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9.7 Soziale Netzwerke

In der Fachliteratur (Niehaus 1993; Michel u.a. 2003 u.a.) wird immer wieder darauf verwiesen, dass Frauen und Männer mit Behinderungen nur über eingeschränkte soziale Netze verfügen. Das findet seine Bestätigung in den Daten des SOEP (Abbildung 9.33), sowohl in Bezug auf die Anzahl der Freundinnen und Freunde als auch bei Betrachtung von zwei Indikatoren, die auf die Qualität der Beziehungen verweisen.

Abbildung 9.33: Anzahl der engen Freundinnen und Freunde von behinderten undnicht behinderten Frauen und Männern nach Schwere der Behinderung in Deutschland 2003 (in %)

Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2004; eigene Berechnungen

Schwerbehinderte Frauen und Männer müssen häufiger als gaben ähnlich wie nicht behinderte gänzlich auf einen Freundeskreis verzichtenannähernd gleich große enge Freundeskreise an, leichtbehinderte Männer besaßen jedoch etwas häufiger als leichtbehinderte Frauen keine Freunde oder Freundinnen. Schwerbehinderte Frauen und Männer gaben jeweils doppelt so oft wie nicht behinderte an, überhaupt keine Freundinnen und Freunde zu haben (jede achte schwerbehinderte Frau und jeder siebente schwerbehinderte Mann). Durchschnittlich zwei Drittel der behinderten sowie nicht behinderten Frauen und Männer nannten ein bis fünf Freundinnen und Freunde, etwa jede fünfte schwerbehinderte Frau bzw. jeder fünfte schwerbehinderte Mann besaß fünf und mehr Freundinnen und Freunde, bei leicht oder nicht behinderten traf das auf ein Viertel der Frauen und Männer zu. Leichtbehinderte Männer besaßen jedoch etwas häufiger als leichtbehinderte Frauen keine Freunde oder Freundinnen.

Die Anzahl der Freundinnen und Freunde sagt jedoch noch nichts aus über die Qualität der Beziehungen. Deshalb sollen aus dem SOEP zwei Indikatoren angefügt werden, die einen Rückschluss auf die Qualität der Freundschaften zulassen.

Auf zulässt: die Fragen, ob sie den Freundinnen und bzw.Freunden persönliche Dinge bzw. Geld leihen würden, antworteten 93 Prozent der schwerbehinderten Frauen und 91 Prozent der schwerbehinderten Männer, dass sie das nie machen würden. Bei den leichter Behinderten erklärten es 92 Prozent der Frauen, und 86 Prozent der Männer und von den nicht Behinderten nur 84 Prozent der Frauen bzw. 80 Prozent der Männer. Persönliche Dinge würden schon eher an Freundinnen und Freunde ausgeliehen. Allerdings stimmten leicht oder nicht behinderte Frauen und Männer dieser Aussage stärker zu als schwerbehinderte, wobei sich Frauen und Männer in den jeweiligen Gruppen nicht wesentlich in ihren Antworten unterschieden geliehen würde (Abbildung 9.34).

Abbildung 9.34: Bereitschaft behinderter und nicht behinderter Frauen und Männer, Freundinnen und Freunden persönliche Dinge zu leihen (in %)

Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2003; eigene Berechnungen

Auch wenn die Häufigkeit von Kontakten zu Freundinnen und Freunden sowie zu Verwandten noch kein Maßstab für die Qualität der Kontakte darstellt, sind sie doch ein weiterer Indikator für die Einbindung in ein bestehendes soziales Netz (Abbildung 9.35, Abbildung 9.36).

Abbildung 9.35: Besuchshäufigkeit von Nachbarinnen und Nachbarn sowie Freundinnen und Freunden bei behinderten und nicht behinderten Frauen und Männern in Deutschland 2003 (in %)

Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2003; eigene Berechnungen

Abbildung 9.36: Besuchshäufigkeit von Familienangehörigen bei behinderten und nicht behinderten Frauen und Männern in Deutschland 2003 (in %)

Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2003; eigene Berechnungen

Im Geschlechtervergleich zeigt sich, dass schwerbehinderte Frauen etwas häufiger als schwerbehinderte Männer mehrmals monatlich Besuche von Freundinnen und Freunden oder Verwandten erhielten. Dieses Ergebnis bestätigt sich auch im Vergleich der Frauen und Männer insgesamt: Frauen pflegen etwas häufiger soziale Kontakte als Männer. Schwerbehinderte Frauen und Männer gaben häufiger als leicht und nicht behinderte Personen an, nie Besuch von Freundinnen und Freunden, Nachbarinnen und Nachbarn oder Verwandten zu bekommen, ansonsten ähneln sich die Angaben schwer, leicht und nicht behinderter Frauen und Männer zumindest in Bezug auf die familialen Kontakte. Im Ost-West-Vergleich werden geringfügig höhere Besuchsfrequenzen von Freundinnen und Freunden sowie Bekannten in den westdeutschen Ländern angegeben, in den ostdeutschen Ländern hingegen tendenziell höhere Besuchsfrequenzen durch Familienangehörige.

Aus den dargestellten Ergebnissen zur Verfügbarkeit sozialer Netze bestätigt sich erneut die geringere Einbindung behinderter Frauen und Männer in außerfamiliale Netze und die größere Bedeutung der Familie. Einschränkungen bei der Wahrnehmung von Teilhabechancen wirken sich auf Größe und Stabilität sozialer Netze aus. Die geringereGeringe berufliche Integration und geringere materielle Ressourcen erschwerenbegrenzen ebenso wie hohe Anforderungen bei der Alltagsbewältigung oder ideelle Barrieren im Zusammenleben behinderter oder nicht behinderter Frauen und Männer den Aufbau tragfähiger sozialer Beziehungen.