu denen gerechnet werden, die nicht einschätzen können, welche Auswirkungen das ProstG auf ihre Zukunft in der Prostitution hat.
Die weitaus meisten Befragten begrüßten die Existenz des ProstG und erhofften sich davon (weitere) Verbesserungen für ihre Situation. Die Mehrheit hatte jedoch noch keine Auswirkungen des Gesetzes festgestellt. Auch Befragte, die skeptisch waren oder die mit dem Gesetz verbundenen Möglichkeiten aus unterschiedlichen Gründen selbst nicht (mehr) nutzen würden, begrüßten das Gesetz als solches. Nur ein kleiner Teil hielt das ProstG für überflüssig oder sprach sich dezidiert dagegen aus.
Die Erwartungen an das ProstG waren vielfältig. Vorrang hatte für die Befragten die Entdiskriminierung und Akzeptanz von Prostituierten sowie die berufliche Anerkennung bzw. Gleichbehandlung der Prostitution mit anderen Berufen. Erhofft wurden aber auch generelle Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen, eine bessere soziale Absicherung sowie teilweise sehr konkrete Verbesserungen der eigenen Arbeitssituation. Nur wenige Befragte hatten keine Erwartungen an das ProstG oder lehnten es ausdrücklich ab.