Service-Angebote
Inhaltsbereich
1. Handlungsfeld: Arbeitsberatung und -vermittlung
Die Aufnahme einer existenzsichernd bezahlten Erwerbsarbeit stellen sich die allermeisten Alleinerziehenden, die Arbeitslosengeld II (davor Hilfe zum Lebensunterhalt) beziehen, als den Ausweg aus chronischem Finanzmangel und einer damit insgesamt materiell prekären Lebenssituation für die ganze Familie, vor. Dieser Weg ist jedoch mit zahlreichen Hürden verstellt. Ziel dieses Kapitels ist es, diese Hürden in den Blick zu nehmen und Empfehlungen zu geben, welchen Anforderungen die Beratung und Vermittlung Alleinerziehender entsprechen muss, um bei der Arbeitsmarktintegration Erfolge zu erzielen.
Unsere Gesellschaft befindet sich derzeit im Übergang hin zu einem neuen Selbstverständnis und neuen Lebensentwürfen von Frauen. Sie wollen Mutterrolle und Berufstätigkeit auch mit kleinen Kindern vereinbaren, statt - wie bisher häufig der Fall - mit der Geburt eines Kindes für eine längere Elternzeit einen beruflichen Ausstieg über mehrere Jahre in Kauf zu nehmen. Alleinerziehende nehmen in diesem gesellschaftlichen Wandel eine Vorreiterrolle unter den Frauen ein: Sie kehren früher in die Berufstätigkeit zurück und sind häufiger Vollzeit erwerbstätig. Sie zeichnen sich aber nicht nur durch eine besonders hohe Erwerbsorientierung aus, sondern aufgrund ihrer Lebensform auch durch eine stärkere Verletzlichkeit und sind daher auf zuverlässige Angebote passgerechter Unterstützung besonders angewiesen.
Die neuen, noch im Entstehen und Erproben befindlichen Strukturen und Verantwortlichkeiten in der kommunalen Arbeitsmarktpolitik seit Inkrafttreten der Hartz IV-Reform zu Beginn des Jahres 2005 verändern nichts an der Grundsituation, dass es Alleinerziehende besonders schwer haben, wenn sie erstmals in die Berufstätigkeit einsteigen oder nach der Elternzeit zurückkehren wollen. Dennoch eröffnen sich neue Möglichkeiten, denn mit der Gesetzesänderung wird auch ein Paradigmenwechsel eingeleitet hin zur breiten Aktivierung auch Alleinerziehender in schwierigen Lebenssituationen sowie der Mütter unter 3jähriger Kinder zum Einstieg in die Erwerbstätigkeit und ihrer Unterstützung bei diesem Vorhaben. Wenn Beratende Alleinerziehende dabei unterstützen, so leisten sie einen Beitrag nicht nur für Alleinerziehende, sondern sie tragen aktiv zur Gestaltung der Gesellschaft hin zu einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einer weiter steigenden Akzeptanz und einem neuen Selbstverständnis dieser Lebensperspektive bei.
Viele Alleinerziehende, und darunter insbesondere die mit Kindern unter 3 Jahren oder komplexen Problemlagen, gehörten bis Ende 2004 nicht zum Kundenkreis der Arbeitsagentur, sondern bezogen als Kundinnen der Sozialämter Hilfe zum Lebensunterhalt, weil sie aufgrund der ihnen zugesprochenen "häuslichen Bindung" dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen. Alleinerziehenden mit Kleinkindern bleibt auch nach der neuen Gesetzeslage ihre freie Entscheidung zum Ob und Wie eines beruflichen Wiedereinstiegs. Diejenigen, die sich eine rasche Rückkehr in die Berufstätigkeit wünschen, sollen jedoch jetzt von Fachkräften dabei unterstützt werden. Nicht nur die betroffenen Alleinerziehenden, sondern auch viele Berater/innen in den kommunalen Arbeitsgemeinschaften - persönliche Ansprechpartner wie auch Fallmanager - sehen sich vor neue Aufgaben gestellt, für die sie speziell qualifiziert sein sollten, denn der Ansatz des beschäftigungsorientierten Fallmanagements verlangt ein neues Vorgehen bei der Unterstützung des Übergangs in die Erwerbstätigkeit. Neben einer ausgeprägten persönlichen Beratungskompetenz sind Kenntnisse der spezifischen Lebenssituation und Bedarfslage Alleinerziehender, der Unterstützungsangebote für berufstätige Alleinerziehende vor Ort und der Einstellungshürden für Alleinerziehende bei Arbeitgebern erforderlich. Auf dieser Grundlage sollen Beratung und Vermittlung Alleinerziehender so optimiert werden, dass der Benachteiligung am Arbeitsmarkt entgegengewirkt wird und Alleinerziehende beim nachhaltigen Einstieg in Berufstätigkeit unterstützt werden.


