Untersuchung „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“
An ein Prostitutionsgesetz wurden vielfältige Erwartungen geknüpft. Sowohl schriftlich1 als auch persönlich Befragte äußerten eine breite Palette von Wünschen und Hoffnungen, vorrangig die gesellschaftliche Anerkennung der Prostitution, allgemeine Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber auch konkrete Verbesserungen des Arbeitsfeldes Prostitution. Nur sehr wenige hatten keine Erwartungen oder äußerten sich dezidiert ablehnend.
Entdiskriminierung, Akzeptanz und Berufsanerkennung
Die meisten schriftlich Befragten erwarteten die Entdiskriminierung von Prostituierten auf allen gesellschaftlichen Ebenen.2 Erhofft wurden Akzeptanz, Gerechtigkeit und Gleichbehandlung ebenso wie die volle berufliche Anerkennung:
Akzeptanz, gesellschaftliche Anerkennung und Berufsanerkennung hatte auch für die persönlich Befragten Priorität.
Entdiskriminierung bedeutete auch Entkriminalisierung des „Milieus“.
Um die mit dem ProstG erhoffte Entdiskriminierung von Prostituierten weiter zu befördern, wurden zusätzliche Maßnahmen wie ein Anti-Diskriminierungsgesetz mit konkreten Regelungen zur Gleichstellung von Prostituierten sowie Gleichstellungsbeauftragte für Prostituierte erforderlich gehalten.
Als Folge der mangelnden Anerkennung der Prostitution und gesellschaftlichen Diskriminierung von Prostituierten führen viele ein Doppelleben. Auch etliche der Interviewten verheimlichten ihre Tätigkeit als Prostituierte. Insbesondere Mütter achteten aus Sorge um ihre Kinder darauf, dass ihre Prostitutionstätigkeit nicht bekannt wird.
Aber auch Frauen ohne oder mit bereits erwachsenen Kindern verheimlichten im Freundes- bzw. Bekanntenkreis, womit sie ihr Geld verdienen.3 Sie fühlten sich damit jedoch nicht wohl und würden gerne offener mit ihrer Tätigkeit als Prostituierte umgehen.
Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen und soziale Sicherheit
Erwartet wurden von einem Prostitutionsgesetz weiterhin generelle Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen sowie soziale Absicherung, häufig in Verbindung mit beruflicher Anerkennung. Von den schriftlich Befragten äußerten sich fast gleich viele entsprechend.4
Auch persönlich Befragte wünschten sich eine generelle Verbesserung ihrer Situation sowie eine bessere soziale Absicherung für Prostituierte.
Konkrete Verbesserungen im Arbeitsbereich Prostitution und am Arbeitsplatz
Über eine allgemeine Entdiskriminierung und Verbesserung der Lebensbedingungen hinaus wurden an ein Prostitutionsgesetz auch konkrete Erwartungen im Hinblick auf die Gestaltung des Arbeitsbereiches Prostitution und des eigenen Arbeitsplatzes geknüpft. Die Wünsche der Befragten reichten vom sehr allgemein gehaltenen Wunsch nach geordnetem Ablauf über die Forderung nach härterer Bestrafung von Zuhältern bis hin zum Wunsch nach geringeren Mieten im Bordell.
Anregungen für eine Veränderung des Prostitutionsgesetzes
Von den schriftlich Befragten hatten 17,7 % (54) Anregungen für eine Veränderung des ProstG. Die meisten von ihnen betonten die Notwendigkeit der vollständigen Gleichstellung. Einige wollten konkrete Arbeitsplatz bezogene Regelungen wie z. B. normale Mieten im Gewerbe oder Strafe für diejenigen, die ohne Kondom arbeiten, im Gesetz verankert sehen. Einzelne forderten einheitliche steuerliche Regelungen, äußerten sich skeptisch bzw. dezidiert ablehnend zum ProstG oder nutzen den Platz für allgemeine Äußerungen wie z. B. „Hätte es das Gesetz schon früher gegeben, wäre mein Leben anders verlaufen“.
Mehr Informationen und Öffentlichkeitsarbeit zum ProstG hielten sowohl einige schriftlich als auch persönlich Befragte für wichtig.
Nur wenige äußerten keine Erwartungen oder lehnten das Gesetz ab
Nur wenige der schriftlich Befragten hatten keine Erwartungen an das ProstG oder lehnten es ausdrücklich ab.5 Die Äußerungen derjenigen, die keine Erwartungen an das Gesetz hatten, klangen überwiegend resigniert. Sie konnten sich offenbar nicht vorstellen, dass sich durch ein Gesetz ihre Situation verbessern würde. Vereinzelt wurden aber auch eine grundlegende Skepsis gegenüber Staat und Politik und der Wunsch geäußert, in Ruhe gelassen zu werden:
Die Ablehnung des ProstG beruhte auf dem Wunsch, dass alles so bleibt wie es ist oder wurde damit begründet, dass es zu keinen Verbesserungen geführt hätte:
1) Die im Fragebogen gestellte offene Frage „Was ist das Wichtigste, was Sie von einem Prostitutionsgesetz erwarten?“ wurde von zwei Dritteln aller schriftlich Befragten (201=65,9 %) und somit erstaunlich vielen beantwortet. Die ebenfalls offene Frage „Haben Sie Anregungen für eine Veränderung des Prostitutionsgesetzes?“ wurde dagegen nur von einem kleineren Teil (54=17,7 %) beantwortet. Die vorliegenden Antworten wurden im Nachhinein kategorisiert und entsprechend ihrer Hauptaussage einer Kategorie zugeordnet.
2) 74=36,8 % derjenigen, die Frage nach dem Wichtigsten beantworteten
3) Die Interviewten entschieden sich sehr bewusst, wem sie von ihrer Tätigkeit erzählten. Bei einigen wusste nur der Ehemann bzw. Partner Bescheid, bei anderen auch einige Familienangehörige oder wenige Freundinnen.
4) Bessere Arbeits- und Lebensbedingungen: 17,4 % der offenen Antworten; soziale Absicherung: 15,9 %.
5) Von den 201 Befragten, die die offene Frage nach der wichtigsten Erwartung an das Prostitutionsgesetz beantworteten, hatten 3,5 % (7) keine Erwartungen und nur 1,5 % (3) äußerten sich dezidiert ablehnend. Von den 54 Befragten, die die offene Frage nach Anregungen für eine Veränderung des Prostitutionsgesetzes beantworteten, äußerten sich 9,3 % (5) dem Gesetz gegenüber skeptisch bzw. ablehnend.