Grafik: 12. Kinder- und Jugendbericht

Vorwort

Foto der Bundesministerin Ursula von der Leyen Sehr geehrte Damen und Herren,

gesetztes Ziel der neuen Bundesregierung ist: Deutschland soll in den kommenden Jahren kinderfreundlicher werden. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir noch einiges unternehmen. Denn immer mehr Kinder wachsen in Armut auf. Der Einfluss der sozialen Herkunft von Kindern auf ihre Bildungschancen ist in Deutschland so groß wie sonst nirgendwo. Der Neuzugang zum Arbeitsmarkt ist schwerer und von Eltern wird oft ein Spagat zwischen Familien- und Erwerbsleben gefordert. Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung, um diesen Mentalitätswandel, der für Neuerungen notwendig ist, zu erreichen.

Der 12. Kinder- und Jugendbericht gibt hierfür wichtige Bausteine und Impulse. Im Auftrag der Bundesregierung hat sich die Sachverständigenkommission zum 12. Kinder- und Jugendbericht mit Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsprozessen im frühen Kindesalter und im Schulalter sowie ihrer Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe auseinandergesetzt.

Die Sachverständigenkommission stellt die Frage nach den Bildungs- und Lernprozessen von Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen sozialen und institutionellen Gegebenheiten, ihren Wirkungen sowie den Möglichkeiten ihrer Unterstützung und Förderung in den Mittelpunkt.

Bildung wird vor dem Hintergrund einer Trias von Bildung, Betreuung und Erziehung akzentuiert. Damit wird eine Perspektive eingenommen, die die Betrachtung von Bildung, Betreuung und Erziehung als getrennte – nebeneinander stehende oder altersgestuft nacheinander folgende – Bereiche überwinden will und diejenigen, um die es eigentlich geht, alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland, in das Zentrum der Diskussion rückt.

Die Aussagen und Empfehlungen des Berichts werden die Entwicklungen in der Kinder- und Jugendpolitik bereichern. Sie werden entscheidend mit dazu beitragen, eines der gesetzten Ziele zu erreichen: gleiche Bildungs- und Entwicklungschancen für alle Kinder.

Die zentralen Aussagen des Berichts sind aus meiner Sicht:

Es gibt neben der der Eltern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern, für ihre Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung, für Vertrauensbildung und Bindungsfähigkeit. Dieser Verantwortung müssen sich Eltern, aber auch die Politik und die Institutionen der Betreuung, Erziehung und Bildung stellen. Verantwortung wird zum Schlüsselbegriff für die Zukunft: Gemeint ist die Verantwortung für einander, die Verantwortung für das Wohl der kommenden Generationen.

Die Herstellung von Chancengerechtigkeit ist eine herausragende Aufgabe der aktuellen Kinder- und Jugendpolitik. Es wachsen zunehmend Kinder in seelischer und körperlicher Vernachlässigung auf. Deshalb müssen wir uns am Anfang des Lebens dieser Kinder viel stärker um sie kümmern. Denn schon in den ersten Lebensmonaten der Kinder werden die entscheidenden Weichen ihrer Entwicklung gestellt. Einrichtungen wie Kinderkrippen, die Tagespflege, Kindertagesstätten und Schulen als Lebens- und Lernraum haben dabei eine Schlüsselstellung. Dort können wir Kinder aus allen sozialen Schichten über einen längeren Zeitraum hinweg erreichen und fördern sowie ihre Bildungs- und Zukunftschancen verbessern.

Familie und ein verbessertes öffentliches Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot müssen zusammenkommen. Nur so können wir die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen verbessern und Angebote aus einer Hand anbieten. Es kommt entscheidend darauf an, dass es gelingt, die Familien mit intelligenten Maßnahmen in die Angebote zur Bildung, Betreuung und Erziehung einzubeziehen.

Betreuung, Erziehung und Bildung müssen sich an den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder orientieren und nicht etwa an den Grenzen der Institutionen. Das Kind als eigene Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen, ist ein richtiger Ansatz mit allen Folgen für die beteiligten Akteure und das gesamte System.

In diesem Sinne wünsche ich mir eine intensive Auseinandersetzung mit dem 12. Kinder- und Jugendbericht und hoffe auf Ihr Engagement bei der notwendigen Diskussion und Gestaltung der Themen!


Grafik: Unterschrift Ursula von der Leyen
Ihre
Dr. Ursula von der Leyen