Inhaltsbereich

9.7.2 Bewertung der eigenen Lebenssituation

Abschließend soll die Zufriedenheit behinderter und nicht behinderter Frauen und Männer mit wesentlichen Lebensbereichen dargestellt werden (Abbildung 9.39).

Abbildung 9.39: Zufriedenheit behinderter und nicht behinderter Menschen mit ausgewählten Lebensbereichen in Deutschland 2003 (Mittelwerte)

1 = sehr unzufrieden, 10 = sehr zufrieden
Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2003; eigene Berechnungen

Mit Ausnahme der in fünf Jahren erwarteten Lebenszufriedenheit unterscheiden sich behinderte und nicht behinderte Frauen und Männer nicht wesentlich in der Bewertung der Lebensbereiche Waren/Dienstleistungen, Wohnbedingungen, Einkommen, Freizeit, allgemeiner Lebensstandard und öffentliche Verkehrsmittel. Deutlichere Unterschiede gibt es bezüglich der künftig erwarteten Lebenszufriedenheit, die von nicht behinderten Personen positiver bewertet wird. Das Alter und die Bewertung des aktuellen Gesundheitszustandes beeinflussen dieses Ergebnis offensichtlich ebenso wie die allgemeine aktuelle Lebenslage. Aus diesem Grund sollen für die Bewertung des Gesundheitszustandes sowie für die in fünf Jahren erwartete allgemeine Lebenszufriedenheit die Ergebnisse des SOEP noch einmal differenzierter dargestellt werden, da sich hierbei die Ergebnisse für behinderte und nicht behinderte Frauen und Männern sowie für Ost- und Westdeutschland deutlich unterscheiden (Tabelle 9.13).

Tabelle 9.13: Bewertung des gegenwärtigen Gesundheitszustandes aus der Sicht behinderter und nicht behinderter Frauen und Männer in West- und Ostdeutschland 2003 (in %)

1 Westdeutschland einschl. Berlin-West
2 Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2003; eigene Berechnungen

Frauen geben generell einen schlechteren Gesundheitszustand an als Männer. Schwerbehinderte Frauen und Männer bewerten ihren aktuellen Gesundheitszustand erwartungsgemäß wesentlich schlechter als leichtbehinderte oder nicht behinderte. Mit Ausnahme der leichtbehinderten Frauen sind Ostdeutsche mit ihrer Gesundheit unzufriedener als Westdeutsche. Weiterhin lässt sich ein enger Zusammenhang zum Lebensalter feststellen. So steigt bei Männern bis zum 55. Lebensjahr der Anteil derer, die ihre Gesundheit als unbefriedigend bis schlecht bewerten, auf 61 Prozent der schwerbehinderten, 42 Prozent der leichtbehinderten und 10 Prozent der nicht behinderten Männer. Über 55-jährige schwer- sowie leichtbehinderte Männer sind dann mit ihrer Gesundheit wieder etwas zufriedener. Der Anteil nicht behinderter Männer sowie der Frauen aller drei Vergleichsgruppen, die ihren Gesundheitszustand als schlecht bewerten, steigt kontinuierlich mit zunehmendem Alter an.

Die in fünf Jahren erwartete allgemeine Lebenszufriedenheit drückt aus, wie optimistisch behinderte und nicht behinderte Frauen und Männer in die Zukunft sehen (Tabelle 9.14).

Tabelle 9.14: In fünf Jahren erwartete Lebenszufriedenheit aus der Sicht behinderter und nicht behinderter Frauen und Männer in West- und Ostdeutschland 2003 (in %)

1 Westdeutschland einschl. Berlin-West
2 Ostdeutschland einschl. Berlin-Ost
Datenbasis: SOEP
Quelle: SOEP 2003; eigene Berechnungen

Männer und Frauen mit vergleichbarer körperlicher Beeinträchtigung zeigen sich jeweils ähnlich optimistisch. Frauen und Männer in Ostdeutschland sehen jedoch weniger optimistisch in die Zukunft als die in Westdeuschland. Der Anteil derer, die erwarten, in fünf Jahren mit ihrer allgemeinen Lebenssituation zufrieden zu sein, ist am niedrigsten bei schwerbehinderten ostdeutschen Frauen. Leichtbehinderte Personen sind optimistischer als schwerbehinderte, nicht behinderte optimistischer als behinderte. Es fällt allerdings auf, dass leichtbehinderte Männer im Osten zu einem deutlich höheren Anteil als leichtbehinderte Frauen im Osten unzufrieden sind. In diesen Ergebnissen spiegelt sich letztlich die Bewertung der gesamten Lebenssituation wider, die sowohl gesundheitliche Aspekte umfasst als auch die Bewertung der wirtschaftlichen Lage und vielleicht auch die der Zukunftsperspektive der Region. Wie komplex und vielfältig die subjektive Verarbeitung von Behinderungen ist, können qualitative Studien deutlich machen (zum Beispiel Bruner 2005).