Untersuchung „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“
Die Einschätzungen der beruflichen Zukunft in der Prostitution waren recht unterschiedlich. Ein Teil der Befragten, insbesondere hauptberuflich Tätige, möchte sich als Prostituierte einen Anspruch auf Rente bzw. Arbeitslosengeld erwerben (siehe II.2.1). Die größte Zustimmung erhielt jedoch die Antwortvorgabe „Ich werde stärker auf meinen Rechten bestehen“ mit 42,7 % der Nennungen.1 Auch wollten etliche Befragte (26,3 %) in Zukunft ihre Tätigkeit nicht mehr verheimlichen. An diesen beiden Punkten unterschied sich das Antwortverhalten von haupt- und nebenberuflich als Prostituierte tätigen Befragten nicht wesentlich. Offenbar will ein nicht unwesentlicher Teil vor dem Hintergrund des ProstG in Zukunft offensiver mit ihrer Tätigkeit umgehen und ist sich bewusst, nunmehr auch als Prostituierte Rechte zu haben.
Über die Einschätzungen der Zukunft in der Prostitution hinaus wurden auch die möglichen Auswirkungen des ProstG auf die berufliche Zukunft in der Prostitution erfragt. Sie wurden ebenfalls unterschiedlich beurteilt. Am positivsten wurde die Möglichkeit, auf seinen Rechten zu bestehen, eingeschätzt. Die anderen Möglichkeiten wurden demgegenüber deutlich skeptischer gesehen.
| Item | verbessern | gleich bleiben | verschlechtern | ich weiß nicht |
| Meine Möglichkeiten, meine berufliche Position in der Prostitution auszubauen werden sich | 21,8 % | 21,5 % | 4,7 % | 28,4 % |
| Meine Chancen für einen Ausstieg werden sich | 22,2 % | 25,1 % | 5,1 % | 22,2 % |
| Meine Möglichkeiten einen anderen Beruf auszuüben werden sich | 16,4 % | 22,5 % | 13,5 % | 20,0 % |
| Meine Möglichkeiten für Umschulung, Qualifizierung oder Ausbildung werden sich | 16,0 % | 18,5 % | 11,3 % | 23,6 % |
| Meine Möglichkeiten, auf meinen Rechten zu bestehen werden sich | 43,3 % | 11,6 % | 2,2 % | 18,2 % |
* Die Frage „Hat das Prostitutionsgesetz Auswirkungen auf Ihre Zukunft?“ wurde nur den noch in der Prostitution Tätigen gestellt. Diejenigen, die keine Antwort gaben, wurden in der Tabelle nicht berücksichtigt.
Bei der Einschätzung der Auswirkungen des ProstG auf die Zukunftsperspektive in der Prostitution ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen haupt- und nebenberuflich tätigen Prostituierten. Lediglich die Chancen auf einen Ausstieg wurden von den hauptberuflich Tätigen etwas besser eingeschätzt (24,4 % gegenüber 19,5 % der nebenberuflich als Prostituierte Arbeitenden).
Die eher positive Einschätzung der Möglichkeiten, auf seinen Rechten zu bestehen, korrespondiert mit der Bereitschaft, stärker auf seinen Rechten zu bestehen. Diejenigen, die bei der Frage „Wie sehen Sie Ihre berufliche Zukunft in der Prostitution?“ die Variable „Ich werde stärker auf meinen Rechten bestehen“ ankreuzten, beurteilten die Möglichkeiten, auf ihren Rechten zu bestehen, deutlich positiver als andere.2
Die positive Einschätzung hinsichtlich der eigenen rechtlichen Möglichkeiten kann sich sehr förderlich auf das Selbstbewusstsein der Befragten auswirken. Vor allen bei denjenigen, die ihre entsprechenden Möglichkeiten als verbessert einschätzten und gleichzeitig in Zukunft stärker auf ihren Rechten bestehen wollten, kann davon ausgegangen werden, dass sie selbstbewusster gegenüber Betreibern bzw. Betreiberinnen und Kunden, aber auch auf Behörden, auftreten werden. Möglicherweise sehen aber auch gerade diejenigen, die bereits jetzt selbstbewusst mit ihrer Tätigkeit als Prostituierte umgehen, sich durch das ProstG in ihrer Position gestärkt und wollen in Zukunft verstärkt auf ihren Rechten bestehen.
1) Die Frage „Wie sehen Sie ihre berufliche Zukunft in der Prostitution?“ wurde nur im ausführlichen Fragebogen für tätige Prostituierte gestellt, N=262.
2) 135 Befragte positionierten sich bei der Frage nach den Auswirkungen des ProstG eindeutig und beantworteten auch die Frage nach ihrer beruflichen Zukunft in der Prostitution. 82 von ihnen wollten in Zukunft stärker auf ihren Rechten bestehen, davon schätzten 86,6 % (71) die Möglichkeiten, auf ihren Rechten zu bestehen, als verbessert ein. Von denen, die die Antwortvariable „Ich werde stärker auf meinen Rechten bestehen“ nicht ankreuzten (53), schätzten nur 64,2 % (34) die entsprechenden Möglichkeiten als verbessert ein.