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8.7 Überblick über die Ergebnisse

Gesundheit und Krankheit lassen sich weniger als andere Bedingungen und Chancen des Lebens alleine an objektiven Kriterien festmachen, denn der Gesundheitszustand ist sehr stark von subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen der Individuen abhängig. Menschen mit den gleichen objektiven Befunden schätzen sich zum Teil als gesund, zum Teil als krank ein. Daten zum Gesundheitsstatus und zu den Gesundheitsrisiken von Frauen und Männern werden deshalb auch auf unterschiedlichen Wegen ermittelt. Unter anderem können Meldungen der Krankenhäuser, Ergebnisse von Bevölkerungsbefragungen sowie Gesundheitsdaten der Krankenkassen herangezogen werden.

In Deutschland beträgt die Lebenserwartung neugeborener Mädchen 81 Jahre, die neugeborener Jungen 75 Jahre. Mitte der 90er-Jahre lag die Lebenserwartung in den östlichen Bundesländern noch deutlich unter der in den westlichen. Im Jahr 2002 war jedoch schon eine Angleichung festzustellen. Betrachtet man die Lebenserwartung von Frauen und Männern in anderen industrialisierten Ländern, so kommt man zu ähnlichen Ergebnissen wie in Deutschland. In welchem Umfang biologische Schutzfaktoren, günstigere Lebensumstände oder ein kulturell verankerter sorgsamerer Umgang mit dem eigenen Körper für die durchschnittlich höhere Lebenserwartung von Frauen ausschlaggebend sind, ist nicht geklärt. Die höhere Lebenserwartung von Frauen geht mit einer im Durchschnitt längeren Phase gesundheitlich schwerer Beeinträchtigungen im Alter einher. Frauen haben allerdings gleichzeitig auch mehr gesunde Lebensjahre als Männer zu erwarten. Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Staaten ist in Deutschland die diesbezügliche Geschlechterdiskrepanz besonders groß.

Frauen geben im Durchschnitt etwas häufiger als Männer an, im Verlauf der vergangenen vier Wochen krank gewesen zu sein. Die Häufigkeit von Erkrankungen nimmt für beide Geschlechter mit dem Alter zu. Unfallverletzungen erleiden Männer im Durchschnitt häufiger als Frauen. Für Männer sind die Jugend und die ersten Jahrzehnte der Erwerbstätigkeit besonders unfallträchtig, Frauen sind dagegen im Alter gefährdeter, Unfälle zu erleiden.

Männer bewerten ihren Gesundheitszustand im Durchschnitt besser und sind mit ihrer Gesundheit zufriedener als Frauen. Einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die Beurteilung des eigenen Gesundheitszustandes als das Geschlecht hat das Alter; auch die Höhe des Einkommens, der berufliche Bildungsabschluss und der Status der Erwerbstätigkeit korrelieren mit dieser Beurteilung. Am zufriedensten mit ihrer Gesundheit sind junge Männer mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss, die voll erwerbstätig sind, über ein hohes Einkommen verfügen und in den westlichen Bundesländern leben. Am unzufriedensten sind Frauen, deren Einkommen an der Armutsgrenze oder darunter liegt.

Frauen stellen circa 55 Prozent der Krankenhauspatientinnen und -patienten, Männer verbringen jedoch durchschnittlich mehr Tage im Krankenhaus. In allen Altersgruppen ab 50 Jahren werden sie länger stationär behandelt als Frauen. Die häufigsten Ursachen für einen Krankenhausaufenthalt sind für beide Geschlechter sehr unterschiedlich: Frauen suchen ein Krankenhaus am häufigsten zur Geburt eines Kindes auf, in diesem Fall ist der Behandlungsanlass keine Krankheit. Die folgenden drei häufigsten Diagnosen sind Brustkrebs, Herzinsuffizienz und Gallensteine. Männer werden im Krankenhaus am häufigsten wegen einer verminderten Durchblutung des Herzens stationär behandelt, gefolgt von psychischen und Verhaltensstörungen, die durch den Missbrauch von Alkohol ausgelöst wurden, sowie wegen eines Leistenbruchs.

Zu den Todesursachen: Frauen und Männer sterben etwa gleich häufig an Krebs, an Krankheiten des Atmungssystems sowie an Krankheiten des Verdauungssystems. Frauen sterben deutlich häufiger als Männer an Krankheiten des Kreislaufsystems und infolge von Stürzen. Am stärksten unterscheiden sich die Todesursachen von Frauen und Männern in Bezug auf Transportmittelunfälle und Selbstmorde; diese betreffen zu über 70 Prozent Männer.

Auch bezüglich gesundheitsbewusster versus -riskanter Verhaltensweisen lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede konstatieren: So sind Mädchen in der Jugendphase sportlich weniger aktiv als Jungen, im erwachsenen Alter treiben allerdings mehr Frauen Sport und der Anteil der Männer geht zurück. Auch im Hinblick auf ihre Ernährungsgewohnheiten unterscheiden sich Frauen und Männer. Während sich Frauen häufiger als gestresste Alltagsmanagerinnen bezeichnen, finden sich deutlich mehr Männer bei den desinteressierten Fast-Food-Essern. Mehr als die Hälfte der im Mikrozensus befragten Männer in Deutschland sind übergewichtig oder stark übergewichtig, Frauen sind dagegen häufiger normal- oder untergewichtig. Junge Frauen leiden häufiger als junge Männer an Essstörungen.

Frauen und Männer tragen auch deshalb unterschiedliche Gesundheitsrisiken, weil sie in unterschiedliche Substanzabhängigkeiten geraten: Frauen werden häufiger als Männer von Medikamenten abhängig; Männer rauchen mehr, die Rauchgewohnheiten von Mädchen und Jungen unterscheiden sich jedoch nur noch geringfügig. Auch durch Alkoholkonsum sowie durch illegale Drogen gefährden sich Männer häufiger als Frauen.




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