Untersuchung „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“
Die Diskussion in Deutschland und auf europäischer Ebene (siehe IV) zeigt: Das Thema Prostitution wirkt polarisierend und wird von mehreren Seiten – feministische Organisationen, Kirchen, politische Parteien, Träger Sozialer Arbeit – als höchst symbolisches Thema besetzt.1 Die oft leidenschaftlich geführte Kontroverse beeinflusste sowohl das Gesetzgebungsverfahren als auch die aktuelle Diskussion über den Erfolg oder Misserfolg des ProstG in den Medien. Einerseits diskutieren konservative und liberale politische Flügel über ihr Verständnis davon, wie diese Gesellschaft sich zu Prostitution verhalten solle, andererseits besteht ein Dissens im feministischen Feld. Dabei treffen unvereinbar scheinende Positionen aufeinander.
Für die Forschung in diesem Feld sind daher in besonderem Maß Transparenz und Unvoreingenommenheit wichtige Leitlinien. Da die vielfältigen Stimmen und Interessen der in der Prostitution Tätigen meist hinter denen einzelner Interessengruppen aus dem Bereich Prostitution bzw. den Interessen Dritter zurück treten2, werden die subjektive Sicht und die Alltagstheorien der untersuchten Gruppe neben Ergebnissen standardisierter Forschung einbezogen. Die hier vorgelegte Untersuchung ist diesem Prinzip, die Stimmen der Frauen bzw. „Betroffenen“ zu hören, verpflichtet, dessen Wichtigkeit auch von der feministischen Forschung betont wird.3
1) Die Polarisierung zeigt sich z. B. in der Position, die die feministische Zeitschrift EMMA vertritt, aber auch in den Diskussionen der European Women’s Lobby.
2) Dies wird an der Auseinandersetzung zwischen der deutschen und der schwedischen Prostitutionspolitik deutlich (vgl. IV.1.2).
3) vgl. Hague / Mullender 2005