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8.4 Gesundheitsbewusste versus riskante Verhaltensweisen
Die in diesem Kapitel referierten Befunde haben bereits viele Hinweise darauf gegeben, dass Frauen und Männer unterschiedliche Gesundheitsrisiken tragen. Als Erklärung für diese Befunde werden häufig die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Lebensverhältnisse herangezogen, so etwa die höheren Unfallrisiken für Männer im produzierenden Gewerbe oder die von Frauen meist bis ins hohe Alter übernommene Verantwortung für Hausarbeit mit den damit verbundenen Verletzungsgefahren.
Es wäre allerdings verkürzt, die unterschiedlichen Gesundheitsrisiken von Frauen und Männern allein auf die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zurückführen zu wollen. Vielmehr sind geschlechtsspezifische Krankheits- und Unfallprofile auch mit kulturellen Mustern von Weiblichkeit und Männlichkeit verknüpft, die geschlechtsspezifisches Risikoverhalten jenseits von Familien- und Erwerbsarbeit nahe legen. Dass bei den stationär behandelten Männern zum Beispiel "psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol" als zweithäufigste Diagnose verzeichnet wird, während diese Diagnose bei Patientinnen unter den 20 häufigsten gar nicht erscheint, zeigt, dass nicht nur die unterschiedliche Beteiligung von Frauen und Männern an Erwerbsarbeit zu unterschiedlichen Gesundheitsrisiken (etwa Unfallrisiken am Arbeitsplatz) führt, sondern dass es daneben geschlechtsspezifisches Risikoverhalten gibt, das subjektiv funktional erscheint, um familienspezifischen Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern, etwa dem trinkfesten Mann oder der Frau mit Mannequinfigur, gerecht zu werden (Helfferich 1997).
Als gesundheitsrelevante Verhaltensweisen werden im Folgenden Sport und Bewegung, Ernährung, das Verhalten im Straßenverkehr und der Suchtmittelmissbrauch thematisiert.


