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8.6 Gesundheitsstatus und Gesundheitsrisiken von Migrantinnen und Migranten

Recherchen zum Thema Migration und Gesundheit haben ergeben, dass es hierzu kaum quantitative Untersuchungen in Deutschland gibt. Noch weniger Daten finden sich zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Das Statistische Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland unterscheidet in seiner Fachserie zum Gesundheitswesen (FS 12/R6.2) nicht nach Deutschen und Nicht-Deutschen, in den ostdeutschen Bundesländern werden Ausländerinnen und Ausländer wegen ihres geringen Anteils an der Gesamtbevölkerung überhaupt nicht erfasst und die Gesundheitsberichterstattung des Bundes erhebt Daten zu Migrantinnen und Migranten nur sporadisch für einzelne Indikatoren. Erkenntnisse zum Gesundheitsstatus von Migrantinnen und Migranten bieten nur einige kleine, zumeist eher qualitativ ausgerichtete Studien, in denen Einzelfälle oder kleine Populationen untersucht werden, die keine generellen Aussagen zulassen.[215]

Betrachtet man Daten zu Migration und Gesundheit muss darüber hinaus berücksichtigt werden, dass die Lebenslagen von Migrantinnen und Migranten sehr unterschiedlich sind. Je nach Herkunftsländern, kulturellen und religiösen Hintergründen, Länge des Aufenthalts in Deutschland, sprachlichen Fähigkeiten, Geschlecht, Bildungsstatus und sozialer Schicht ergeben sich unterschiedliche soziale und gesundheitliche Lagen für die Einzelnen (siehe auch 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2005). Das heißt, globale Aussagen über Migrantinnen und Migranten, wie sie mit Hilfe aggregierter Daten formulierbar sind, müssen mit Vorsicht betrachtet werden.

Das Statistische Bundesamt weist seit dem Jahr 2000 keine Daten zur Lebenserwartung der nicht-deutschen Bevölkerung mehr aus, da durch die Reform des Staatsbürgerschaftsrechts[216] die Zahl der Kinder mit doppelter Staatsbürgerschaft rapide anstieg und es nicht mehr möglich ist, die Daten mit denen früherer Jahre zu vergleichen.

Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes erhebt das durchschnittliche Alter der Gestorbenen[217] nach Todesursachen, Nationalität und Geschlecht. Hier zeigen sich große Unterschiede zwischen Ausländerinnen bzw. Ausländern und Deutschen.

Tabelle 8.11: Durchschnittliches Alter der Gestorbenen nach Nationalität und Geschlecht in Deutschland 2003 (in Jahren)

1 Mit äußeren Ursachen sind nicht-natürliche Todesursachen wie Verletzungen, Vergiftungen und Unfälle gemeint.
Datenbasis: Todesursachenstatistik
Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Indikator: Durchschnittliches Alter der Gestorbenen in Jahren; eigene Zusammenstellung

Tabelle 8.11 zeigt gravierende Unterschiede im durchschnittlichen Alter der Gestorbenen nach Nationalität und Geschlecht. Das Durchschnittsalter der ausländischen Gestorbenen liegt 10 bis 15 Jahre unter dem der Deutschen, vor allem ihr Todesalter infolge von äußeren Ursachen und Unfällen ist auffällig niedrig.

Von diesen Daten kann allerdings nicht auf ein besonders hohes Risiko der ausländischen Bevölkerung, schon in jungen Jahren zu sterben, geschlossen werden. Die in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer sind im Durchschnitt jünger als die Deutschen (Abbildung 8.18), deshalb ist auch unabhängig von ihrem Gesundheitsrisiko mit einem niedrigeren Todesalter der ausländischen Bevölkerung zu rechnen.

Abbildung 8.18: Deutsche und ausländische Frauen und Männer nach Altersgruppen1 in Deutschland 2003 (in %)

1 Anteil der Altersgruppen jeweils an deutschen Frauen, deutschen Männern, ausländischen Frauen und ausländischen Männern
Lesehilfe: Im Alter unter 5 Jahren beträgt der Anteil der deutschen Jungen an allen deutschen Jungen und Männern 4,9 Prozent, der Anteil der deutschen Mädchen an allen deutschen Mädchen und Frauen beträgt 4,4 Prozent; der Anteil der ausländischen Jungen an allen ausländischen Jungen und Männern beträgt 3,5 Prozent und der Anteil der ausländischen Mädchen an allen ausländischen Mädchen und Frauen beträgt 3,6 Prozent.
Datenbasis: Bevölkerungsstatistik 31.12.2003
Quelle: Statistisches Bundesamt; eigene Berechnungen und Darstellung

Aus Abbildung 8.18 ist zu ersehen, dass es in der deutschen Bevölkerung einen größeren Anteil an Kindern unter 5 Jahren gibt als in der ausländischen. Dies beruht auch auf der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts 2000 (s.o.). Ab dem Alter von 5 Jahren überwiegen die Mädchen und Jungen mit ausländischer Staatsangehörigkeit etwas. Deutliche Unterschiede werden ab dem Alter von 15 Jahren sichtbar. Während die Anteile der Altersgruppen bei der deutschen Bevölkerung bei den 20- bis 25-Jährigen und den 25- bis 30-Jährigen geringer sind als bei den 15- bis 20-Jährigen, steigen sie bei den Nicht-Deutschen steil an. Die ausländische Bevölkerung hat ihren eindeutigen Höhepunkt schon im Alter von 20 bis 45 Jahren (die Hälfte aller in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer fallen in diese Altersgruppen, jedoch nur 36 Prozent der deutschen Männer und 33 Prozent der deutschen Frauen; eigene Berechnungen), während bei den Deutschen die Altersgruppen der 35- bis 50-Jährigen am stärksten besetzt sind.[218] Für die deutsche Bevölkerung ergibt sich ein zweiter Höhepunkt bei den 60- bis 70-Jährigen. Diese Altersgruppen sind bei den Nicht-Deutschen deutlich seltener besetzt als bei den Deutschen. Betrachtet man Abbildung 8.18 nach Geschlecht, so finden sich keine auffälligen Unterschiede.




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